Selbstversorger Utopie


#1

Ich stolpere in den Anzeigen immer wieder über junge Leute, die sich ihr Essen selbst anbauen wollen und möglichst autark und nachhaltig leben wollen und dafür abgelegene Objekte suchen. Bei Rentnern stellt sich diese Frage anders, die haben ihr festes Einkommen, das man (fast) überall hin mitnehmen kann. Die haben Zeit für Garten und Tüfteleien, wenn auch begrenzte Körperkräfte.

Wie funktionieren solche Projekte bei Noch-nicht-Rentnern? Gibt es funktionierende Beispiele? Oder bleiben die in der Planungsphase stecken?

Ein neues Haus zu bauen oder ein altes wieder herzurichten, ist auch mit viel Eigenleistung richtig teuer und ohne Kredit oder ererbten Vermögen nicht zu stemmen, abgesehen vom Grundstückskauf. Und um einen Kredit zu bekommen, braucht es ein gutes Einkommen, um das wiederum zu erzielen, erfordert es auf dem Land ein Fahrzeug, um zur Arbeit zu kommen. Der Unterhalt meines (bezahlten) Autos kostet mich auch bei unseren moderaten Werkstattpreisen im Schnitt 200 € im Monat ohne Sprit.
Finde ich überhaupt eine angemessene Arbeit in der Nähe meines neuen Wohnortes oder bleibt der bestehende Job für mich erreichbar?
Die gesetzliche Kranken/Pflegeversicherung will knapp 400 € von mir allein, wenn ich keinen Arbeitgeber habe. Kann ich nicht zahlen, läuft das gnadenlos jeden Monat als Schulden auf, und meine Kreditwürdigkeit ist im Eimer.

Tun sich mehrere zusammen, kann man viele Kosten teilen, es wird für den Einzelnen günstiger, ändert aber an der Grundproblematik nichts.

Also, junge Leute, schreibt, wo es funktioniert und wie Ihr das finanziert!
Oder sind es doch nur romantische Träumereien?
Ich bin neugierig!


#2

Hallo liebe Feldlerche,

auch ich bin an Berichten, wo so etwas funktioniert, interessiert. Lasse mich gerne belehren und schaue es mir auch gerne einmal an.

Viele Anzeigen im Forum sehe ich skeptisch. Da sind viele Vorstellung aufgezählt, die selbst noch nicht gelebt wurden und dann möchte man das in einer neu gebildeten Gruppe realisieren??? Es wird meistens nicht funktionieren.

Was alles zu beachten ist, hast du super ausgearbeitet.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Heinz-Josef


#3

Hallochen Antje,

vielleicht interessiert 's Dich ebenso wie mich

Freundlich grüßt Dich, Anette


#4

Hallo Leute

ist immer sehr interessant die Wunschtràume zu lesen-- ich mch es kurz

ich lebe meinen Traum in der >Toskna seid 30 jahren–ich habe viele scheitern sehn–warum

  1. selbstversorger funktioniert leider nicht -das Essen mòglichst selbst anbauen mach ich auch aber es braucht eine Serra wie man hier sagt oder Wintergarten in Deutsch–dieses Jahr sind mir alle Oleander und einige Olivenbàume erfroren-mann kann nicht alles anbauen

aber was wichtigste man braucht ein Einkommen das ist nicht zu unterschàtzen
Auto-Benzin. Unterhalt Krankenkasse Gas Strom Wasser Abfallgebùhren e.t.c

die meisten scheitern an den Finanzen dann gibst Streit— Diskussionen

also gut Planen auch wenn es kleinlich oder pedantisch ist oder klingt

viel glùck lebt euren traum ich machs

gebe gerne gratistips fùr ITALIEN

verena


#5

Hallo Antje,
meine liebe Frau und ich sind vor etwa 20 Jahren nach Südspanien gezogen.
Wir haben die ersten ca. 15 Jahre in unserem Gemüsegarten, alles Gemüse selbst angezogen, angepflanzt und großgezogen.
Wir hatten praktisch das ganze Jahr durch etwas zu ernten, was nicht direkt verbraucht werden konnte, wurde eingefroren oder eingekocht.
Auf dem Grundstück (28.000 qm) stehen eine menge Obstbäume, Mandel und Olivenbäume.
Möglich war das aber auch nur, weil wir einen eigenen Tiefbrunnen haben, der praktisch unbegrenzt Wasser liefert;
Ein qm Wasser kostet gepumpt etwa 8 Cent an Strom.
Allerdings- für die Bohrkosten von etwa 7.000 Euro, hätten wir viel Gemüse und Obst kaufen können.
Wer den Gemüsegarten mit den Wasser aus dem öffentlichen Netz bewässern will, hat mehr Wasserkosten, als er für das Gemüse und Obst im Handel bezahlen müsste.
Es ist so, dass da Gemüse und Obst in Spanien sehr preiswert ist.
Karotten 39 Cent pro kg, roter Paprika 1,29 Euro/kg, Kartoffeln 35 Cent, Apfelsinen 55 Cent usw…
Ein Blumenkohl 80 Cent.
Und dann ist die Frage, wie weit man autark sein kann/will…
Was ist mit Strom, Wasser, Fleisch, Fisch, Milch. Käse, Mehl.
Für die etwa 4,00 Euro Lebensmittel, die ein Erwachsener etwa in Spanien am Tag benötigt (ich meine mit Fleisch, Milch. Käse usw.) müsste er den ganzen Tag auf seinem eigenen Land arbeiten.
Wir haben z. B. in der Region im Internet angeboten, dass Leute bei uns kostenlos die Olivenbäume und die Mandelbäume abernten können; es war nur viel Schreiberei, aber gekommen ist Niemand.
Das Öl und die Mandeln sind bei LIDL und Aldi eben billiger, als wenn man sie selbst aberntet, auch wenn man nur seine Arbeitskraft und die Energiekosten für die Anfahrt einsetzen muss.
Kannst ja mal einen Sack Mandeln mit der Hand knacken oder einen Jahresbedarf an Oliven in Gläser konservieren oder einen Jahresbedarf an Öl auspressen.
Ein Gemüsegarten ist ein schönes Hobby und Pflaumen-Pfannkuchen vom Pflaumen direkt vom Baum schmecken irgendwie besser, ebenso natürlich auch die Tomaten direkt vom Strauch, die richtig reif werden können.
Seit etwa 5 Jahren haben wir unseren Gemüsegarten “eingemottetem” ernten nur noch die Apfelsinen- und die Obstbäume zumindest teilweise ab.
Wenn wir Bekannte fragen, ob Sie (natürlich kostenlos) Obst haben wollen, fragen sie wann sie es abholen können und wann es gepflückt wurde: selbst pflücken will Niemand,
Nach meinen Erfahrungen ist autarkes Leben, wenn man auch nur etwa 20% der Dinge, die man zum Leben benötigt selbst herstellen will, eine Illusion, oder man möchte in den Verhältnissen wie im Mittelalter leben.
Natürlich könnten wir jederzeit den Garten reaktivieren.
Zusammenfassen:
Soweit sich selbst versorgen wie es geht, ist wirtschaftlich gesehen vollkommen unrentabel, aber ein schönes Hobby und ich freue mich immer, wenn ich den Jahresbedarf an Pflaumen einkochen und Mandeln knacken kann und anders Obst auch gleich verzehren kann.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut F.


#6

Hallo lieber Josef , mit Interesse lese ich deine Berichte und Informationen über alle möglichen Themen. Es ist tatsächlich so dass mit der Gartenarbeit zum allergrößten Teil nur die Freude zählt und die Ernten eben nur einen winzigen Teil von dem ausmachen was wir zum Leben brauchen. Obst und Gemüse aus Spanien ist für euch günstig und auch bei uns hier in Bayern ist es relativ günstig. ABER was mich sehr stört sind die Berichte aus Spanien über den Pflanzenschutzmitteleinsatz welcher mit Menschen aus Afrika zu Niedrigstlöhnen und der Gesundheit dieser Menschen ,erwirtschaftet, wird. Der letzte Bericht über die fast rechtlosen Menschen aus Afrika war über die ,Erntehelfer, bei der Erdbeerenernte. Viele Tausend Tonnen werden dort verarbeitet und der größte Abnehmer ist ausgerechnet Deutschland. Meine Sorge ist nicht das Leben bei Gesundheit und Wohlbefinden sondern was mit mir geschieht wenn ich mal nicht mehr selbstständig mich versorgen kann. Wir zahlen zwar in die Pflegeversicherung ein aber das garantiert noch lange keine optimale Behandlung. Wie steht es damit in Spanien ?


#7

Interessantes Thema. Kenne auch ein Paar, inzwischen 65/70 Jahre alt, noch sehr fit, die sich vor vielen Jahren ein Anwesen in Andalusien gekauft und bewirtschaftet haben. Viel Arbeit, klar. Als die Kinder dann zur Schule mussten, wurde es kompliziert und schließlich hat man sich entschlossen, das große Anwesen zu verkaufen, ein neueres kleineres zu erwerben und von dem Verkaufserlös gut zu leben. Soweit funktioniert das. Nur kann das mangels Kapital auch nicht jeder, und preiswert kaufen und später gewinn bringend wieder verkaufen ist auch nicht mehr einfach. Auch auf dem kleineren Anwesen gibt es noch jede Menge Arbeit. Die Kinder haben eigene Familien gegründet und leben dort, wo sie Arbeit gefunden haben. Was ist, wenn es mit der Gesundheit nicht so bleibt? Man sollte das gründlich überlegen, auch wenn der von mir geschilderte Fall etwas anders gelagert ist. Ich selbst neige auch zu kühnen Ideen, bin aber mehr ein Stadtmensch. Garten, sogar Schrebergarten, sehr gerne, aber nicht soo weit weg von der Stadt mit vielfältigem kulturellen Angebot.
Auf jeden Fall empfehle ich, in sich selbst gründlich hinein zu hören. Vieles ändert sich im Laufe eines Lebens. und dann?


#8

Hallo OWO.
wir alle, auch Du, können nur so leben wie wir leben, wenn für jeden von uns mindestens 20 Menschen auf der Welt nur für Essen und Wohnen arbeiten, egal wo auf der Welt.
Und glaube mir, ich komme aus der Wirtschaft, ich kenne was davon.
7 Milliarden Menschen ohne Pflanzenschutzmittel zu ernähren ist eine Utopie, noch nicht einmal 1/3 wäre möglich.
Wenn wir alle mit 1/3 der Rente/Einkommen zufrieden sein würden und davon Gemüse und Obst bezahlen würden, was etwa doppelt so teuer ist, dann geht es natürlich.
Dann könnten auch die Menschen davon bezahlt werden, die Kartoffelkäfer von Hand einsammeln.
Ich bekomme aus Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung und auch noch Kindergeld für unsere behinderte Tochter, die in Deutschland in einem eigenen Haushalt lebt.
Meine Ehefrau bekommt eine deutsche und eine spanische Rente und ich nur eine deutsche Rente.
Meine Ehefrau ist in dem spanischen System kostenlos krankenversichert und ich muss in Deutschland etwa 35 Euro pro Monat KK-Beiträge zahlen.
Das ist alles nicht ohne Mühen zu bekommen, aber es geht; auch ohne Anwalt.
Nur---- die meisten Leute die nach Spanien kommen haben Illusionen, die unerfüllbar sind.
Meine liebe Frau und ich hatten einen Traum und der hat sich erfüllt.
Es war 20 Jahre Arbeit.
Träume, für die man sich mit aller Macht einsetzt, gehen meistens in Erfüllung; Illusionen nie.
Hast Du noch Fragen, dann schreibe mir.
Kannst ja mal nachschauen unter:
www.ferienwohnungen-andalusien.eu
So leben wir hier in der Wildnis.
Spezielle Winterpreise findest Du unter Langzeitvermietung.

Viele Grüße
Helmut F.


#9

Hallo OWO, Du hattest speziell nach der Pflegeversicherung in Spanien für Spanier gefragt.
Ist Jemand Pflegefall bekommt er einen Zuschlag von 70% zu seiner spanischen Rente und die ist wesentlich höher als in Deutschland.
Der Zuschlag wird bezahlt, sobald Jemand mindestens 1 x am Tag eine Hilfe benötigt.
Etwa zum Anziehen oder zum Duschen.
Meistens stellen sich die Angehörigen dann von dem Geld eine südamerikanische Pflegekraft ein, wenn es schlechter wird mit dem Gesundheitszustand.
In den deutsche Regierungsmedien steht dann:
Wegen der fehlenden Absicherung durch eine Pflegeversicherung müssen die Pflegefälle in Spanien durch Angehörige versorgt werden, Pflegeheime sind Mangelware.
Aber was sollen sie sonst auch schreiben/berichten.

Viele Grüße
Helmut F.


#10

Bin zwar nicht mehr so jung (57), antworte aber zu dem Selbstversorgeraspekt und Finanzen dennoch:

Also 100 % Selbstversorgung klappt meines Erachtens fast nie wirklich.
Erstens, weil so ein Anbau rund ums Jahr, angefangen beim Boden vorbereiten, umgraben, regelmässig jäten, bewässern, etc. definitiv mehr an körperlicher Arbeit erfordert, als vor allem Städter wissen (ich selber wuchs auf dem Bauernhof meiner Eltern in der Oberpfalz auf und musste immer auf den Äckern, im Gemüsegarten und auch bei der Obstverwertung mithelfen, wie es in den 60igern/70igern halt üblich war und weiss das daher). Es sei denn, man würde vieles maschinell machen,w as dann wiederum keinerlei Kosten zu Gekauftem sparen würde.
Richtiger Gemüse- und Obstanbau zur Selbstversorgung erfordert mehr Kraft und Zeit (teils auch Kosten, solange man Samen etc. noch nicht selber ziehen kann,a lso "Anfangs"kapital quasi) als viele ahnen. Es sollte einem definitiv von sich aus Spass machen, also Gärtnern ein Hobby für einen sein, sonst würde man es nur als “Arbeit” und Schufterei empfinden und des Ganzen shcnell berdrüssig. Auch muss man erste “Verluste” einplanen, bevor es richtig läuft, denn oft macht man anfangs ein paar Fehler, oder einfach die Witterung macht einem in einem Jahr mal einen Strich durch die Rechnung.

Was Haus- und Grundstückskosten angeht, da kommts halt sehr auf die eigenen persönlichen Bequemlichkeitsansprüche an, z.B. brauche ich eine Zentralheizung im Alter oder geht auch Kohle-/Ölofen. Kann ich das körperlich im Alter in langen Wintern auf Dauer? Da ich ohne Heizung in einer kalten Waldgegend aufwuchs, bin ich Kälte morgens früh um 5 h beim Aufstehen von früher gewohnt, wenn der Ofen im Zimmer natürlich über Nacht ausging… :slight_smile:
Ich habe Häuser mit ca 900 qm Garten angesehen, für 50-69.000 Euro in Oberfranken, die durchaus noch bewohnbar waren (aber halt Asbestaussenwände udn ähnliches, was ich nicht so mag). Natürlich reichen 900 qm Garten nicht, wenn es mehrere Personen sind, die sich selber versorgen wollen…

Auto war für mich immer optional, hab nichtmal nen Führerschein je gemacht. Letztendlich kostet mich paar Mal Taxi im Monat,d ie vielleicht dann nötig werden, weniger.
Mir als (Früh-)rentnerin reicht z.B. im Notfall eine Buslinie auf dem Dorf, die 2x die Woche fährt, so dass ich mal auf ein Postamt oder zum Arzt in den nächsten grösseren Ort / Bahnanschluss käme. Für Berufstätige brauchts natürlich eine dichtere Infrastruktur. Viel wichtiger wäre mir eine sehr gute Internetverbindung, die leider auch gerade in Gegenden mit noch billigen Häusern/Grundstücken nicht immer gewährleistet ist, auch wenn da private Organisationen oft vor Ort viel selber in die Wege dann leiten. Denn ich bestelle selbst hier in der Grossstadt inzwischen fast alles online, selbst Frischgemüse, Obst, etc…

Ja, in den Annoncen, die ich so lese, kommt mir vieles als Tochter eines Landwirts auch sehr unrealistisch bis leicht naiv-idealistisch vor, aber ich denk halt dann, das sind Leute, die entweder noch nie auf dem Lande lebten und Selbstversorgung dort machten und daher den Aufwand etc. nicht wirklich richtig einschätzen können, oder die es nicht zu Ende gedacht haben.

Was die Kredite für Haus-/Grundstück angeht. Also ich hätte letztes Jahr von diversen Banken mit jetzt 57 Jahren durchaus so 35.000 bis 40.000 Euro erhalten, wenn ich ein Haus zu 65-70.000 Euro gekauft hätte. Und das bei einer Frührente von derzeit 1420 Euro (da kommen noch 245 Euro Krankenversicherung weg, also netto rund 1.180 Euro + rund 1.500 Euro Nettodividende aus meinem kleinen 5-stelligen Aktiendepot, das ich zum Hauskauf mit eingesetzt hätte). Hatte ich damals im Vorfeld einiger Besichtigungen schon abgeklärt gehabt. Habe auch gefragt, ob “Alter” ein Problem beim Kredit erhalten ist, und mir wurde gesagt, erst, wenn s auf die 65-70 zuginge oder so. Ich hatte dabei 10 Jahre Tilgungslaufzeit machen wollen.

Natürlich reichen solche Summen für einen Neubau für Selbstversorger-Gross-WGs nicht, aber für so Häuser mit 150-200 qm für 1-2 Personen und 900 qm Grund in “billigen” Gegenden wie Oberfranken (ich hatte in und um Geroldsgrün rum angeguckt).


#11

Liebe AnTali,

mit diesem Link kann ich leider gar nichts anfangen, finde absolut keinen konkreten Inhalt.

Aber Danke für Deine Aufmerksamkeit!


#12

Hallo Helmut Josef Weber,

ich sehe das ähnlich. War vor Jahren mal in Italien zur Olivenernte, seither ist mein Respekt vor gutem Öl groß.
Vielleicht interpretiere ich auch den immer wieder vorkommenden Begriff “Selbstversorgung” falsch, vielleicht wird damit die Versorgung mit Zuccini und Gartenkresse gemeint, was wenig Aufwand macht.

Wenn ich einen großen Gemüsegarten habe, kann ich im Sommer nicht mal eben zwei Wochen Urlaub machen, dann ist alles verunkrautet und kostet ein Vielfaches an Aufwand, als wenn ich rechtzeitig gehackt hätte. Es gehört nicht nur die Anzucht der Jungpflanzen und das tägliche Gießen nach dem Auspflanzen dazu, auch die Ernte, Verarbeitung und Haltbarmachung. Die Ernte läßt sich zeitlich nur ungefähr planen und kaum verschieben, weil ich eventuell auch mal anderes zu tun habe.

Selbstverständlich schmeckt eine Freilandtomate besser als die aus dem Gewächshaus, ist ungespritzt auch viel gesünder. Aber mir kann auch passieren, daß innerhalb von zwei Tagen meine Tomaten und Kartoffeln an der Krautfäule eingehen, dann war meine Arbeit umsonst.
Nach meiner Meinung sollte man das Spritzen nur den Profis überlassen und damit nicht in seinem kleinen Garten anfangen. Dazu gehört auch eine Menge Sachkenntnis, die ich nicht habe. Also sollte man sich auf Arten beschränken, die das nicht brauchen.

Vor vielen Jahren habe ich damit meine Erfahrungen gemacht, allerdings weniger aus Hobby - obwohl ich Gartenarbeit liebe - als aus Notwendigkeit.
Entweder Erdbeeren aus dem Garten oder nur selten welche - in der DDR konnte man nicht immer alles kaufen. Kartoffeln, Möhren, Kohl, Sellerie und Zwiebeln schon - die baute man nicht selbst an. Nach der Wende war für mich die Vielfalt im Supermarkt wie ein Schlaraffenland.

Was die Wirtschaftlichkeit anbetrifft, hast Du natürlich völlig Recht. Ich kann mir auch eine Schubkarre selber schnitzen, trotzdem ist die für wenig Geld Gekaufte besser und mein Aufwand immens.

Aufwand und Nutzen sollten in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
Wenn ich viel Zeit und Disziplin habe, ist Gemüseanbau ein schönes Hobby. Auch ein Angler kann stundenlang ohne Ergebnis seinen Wurm baden, daheim hat er schließlich eine Bratwurst oder drei Eier, die statt dem Fisch in die Pfanne haut.

Und damit bin ich genau am gleichen Fazit, die Träumer von Selbstversorgung haben es noch nie ausprobiert und zu Ende gedacht. Konsequente Selbstversorgung bedeute eine große Einschränkung.

Die Bauern vor 120 Jahren litten im Frühjahr an Vitaminmangel, ein paar schrumplige Möhren, altes Sauerkraut und keimende Kartoffeln konnten den Bedarf nicht decken.
Das Märchen vom Rapunzel hat einen ernsten Kern: Ein Mann stiehlt seiner schwangeren Frau Feldsalat aus einem fremden Garten, ihre Gier darauf ist so groß, daß sie meint, sterben zu müssen ohne.
Was ist heutzutage eine Schale Feldsalat? Schmeißt man weg, wenn man sie im Kühlschrank vergessen hat, war eh billig, es werden Tonnen davon erzeugt und da angebaut, wo es kaum Frost gibt.

Gruß aus dem Fichtelgebirge mit seinen vielen Quellen

Antje


#13

Die Erde hat genug für alle Menschen zur Ernährung denke ich, das Problem sind die Millionen von Tieren die zum Zwecke der Schlachtung ebenfalls ernährt werden müssen. Schau nur mal was der Agrarrebell aus Österreich in einer Höhe wo niemand solche Ernten zu Stande bringt und selbst in regenarmen Flächen in Spanien bereits geleistet hat. Die immens großen Flächen in Rußland noch gar nicht mit einbezogen. Es gibt Lösungen für fast alle Probleme . Viel schlimmer finde ich die laufende Vergiftung unserer Meere mit Kunststoffrückständen. Ebenso die Vergiftung unseres Trinkwassers durch die Landwirtschaft . Im Jahre 1980 bezog ich mein in Eigenregie erbautes Haus und im Garten stand ein Sommerflieder welchen die Schmetterlinge liebten und zu Hunderten darauf ihren Platz gefunden haben. Heute verirren sich wenn es hoch kommt noch 3 bis 5 Schmetterlinge auf dem Sommerflieder. Ich bin keinesfalls deiner Meinung dass es ohne Gifte nicht genug zu Essen gibt. Aber mit Giften wird es in absehbarer Zeit keine Menschen mehr geben. Die vielen Gifte von den Medikamentenrückständen noch gar nicht einbezogen. Monsanto und Bayer werden schon mit ihrer Lobbyarbeit dafür sorgen dass die Pestizide und Gifte nicht weniger werden. Die Pharmariesen aus der Schweiz sind ebenfalls mit im Bunde. Die Menschheit müßte aufhören mit der ungebremsten Nachkommenserzeugung , das wäre schon ein Teil der Lösung. Ewiges Wachstum kann es nicht geben, denn alle Resourcen sind irgendwann zu Ende. Ich will weder nach Spanien, noch nach Theiland, mir gefällt es im Böhmerwald einfach am besten. Mit 20 Jahre Arbeit kann man auch hier in Bayern gute, lebens- und liebenswerte Dinge schaffen. Jeder soll nach seiner Lust und seinem Können glücklich werden, ganz egal wo er lebt. Leben und leben lassen ist mein Motto und das letzte Hemd hat keine Taschen. Sehr gut gefällt mir dein Vorschlag mit dem Gold anstatt Aktien zur Absicherung für später.


#14

Hallo owo,
ja- gegen Deine Argumente gibt es keine Einwände.
Natürlich geht es ohne Gift, nur dann müssen z. B. die Arbeitskräfte bezahlt werden, die die Kartoffelkäfer mit der Hand abpflücken, das Unkraut mit der Hand jäten und bei Obst und Gemüse etwa die Hälfte den Würmern und Raupen überlassen.
Wir haben das in Spanien alles durch.
Wir haben eine Menge Obstbäume, und davon ist die Hälfte oder manchmal auch mehr von Würmern befallen; bzw. das Ost.
Uns macht das nichts, weil wir so viele Bäume haben, dass es immer noch reicht.

Die Ironie der Geschichte ist, dass mich die Produkte der Pharmaindustrie (eben der der chemischen Industrie) seit 12 Jahren am Leben halten, denn ich habe Leukämie.
Dank der durschlagenden Neuentwicklungen in Richtung Leukämiebehandlungen, kann ich seit etwa 12 Jahren ein fasst beschwerdefreies Leben führen, muss nur 2 x im Jahr zur Kontrolle und morgens eine Pille nehmen.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut F.


#15

Hallo Helmut, bin überrascht wie schnell deine Antwort gekommen ist. Die Pharma hat ganz sicher ihre Berechtigung in vielen Fällen. Ich selbst bin 75 und seit dem 27. April d.J. leide ich an einem Lagerungsschwindel. In der Nacht zum 27. April habe ich mich im Bett sehr schwungvoll von der linken auf die rechte Seite gehievt und im selben Moment dachte ich mir explodiert der Kopf. Es war Gott sei Dank in Sekunden wieder vorbei. Ich dachte ganz schnell dass es ein Schwächeanfall ist weil ich zu wenig getrunken habe. Habe mir sofort viel Wasser reingeschüttet. Ausser dass ich dann häufig auf Toillette mußte hat es nichts gebracht. Ansonsten bin ich gesund und ohne Medikamente unterwegs. Dieser Schwindel ist nicht gefährlich aber super lästig, Gott sei Dank hab ich keinen Drehschwindel, aber auch der vorhandene ist nicht schön. Als Gegenmaßnahme gibt es nur einige Bewegungsabläufe welche ich machen soll um die Unordnung in meinem Gehörgang wieder zu ordnen. In jedem Fall wünsche ich dir mit deiner Frau noch viele schöne Jahre und Freude am Leben. Deine Kommentare lese ich sehr gerne und hoffe noch einige davon zu sehen :slight_smile:
Noch ein Wort zu den Kartoffelkäfern welche du immer wieder nennst. Ich kann mich gut erinnern als Kind diese noch von Hand eingesammelt zu haben. Und tatsächlich war das erste Gift welches auf diesem relativ großen Bauernhof zum Einsatz kam, die Giftspritze mit dem Pferd gezogen, war. Das Unkraut und die Disteln auf den Getreidefeldern wurde von einem halben Dutzend Frauen und Männern mit Distelstechern ausgestochen.
Herzliche Grüße nach Andalusien
Wolfram W.


#16

Hallo owo,
ja- und was würden dann heute die Nahrungsmittel kosten, wenn so viel Arbeitszeit benötigt würde um sie zu erzeugen?
Ich nenne immer gerne die Kartoffelkäfer, weil man sie auch tatsächlich manuell und chemisch bekämpfen kann.
Z. B. ist Kartoffelfäule oder Wurmbefall bei Obst eben nur chemisch zu bekämpfen.
In den Jahren 1845 bis 1849 wütete in Irland ein kleiner Pilz, der die die Kartoffeln auf den Äckern verfaulen ließ und damit die Lebensgrundlage der ländlichen Bewohner fast vollständig zerstörte. Eine gewaltige Hungersnot dezimierte die Bevölkerung innerhalb weniger Jahre um rund die Hälfte. Schätzungsweise eine Million Iren verhungerten, weitere ein bis zwei Millionen wanderten in den folgenden Jahren aus - vor allem nach Kanada, Australien und in die USA.
Aber- man kann alles übertreiben.
Man muss Unkraut vor dem Aussäen nicht unbedingt mit der Giftspritze vernichten, man kann es auch unterpflügen.
Kostet recht viel Diesel für den Traktor, da ist Gift erheblich billiger.
Auch ist der Zeitaufwand ein Feld zu pflügen natürlich auch sehr viel höher, als es einzusprühen.
Natürlich könnten das auch zig Knechte auch einem Bauernhof machen, mit Millionen von Pferden alleine in Deutschland; aber die brauchen auch wieder Nahrung.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut F.


#17

"Hallo" owo,
excellenter Beitrag :slight_smile:
“Keiner von uns kommt lebens hier raus”. - Also aufhoeren, sich wie Andenken zu behandeln.
Gesundes, leckeres Essen, spazieren gehen in der Sonne, in´s Meer springen, offen die Wahrheit sagen,
das Herz auf der Zunge tragen.
Albern sein, froehlich, freundlich und auch komisch.
Fuer nichts Anderes ist Zeit.
Gruss aus dem “DreiLaenderEck” Niedersachsen, Hessen, Thueringen
Udo


#18

Grüß Gott Wolfram,

in welchen Fällen würde sich nach umfangreicher Recherche zeigen; es wird zu viel in allen Bereichen manipuliert.

Freundlich grüßt Dich, Anette

PS: Ich würde Dir gern eine PN schicken - aber wie geht Das hier ?


#19

einfach eine EMail an owo@gmx.net


#20

Hallo,
so auf Anhieb fiel mir direkt wieder ein, dass wir auf dem Bauernhof meiner Eltern (in den 60igern und 70igern) tatsächlich regelmässig als Kinder die Kartoffelkäfer mit der Hand gepflückt haben und beim Eggen der Äcker immer die rausgeworfenen Egerlinge/Raupen eimerweise für unsere Hühner gesammelt haben.
Und auch an das Unkraut mit einer Harke hacken bei den Kartoffelfurchen erinnere ich mich noch, würde heute kaum einer noch machen, bzw. wenn es keine gratis mitarbeitenden Familienangehörigen sind, finanziell nicht machbar.