Wenig Interesse an Wohnen für Hilfe? Kann das sein?


#1

Ich habe eine kleine Einliegerwohnung in einem Einfamilienhaus, das ich selbst bewohne, möbliert zu vermieten. Ich wünsche mir Hilfe im Garten und Homesitting während meines Urlaubs. Eigentlich dachte ich, es wäre einfach in der Universtätsstadt Bielefeld eine ruhige Mitbewohnerin zu finden. Aber hier gibt es anscheinend kein Interesse an dem Modell Wohnen für Hilfe. Die Studentische Wohnungsvermittlung hat das Modell wieder aufgegeben. Kein Interesse seitens der Studenten sagte man mir. Dabei schreiben die Zeitungen regelmäßig zu Semesterbeginn von großer Wohnungsnot der Studenten. Wie sind die allgemeinen Erfahrungen? Funktioniert es woanders besser?


#2

Ich denke, es kommt auf den “Anspruch” an.
Das lernen, wenn Pruefungen anstehen, ist schon enorm.
Dann muss natuerlich die Sicherheit (Mietzeit)gegeben sein.
Allerdings hast auch du es schon richtig erkannt; die “Freiheit” wollen sehr viele Studenten nicht aufgeben.


#3

Ja, fleißig muß man bestimmt sein. Aber viele Studenten müssen auch nebenbei verdienen. Da denkt man, warum dann also nicht wohnen für Hilfe? Das ist dann so wie ein Job. Aber es wird schon so sein bei manchen, wie Capy sagt, die jungen Leute fühlen sich bei diesem Modell vielleicht nicht wirklich unabhängig.


#4

Es ist auf jeden Fall auffällig, dass die Nachfrage nach “Wohnen für Hilfe” bei Studierenden stark vom lokalen Wohnungsmarkt und den zubezahlenden Mieten abhängig ist. Wie es konkret vor Ort in Bielefeld aussieht kann ich leider nicht sagen.
Die Kategorie “Wohnen für Hilfe” hat sich bei www.pluswgs.de eher zufällig ergeben, da es bisher kaum zentrale Portale gibt, die sich mit dem Thema befassen. Perspektivisch möchte ich ein gesondertes Portal für diesen Bereich erstellen, da ich davon ausgehe, dass die Nachfrage insgesamt steigen wird.
@GBBi, hast du es denn einmal mit einer Angebotsanzeige bei plusWGs probiert (www.pluswgs.de/angebot-aufgeben) ? Ich kann unter deiner E-Mailadresse keine Anzeige finden …

Viele Grüße
@FelixHerzog


#5

Hallo Felix,
ich habe bei uns (Wohnprojektbodensee) auch an die Einrichtung für Wohnen gegen Hilfe gedacht und habe die Homepage pluswgs durchforstet. Es gibt doch einige Nachfragen nach dieser Möglichkeit. Leider ist die Qualität der Anzeigen nicht besonders aussagekräftig. Was und wie soll etwas getan werden, wie soll die Wohnung beschaffen sein. Suche ich eine 1 Zimmer Wohnung oder brauche ich 5 Zimmer! Will ich täglich 10 Stunden dafür arbeiten oder in der Woche 1 Stunde?
Ich vergleiche dies mit einer Anzeige auf dem Arbeitsmarkt. Suche Arbeit. Wer ruft hier an? Es sollte einfach besser beschrieben werden, von beiden Seiten. Hier sollte das Portal Pflichtfelder definieren.
Ich freue mich auf das neue Portal. Gruß Ralph


#6

Hallo Ralph,
ja, es ist absolut richtig, dass viele Anzeigen, egal in welcher Kategorie, einen etwas dürftigen Text haben. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich viele Inserenten noch gar keine großen Gedanken über ein gemeinschaftliches Wohnen bzw. Wohnen für Hilfe gemacht haben.
Bei “Wohnen für Hilfe” gilt in der Regel jedoch im Normalfall als Faustregel, dass pro Quadratmeter eine Stunde pro Monat gearbeitet werden soll. Wie die Arbeit aussieht muss dann im Einzelfall definiert werden. Es reicht von putzen über einkaufen oder einfach nur Gesellschaft leisten. Im Normalfall ist es auf jeden Fall so, dass keine Pflege vom helfenden Mitbewohner geleistet wird.
Zum Thema “Wohnen für Hilfe” gibt es vom ZDF eine recht gute Doku:

Beim neuen Portal sollen auf jeden Fall mehr Informationen abgefragt werden, damit auch wirklich möglichst zusammen passende Personen zu einander finden.


#7

Danke für das Video. Es illustriert sehr gut, daß wirklich in den Anzeigen detailliert beschrieben werden soll, was geboten wird und was erwartet wird. Bei den gezeigten drei Fällen müßten sich die jungen Leute ja wirklich sehr anpassen und bestimmt auch einiges an Unabhängigkeit aufgeben. Vielleicht verstehen die meisten jungen Leute unter “Wohnen für Hilfe” genau das. Das kann natürlich auch anders sein. Vielleicht sollte ich mir eine andere Formulierung ausdenken, etwa "Vermiete hübsche kleine möblierte Wohnung für soundso viel und die Miete soll zumindest teilweise durch Gartenarbeit à 10 € pro Stunde abgearbeitet werden. Mietvertrag und Minijob.


#8

Wohnen für Hilfe,

eigentlich eine tolle Idee. Für Studenten Ideal. Für ältere Menschen auch, weil man so evtl. mit kleiner Rente auskommen kann und auch nicht alleine leben muss.

Meine Tochter hat es während ihrer Ausbildung probiert. Aber mit der Oma passte es nicht. Die Lebensauffassung und die Auffassung über Sauberkeit und Ordentlichkeit waren zu verschieden. Nach einem halben Jahr hat sie es wieder aufgegeben.

Hier kommt es wohl, genau wie bei einer Wohngemeinschaft, auf das passende Miteinander an. Und da hapert es heute wohl ziemlich. Das ist auch wohl der Grund weshalb sich WGs, bis auf einige speziell ausgerichtet, so schwer tun.

Aber ich hätte mal eine Frage an die Fachleute hier.

Wohnen für Hilfe und dann 1m² Wohnfläche (incl. Heizung und Strom) für eine Stunde Hilfe im Monat ist klar.

Es suchen hier auch immer mal wieder männliche Mitglieder Wohnen für Hilfe. Was ist, wenn ich ein 60m ² Häuschen anbiete, kann ich dann 60 Stunden Gartenarbeit oder Hausmeistertätigkeit im Monat erwarten??? Muss ich dies bei der Sozialversicherung anmelden?? Könnte es als Schwarzarbeit aussehen?? Wie sähe der Mietvertrag aus??? Was ist, wenn die Stunden nicht erbracht werden, erfolgt dann eine fristlose Kündigung der Wohnung???

Ich tue mich schwer damit, so etwas anzubieten. Arbeitsvertrag und normales Mietverhältnis regeln in meinen Augen die Situation besser.

Wenn es aber für beide Seiten eine bessere Lösung gibt, würde ich davon gerne hören.


#9

Ja, die Frage von Vertrag, eventueller Versicherungspflicht und dergleichen würde mich auch interessieren.


#10

Ich suche nun schon eine Weile nach einer WG gegen Hilfe. Bisher habe ich entweder nur Antworten bekommen in denen es hieß
a.) Hier darf keine Musik gespielt werden
b.) Ein anderer verlangte für 1 Zimmer mit Bad 1100€
c.) bei anderen sollte ich auf Kinder Hund Katze Maus aufpassen, und als Rentnerin in einer kleinen Dachkammer leben.

Das und einiges mehr sind meine bisherigen Erfahrungen, die mich zweifeln lassen überhaupt noch weiter zu suchen.

Sorry aber unter Wohnen gegen Hilfe verstehe ich weder Sklavenarbeit noch Ausbeute.


#11

Hallo,
einer der Gründe ist der nicht genauer definierte Zeitrahmen - in dem Hilfe erwartet wird.

Es gibt hier eine Richtlinie - soviel qm der zur Verfügung gestellte Wohnraum hat, so viele Stunden im Monat ist Mithilfe zu leisten.

Mithilfe - genau beschreiben, was genau wird erwartet. z.B. pro Woche 6 Stunden - - Rasenmähen, Gehweg kehren,… xxx, xxxx.

Dann kann der Student genau sehen, ob das für ihn zu leisten ist.

Viele Grüsse


#12

Ich würde immer einen kleinen Videoclip erstellen von der Lage vom Zimmer etc. Der Zuschauer bekommt schon mal einen ersten Eindruck.


#13

Hallo Alois,
ich denke es liegt daran, dass Derjenige der Hilfe erwartet, der Meinung ist, dass er für das Wohnen, was er bereit stellt, zu wenig Hilfe bekommt und Derjenige der die Hilfe erbringen soll meint, dass er für das Wohnen zu viel Hilfe erbringen soll.
Da spielen von beiden Seiten in erster Linie wirtschaftliche Interessen mit.
Wenn man die gegenseitigen Forderungen und Vorstellungen mal aus einem anderen Winkel sehen würde, kommt man sicherlich schnell auf einen Nenner.
Nämlich:
Du überlegst mal; was würde ich von meinen Kindern als Hilfe erwarten für Wohnen.
Und der die Hilfe leisten soll, sollte sich mal überlegen, wie viel Wohnen er für seine Hilfe erwartet, wenn Du sein Vater wärst.

Ich denke, da sieht die ganze Sache schon ganz anders aus.

Viele Grüße
H. J. Weber


#14

Hallo,
ein Tipp - schreibe dazu wieviele Stunden Mithilfe erwartet wird. Und welche Tätigkeit.
Das macht es deutlich klarer, worum es geht. So kann der Interessent schnell sehen, ob dieser zeitliche Rahmen zu ihm passt.

Als Regel gilt:
Soviele Quadratmeter die Wohnung hat, die zur Verfügung gestellt wird, soviele Stunden Mithilfe werden monatlich erwartet.
… die Frage ist auch - wer bezahlt Heizung,Strom, Wasser, WLan? Ist das inklusive?

So wird das richtig gut überschaubar.
z.B. 30 qm = 30 Stunden monatliche Mithilfe bei freier Zeiteinteilung.

Viel Erfolg!


#15

Hier mal einen Beitrag aus dem Mittagsmagazin ARD Buffet von heute (die ersten drei Minuten des Films).

http://www.ardmediathek.de/tv/ARD-Buffet/Sendung-vom-1-11-17/Das-Erste/Video?bcastId=428628&documentId=47300596

Es wird sehr gut dargestellt wie Jung und Alt bei einem gemeinsamen Wohnen von voneinander profitieren können.

Heinz-Josef


#16

Gutes Heute für Euch,
das Thema ist sehr interessant. Gerne klinke ich mich hier mal ein, mit meinen Erfahrungen.
Mich erreichten 2 Angebote. Ein 88 jähriger Mann benötigt Hilfe. Gegen freie Kost und freies Wohnen. Ein PKW stand auch zur Verfügung. Das Angebot war so auch direkt formuliert worden. Zur Erinnerung, ich bin 65 Jahre alt. Da kann man sich leicht ausrechnen, dass das nur ein Sprungbrett für mich gewesen wäre. Für mich also nicht geeignet. Zumal man mir wegen der Eigentumsverhältnisse betr. des Hauses. Kein Wohnrecht auf Lebenszeit einräumen konnte.

Bei dem anderen Angebot hat es sich um eine WG i.G. gehandelt.
3 oder 4 Zimmer sollten vermietet werden. Unter der Dachschräge.
Bis auf ein Zimmer, waren es eher Kammern. Teilweise mit Bad.
Wenn ich mich recht erinnere.

Aber, die Gemeinschaftsräume in dem Haus, Küche und Wohnzimmer, waren viel zu klein.
In der Küche muss man sich berühren und auf Tuchfühlung gehen, wenn zwei Menschen sich in ihr befinden. Eine richtige Arbeitsfläche gab es nicht.
Das Haus (Anwesen) war total überschuldet. Gehört also der Bank.
Was dann auch den ziemlich hohen Mietpreis erklärte.

Zum Glück bin ich da inzwischen sehr sensibilisiert. Und stellte entsprechende Fragen.
Die Gläubigerin, (also nicht die Besitzerin des Hauses, s.o.) ist krank.
Und die Krankheit ist unaufhltsam. Sie benötigt Hilfe.
Es ist ja auch legitim, “2 Fliegen mit einer Klappe” zu schlagen.
Jedoch sollte jegliche Erwartungshaltung offen auf den Tisch gelegt werden.

Hier ging es eindeutig um eine teure Vermietung und um persönliche Hilfeleistung.

Der wunderschöne, ansprechende und gepflegte große Außenbereich konnte das nicht ausgleichen. Zumal ja die kühlere Jahreszeit überwiegt.
Dieses Angebot wollte ich auch nicht annehmen.

Dennoch wäre ein Wohnen, in einer schönen Umgebung, mit Garten und einer abgeschlossenen Wohnung, gegen Hilfe, auch als nur teilweisen Ausgleich,
für mich eine Option.

Gruß, Ostara


#17

Ich finde auch, dass das Interesse dafür relativ klein ist. Vielleicht haben die Studenten bei diesem Modell einfach das Gefühl, dass die Arbeit nie endet. Ich weiß es, aber auch nicht, in meiner Gegend gibt es das auch nicht wirklich! Schade eigentlich…


#18

Hallo Leute, hier ein paar Hinweise:

“Wohnen gegen Hilfe”. Wer Interesse zeigt, sollte sich vorab auch darüber intensiv informieren, was der Fiskus dazu sagt.
Bei dem Hang der Überreglementierung, könnte es ein böses Erwachen geben.
Und Jeder weiß, dass auch noch 10 Jahre zurück, oder sogar mehr, nachträglich “geregelt, geschätzt und festgesetzt wird”.

Und es gibt kein Entrinnen.

Studenten unterliegen da vielleicht einer Ausnahmeregelung.
Und vielleicht auch dieses Konstrukt generell.
Da es mich nicht betrifft, muss ich mich auch jetzt nicht schlau machen.

Ich erinnere mich aber noch an den Begriff “geldwerte Leistung”, oder so ähnlich.
Und auch an die wertvolle Kristallvase vom Boss, die ein Geschenk sein sollte.
Die ich aber nachträglich versteuern musste.
Sie nachträglich zum Lohnbestandteil deklariert wurde weil der Boss sie in seine “Ausgaben” buchte.

Wer also ein Zimmer oder eine z.B. Einliegerwohnung gegen Hilfe vermietet.
Könnte dazu verdammt werden, die Summe für die Miete (kalt) als Mieteinnahme versteuern zu müssen.
Selbst dann, wenn kein Bares fließt, sondern Leistung.
Und umgekehrt, könnte der Hilfeleistende zur Steuerabgabe seiner Einkünfte durch Arbeit gezwungen werden, selbst dann, wenn ebenso kein Bares fließt.

Und bei einer Witwe oder einem Witwer könnte sogar die Witwenrente gestrichen oder gekürzt werden.
Wenn er ein Einkommen erzielt, was über einen Grenzwert hinaus geht.
Auch die eigene Rente könnte gekürzt werden.
Sowohl beim Helfer als auch beim Hilfsbedürftigen.

Falls also das Konstrukt, wie oben schon erwähnt, keiner Sonderregelung unterliegt,
kann das ins" Auge" gehen. Auch noch nachträglich, wenn schlafende Hühner geweckt worden sind.

Nicht zu Vergessen sind die “Gutmenschen”, die freiwillig und unbezahlt für “Ordnung” sorgen. Zu Handlanger werden. Früher nannte man sie Denunzianten.
Zu finden sind sie im engsten Kreis.

Gruß, Ostara


#19

Wenn eine Ware oder eine Dienstleistung, trotz bestehendem Bedarf, keinen Abnehmer findet, dann hat entweder der Anbieter eine unrealistische Preisvorstellung, oder der Interessent ist nicht bereit dafür den Preis zu zahlen bzw. dafür die Dienstleistung zu erbringen.
Abhilfe können da nur Verhandlungen auf Augenhöhe schaffen.
Übrigens ist eine Miete gegen Dienstleistung keine geldwerte Vergütung, denn sie kann nicht in Geld umgetauscht/zurückgetauscht werden, ist also nicht geldwert, sondern eine nicht geldwerte Überlassung.
Eine teure Vase oder eine Goldmünze ist dagegen geldwert, denn sie könne gegen Geld verkauft werden.

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber


#20

Ich suche schon länger nach mehr oder minder “Wohnen gegen Hilfe” (bin kein so “Gross-WG-Typ”, sondern suche eher jemanden Älteren, also EINE Person, mit Haus und Garten , der wie ich nicht ganz alleine wohnen möchte) mit Möglichkeit zur Gartenarbeit, usw.
Es ist leider wirklich so meiner Erfahrung nach,dass sich viele Anbieter (oft sind es dann auch nicht die Hilfsbedürftigen selber, sondern Töchter, Angehörige, die inserieren…) VOR dem Einstellen der Annonce noch fast überhaupt keine Gedanken gemacht oder klare Vorstellungen haben, WIE die Hilfe konkret aussehen soll, welcher Art, wie lange zeitlich, ob gegen Vergütung oder gegen Wohnen, oft wusste die Bedürftige sogar noch nicht mal, dass die Verwandten eine Mitwohnerin planten…so zogen sich dann Telefonate oft endlos über Wochen und sogar Monate hin und am Ende verlief sich alles im Sande bzw. war auch nach 6 Monaten noch nicht entschieden, ob die Oma ins Heim geht oder ich dort wohnen und helfen kann, so dass ich dann einen Rückzieher machte, da mir das Ganze dann zu “unsicher” war…
Das mit den “völlig unklaren Vorstellungen” gabs übrigens nicht nur in der Rubrik “Wohnen gegen Hilfe”, sondern auch in allen anderen…Manche wussten nicht mal, welcher der Zimmer im Haus sie vermieten wollten, zu welchem Preis, ob und wann sie ein Bad einbauen möchten, usw usw usw… Bei den meisten hatte ich sogar den eindruck, dass sie noch gar nicht sicher wussten, ob sie überhaupt einen Mitbewohner wollten, oder obs nicht doch noch “ohne” geht, also es eher so ein Notbehelf für den Notfall in der Hinterhand sein sollte…sehr frustrierend