Sozialversicherung auch für über Fünfzigjährige im EU Ausland


#1

Sozialversicherung in Spanien

In den deutschsprachigen Zeitungen in Spanien wird von deutschen Lesern, die in Spanien wohnen, oft bemängelt, dass die gesundheitliche Versorgung schlecht ist und das man z. B. unverhältnismäßig lange auf einen Krankenwagen warten muss.
Gut - in den Sommermonaten, wenn Spanien “überlaufen” ist kann das schon einmal vorkommen.
Das liegt aber weniger an der Unterbesetzung des Personals, sondern einfach daran, dass Hunderttausende (z. B. Rentner die in Spanien ganzjährig leben) sich aber nicht den Gesetzen entsprechend angemeldet haben.
Keine Behörde und Sozialversicherung kann z. B. die Anzahl der Krankenwagen kalkulieren, wenn keine konkreten Zahlen der Einwohner vorliegen.
Ein deutscher und gesetzlich versicherter Rentner, der sich in Spanien anmeldet, hat dieselben Rechte auf medizinische Versorgung wie ein Spanier, aber dennoch auch das Recht, sich in Deutschland so medizinisch versorgen zu lassen, wie ein in Deutschland lebender Rentner.
Konkret bedeutet das bei mir:
Ich lasse mir die Medikamente gegen meine Leukämie (Monatsration 5.600,00 Euro) sein 11 Jahren in Spanien verschreiben und meine Zähne lasse ich mir in Deutschland richten, wenn ich meine Kinder besuche, denn Rentner müssen in Spanien keine Zuzahlungen zu irgendeiner Leistung der Krankenkasse erbringen.

Als ein in Spanien lebender Rentner und polizeilich angemeldeter Rentner, kann man sich am Gesundheitszentrum in dem nächsten Ort anmelden und einen Arzt unter den dort tätigen Ärzten, als seinen Hausarzt auswählen.
Hat man gesundheitliche Probleme, kann man telefonisch einen Termin ausmachen oder gleich vorbeifahren.
Kann der Arzt eine Diagnose stellen und kann er selbst die Krankheit behandeln, dann stellt er ein Rezept aus und gibt (falls notwendig) einen neuen Termin.
Ist es ein akuter Fall, der sofort in die Klinik gehört, wird Kranke sofort in die nächste Klinik gefahren.
Ist es nicht akut, wird vom Arzt in der nächsten Klinik ein Termin zur Vorstellungen bei einem Speziallisten vereinbart; das kann aber (wie in Deutschland auch) schon einmal ein paar Wochen dauern.
Bei einem akuten Fall zu Hause, kommt eine Rettungswagen und ein Notarzt wie in Deutschland.
In dringenden Fällen gibt es in allen Kliniken eine Notfallambulanz, z.B. bei akuten Beschwerden die z. B. nur durch einen Gynäkologen beurteilt werden können.

Zu den Renten in Spanien kann man über den Daumen sagen, dass z. B. meine Ehefrau im Gegensatz zu ihrer deutschen Rente, in Spanien eine spanische Rente erhält, die für die etwa gleichen Beitragszeiten etwa 4,5 x so hoch ist, bei etwa 1/3 der gezahlten Beiträge.
Und—Menschen die in Spanien eine spanische Rente beziehen, brauchen keine Beiträge mehr zur Krankenkasse zahlen.
Der Antrag auf Erwerbsunfähigkeit wurde bei meiner Ehefrau in Spanien nach 9 Tage positiv entschieden und nach 21 Tagen die erste Rente bezahlt; in Deutschland wurde sogar ihre Berufsunfähigkeit nach 1 Jahr abgelehnt.

Hätte meine Ehefrau keine spanische Rente, dann müsste sie zu ihrer deutschen Rente noch 10 Euro zuzahlen, damit sie dann (wie vom deutschen Gesetzgeber vorgeschrieben) über Deutschland in Spanien versichert ist; so bekommt sie die Rente ohne Abzüge nach Spanien ausbezahlt.

Zu den beiden Rentensystemen kann ich nur sagen: Himmel und Hölle
Hier in Spanien verdient die Sozialversicherung wirklich den Namen Sozial.
Unsere Erfahrungen die meine Ehefrau und ich zusammen mit dem deutschen Rentensystem gemacht haben können wir nur sagen:
Kriminelles Schneeballsystem.

Wer 10 Jahre in Spanien lebt, und über 65 Jahre ist, aber kein ausreichendes Einkommen hat, hat den Anspruch auf eine Sozialrente, die in etwa der Grundsicherung in Deutschland entspricht.
Nur---- Abzüge werden dem Sozialrentner nur gemacht, wenn sein Zusatzeinkommen, etwa durch Vermietung, 25% höher ist, als seine Sozialrente.
Keine jährlichen Kontrollen und Überwachung mit Methoden, die in Deutschland geschaffen wurden, um gegen Terroristen vorzugehen.

Hat Jemand vor, egal Rentner oder nicht, nach Spanien überzusiedeln, kann ich ihm ganz besonders hinsichtlich des Sozialversicherung -Systems ein paar gute Tipps geben.

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber


#2

Danke für diese wertvollen Informationen! Nach deiner Erfahrung, was sollte man an Mindestrente haben um nach Spanien zu gehen?
LG
Rosi


#3

Nachtrag, hier in Deutschland werden die Rentenbeiträge Zweckentfremdet! Das Geld wird verteilt und eigentlich ist es betrug am Einzahler.
Unsere Rentenbeiträge sind nichts weiter als eine weitere Steuer, die entnommen und verteilt wird.

Obwohl viele Rentner nach jahrzehntelanger Arbeit ihr Rente nicht erhalten weil sie vorher versterben, gibt es kaum Reserven.
Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass wir uns Tod und krank arbeiten sollen. Trotz Herzinfarkte und Krebs meinten die mir keine Erwebsunfähigkeitsrente geben zu müssen. Jetzt habe ich sie inzwischen bekommen, aber von diesen kleinen Renten ist ein Leben in Deutschland unmöglich.

LG
Rosi


#4

Hallo Cantana,
mit der Mindestrente ist es so ein Problem.
Die Kosten für Wohnen und Essen sind in Spanien auch nicht niedriger als in Deutschland.
Und wenn Du dann die Sprache nicht sprichst, musst Du für jeden Behördengang oder Arztbesuch einen Übersetzer haben.
Willst Du in einer Großstadt wohnen, sind die Preise auch so wie in einer Großstadt in Deutschland.
Auf dem Land, wo ich wohne, vermieten die Leute höchstens im Winter für einige Monate recht günstig, aber in den Sommermonaten an Feriengäste.
Gerade auf dem Lande hat der spanische Staat für die Vermietung an Feriengäste ganz geringe Hürden aufgebaut.
So brauch der Vermieter nicht den Standard einhalten der an der Küste üblich ist, brauch keine Mehrwertsteuer zahlen, und hat so gut wie keine Kontrollen.
Es gibt hier Ferienwohnungen im Winter mit Klimaanlagen und kostenlosem WLAN für unter 300 Euro den Monat, mit Pool und Sauna.
Möchtest Du langfristig in Spanien bleiben und bekommst schon Rente, dann sind einige ganz besondere Dinge zu beachten in Richtung Sozialversicherung und Steuern, die man beantragen muss.
Ich kenne hier Leute in Spanien, die bezahlen in Deutschland noch 25% Steuern für ihre Renten, obwohl das per Antrag beim Finanzamt Neubrandenburg abgestellt werden kann.
Aber da kann ich reden und reden, es nutzt nichts.
Und 100 Seiten weiter.
Hast Du dahingehen Fragen, kann ich behaupten, dass ich mich da gut auskenne.

Die deutschen Rentenkassen wurden letztmalig im großen Stil geplündert, als die Wiedervereinigung war.
Wer z. B. einen Tag später als DDR Bürger den Rentenantrag gestellt hat, bekam 45 Jahre dem Rentenkonto zugeschrieben, obwohl er in diese Rentenkasse nie eine Mark eingezahlt hat und die laufenden Renten wurden sowieso übernommen.
Da nur noch etwa 28% der bundesdeutschen Bevölkerung in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, mussten diese 28% die Kosten der Wiedervereinigung bezahlen, soweit es die Rentenversicherungen betrifft.
Natürlich konnte man die DDR-Rentner nicht im Regen stehen lasse, aber warum mussten das die nur 28% der in Deutschland versicherten durch ihre Rentenbeiträge finanzieren???
Und alle privatversicherten, Selbständige, Richter, Beamte, Ärzte usw. usw. brauchten nichts zahlen(!?)
Ja- wie gesagt, ich bin auch Rentner und wenn Du Fragen hast…

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber


#5

Danke Helmut für die ausführliche Antwort.
Unter 300,- oder bis 300,- im Monat sind in Ordnung, mehr wäre nicht so gut.

Und ich muss meine beiden Hunde mitnehmen dürfen. Vielleicht findet sich ja noch eine Mitstreiterin für eine Finca in Andalusien.
Meine Tochter ist Steuerfachangestellte und studiert jetzt Arbeitsrecht. Sie weiß das sie selber später keine 200,- Euro Rente erhalten wird.
Unsere Kinder sind noch ärmer dran, alles Betrug…eine weitere Steuer, mehr ist es nicht. Aber darüber nachzudenken bringt weiter nichts, wir können es nicht ändern.
Also so weit habe ich mich erkundigt, KV bin ich weiterhin, das ist schon mal gut, auch wegen der Medikamente.
Ich wollte für ein Jahr meine Wohnung in Hamburg möbliert Zwischen vermieten…eine kleine Sicherheit.
Nach einem Jahr kündigen, und dann die Route neu berechnen. So der Plan.
Kennst du eine Wohnung zur Miete?
LG und Euch einen schönen Abend
Rosi
E


#6

Hallo Rosi,
das ist ein Problem.
Du schreibst --eine Finca.
Es gibt hier auf Land viele Häuser die leer stehen, weil die Leute altersbedingt verstorben sind und die Kinder und Enkel in Málaga wohnen.
Sicherlich sind auch einige dabei, die gerne das leerstehende Häuschen vermieten möchten.
Dafür müsstest Du aber recht gut die spanische Sprache beherrschen, denn es gibt auch eine Menge Rennereien, wenn Du legal mehr als 90 Tage in Spanien leben möchtest und eine Finca mieten möchtest.
Oft muss auch neu Strom und Wasser beantragt werden, bzw. die Verträge umgeschrieben werden.
Dann gibt es auf dem Land, wo die Fincas stehen, keinen öffentlichen Verkehrsverbindungen, also müsstest Du mit Deinem Auto anreisen.
An der Küste ist es für diese Preisklasse sinnlos zu suchen, denn dort werden selbst die kleinsten Häuschen für 1.000,00 Euro und mehr in den Sommermonaten vermietet und es sind auch so gut wie nie Haustiere zugelassen.
Außerhalb von Málaga, bzw. Abseits der Küsten, werden Ferienwohnungen oft zu annehmbaren Preisen über die Wintermonate vermietet.
Aber auch da sehe ich mit den Hunden Probleme.
In den kleinen Dörfern findest Du immer eine leerstehende Wohnung unter 300 Euro und die sind auch noch möbliert.
Nur- ich weiß nicht ob Du Dich da unter nur Spaniern wohlfühlen wirst.
Außerdem werden diese Wohnungen fasst nur in den örtlichen Zeitschriften angeboten oder im Internet nur in der spanischen Sprache.
Mein Rat:
Musst Du noch mit dem Leben in Spanien auf dem Lande Erfahrungen machen, dann miete Dir doch erst einmal für die Wintermonate eine Ferienwohnung und sie Dir alles in Ruhe an.
In den Wintermonaten gibt es diese Wohnungen recht preiswert und hast Du noch eine andere Person die mitreisen kann, kostet es für jeden nur noch die Hälfte.

Hast Du noch Fragen, dann schreibe mir.

Viele Grüße
Helmut . J. Weber


#7

Hallo Helmut,
ich weiß du meinst es gut und du hast sicherlich viel Erfahrungen gemacht.
Aber ich finde es schrecklich wenn eine Antwort so anfängt…

Hallo Rosi,
das ist ein Problem.

Sage doch doch am Anfang etwas positives…dann kann man anders lesen. Ich hoffe du verstehst ansatzweise was ich meine.

LG


#8

?? - wenn man ein Problem als Problem bezeichnet ist man schon einen Schritt weiter. Problem erkannt, Problem gebannt .jedenfalls öfters-. Insofern ist es schon sehr in Ordnung so, finde ich.


#9

Hallo 1953hans,
gerne such man sich ja Extrembeispiele heraus, wenn es darum geht, was man so erlebt hat.
Aber was hier so abläuft, ist einfach nicht zu fassen.
Ein junges Ehepaar aus Deutschland hatte, nicht weit von hier, ein älteres Häuschen bezogen. Keine Arbeit in Spanien, kaum Spanischkenntnisse, aber 4 Kinder.
Sie hatten sich den Bären aufbinden lassen, dass sie das deutsche Kindergeld auch weiter bekommen, wenn sie ihre deutsche Wohnung aufgeben und in Spanien leben.
Als sie gemerkt haben wie die Realität ist, reichte mal gerade der Erlös von ihrem PKW mit dem sie nach Spanien gekommen sind, um den Rückflug zu bezahlen.
Ein englisches Ehepaar (in Sichtweite) lebt ohne Anmeldung seit etwa 20 Jahren in Spanien, denn sie hatte in der Ölindustrie, in der ganzen Welt, einen guten Job, er war Hausmann.
Heute haben sie keine Krankenversicherung und der Mann hat Parkinson.
Da er nie angemeldet war in Spanien, bekommt er auch nicht die spanische Minimalrente (nicht beitragsbezogene Rente) denn dafür muss man mindestens 10 Jahre in Spanien gelebt haben.
Und hundert Seiten weiter.
Die Leute haben das Problem erkannt, aber es nutzt ihnen auch nichts, denn man kann die Zeit nicht zurückdrehen.

Viele Grüße
H. J. Weber