Probewohnen, Arbeitseinsatz, Seminare, selbständig - woher die Zeit nehmen?


#1

Ich befasse mich seit über 4 Jahren mit Gemeinschaften und frage mich immer wieder, woher ein potentielles Gemeinschaftsmitglied die Zeit nehmen soll, um all dem Geforderten nachzukommen. Insbesondere bei Gemeinschaften irgendwo im Nirgendwo wird jemand gesucht, der vor allem auch seinen Lebensunterhalt ortsunabhängig verdienen kann, zu verschiedenen Arbeitseinsätzen bereit ist, an diversen Kommunikationsseminaren teilnimmt und mal eben ein halbes Jahr zur Probe wohnen kann

Wie soll das funktionieren? Ich übe ein Handwerk aus, bin ortsunabhängig, kann meinen Lebensunterhalt selbst verdienen, aber nicht wochenlang alles stehen und liegen lassen, um das Konsens Prinzip zu üben oder Kartoffeln zu bergen. Auch kann ich nicht mein Haus aufgeben, Atelier und Lager mal eben schnell mitnehmen und wenn es schiefgeht alles wieder retour. Oder gar doppelte Haushaltsführung? Das kostet.

Natürlich muss man probieren, ob man zusammenpasst, aber ich kann es einfach nicht in diesem Umfang. Was ich bisher in verschiedenen “Gemeinschaften” kennengelernt habe waren dann entsprechend Personen, die ortsunabhängig Sozialleistungen bezogen haben, einen preiswerten Therapieplatz brauchten oder Gemeinschaftshopping betrieben, zur Probe mal da, mal dort wohnten und manchmal auch woanders, weil es eine preiswerte Art des Urlaubs war.

Es liegt mir fern, damit jemanden angreifen zu wollen, sondern es ist ein Problem, dass ich einfach bisher nicht lösen konnte. Jemand eine Idee?


#2

Hallo Tinka,
ich kann Deine Ansicht sehr gut nach vollziehen.
Hier mal meine Idee, die mir erst unlängst dazu kam.
Du fragtest, nach einer Idee!

Probleme wollen gelöst werden.
Aber oft sehen wir Welche, obwohl es sie überhaupt nicht gibt.

Das Meisten sind wohl eher Auf-Gaben!
Die schnell zu lösen sind. In dem man sich von ihnen los-löst.
Oder ihnen mit Leichtigkeit nach kommen kann.
Sind zu viele Verhinderungen, Verhinderer, Wegelagerer, Stolpersteine auf dem Weg.
Scheint man sich nicht auf dem “rechten” Weg zu befinden.

“Gib (einfach) auf”! :grinning::bulb: Scheint hier wohl die Lösung zu sein!

Jetzt wirst Du vielleicht sagen wollen:
“Aber, aber, ich will doch… und es muss doch möglich sein, dass…”!

Zumindest ging es mir einige Zeit genau so.

Nun blicke ich auf ein Jahr zurück, voller Erfahrungen, Kontakte, Besuche usw.

Und stelle für mich fest:
Mein Bedürfnis, in einer Gemeinschaft zu leben, mit authentischen, erwachsenen Menschen zusammen. Ist derzeit nicht zu stillen! Denn, es scheint sie nicht zu geben!

Was ich fand, waren Menschen, die Bedürfnisse haben, die ich bereits überlebt geglaubt habe/hatte.
Die sie jedoch von mir oder von anderen Menschen gestillt haben möchten.
Unbewusst ging es mir auch so!

Dazu bin ich nicht (mehr) bereit. Denn die Not hat sich für mich gewendet.

“Reif” für eine WG, scheinen “nur unreife” Menschen zu sein.
Welche eben so wie Kinder, nicht alleine sein können.
Abhängig von anderen Menschen sind,
oder Andere sogar von sich abhängig machen wollen.

Mit sich selbst “ins Reine” kommen, kann aber nur Jemand,
der sich selbst kennen gelernt hat.
Und das kann nur dann erfolgen, wenn man das “Hamsterrad” abstellt.
Und jegliche Ersatz-Beschäftigungen, wie z.B. Rollenspiele, mal für eine längere Weile verlässt.

Oder durch Schicksalsschläge mal auf --sich selbst— zurück geworfen wird.
Und das dann mal einfach aushält!

Das ist wohl die einzige Chance, mal mit sich selbst in Berührung zu kommen.
Um die-- echten eigenen-- Bedürfnisse kennen zu lernen.

Und dabei noch, dahinter zu steigen, weshalb sie so an Bedeutung gewinnen.
Um dann der nackten Wahrheit gegenüber zu stehen und auch das dann mal aus zuhalten.

Bei mir waren es nicht gestillte Bedürfnisse aus/in der Kindheit.
Diese/meine Wahrheit hat mich total entsetzt!

Dann habe ich mich mit Anderen verglichen und stellte für mich fest, dass es ihnen genau so geht. Mit dem Unterschied, dass sie es nicht oder nur ganz selten wissen.

Und wem es bewusst wurde, so wie mir, der wurde erwachsen.
Kam in die Selbstermächtigung.
Konnte den Mangel mit sich selbst ausgleichen und aus füllen.

Wurde frei von der Bedürfnisbefriedigung, die nie wirklich --befriedet— werden kann.
Nach immer mehr verlangt, durch Andere.

Jenen, denen es nicht bewusst ist, bleiben in ihrer Kinderwelt und verharren dort.
Suchen Ersatzmamis, Ersatzpapis, Ersatzgeschwister, Ersatzomis, Ersatzopis, oder stellen sich selbst dafür zur Verfügung.

Und leben die Rollen ihrer Herkunftsfamilienmitglieder.
Die scheinbar ihrer Rolle damals nicht gerecht wurden.

Machen sich also selbst Etwas zum eigenen Bedürfnis, was nicht ihr Eigen ist und nicht dem Eigen entspricht. Sie leben nicht sich selbst. Und wer meint, Anderen immer “helfen” zu müssen, besonders ungefragt, unerbeten, der macht Andere zu Hilfsbedürftige.
Das habe ich erkannt.

Es wird gesagt: “Eine Gemeinschaft ist nur so stark, wie ihr schwächstes Mitglied”!
Da scheint was Wahres dran zu sein! Die “Weltbühne” spiegelt uns das täglich.

Ja klar, ich träume immer noch von einer erwachsenen, selbs-bewussten Menschengemeinschaft, im Kleinen wie im Großen. Und so lange sie nicht auf der Bildfläche, auf dieser Theaterbühne (vom SELBST) erscheint.

(Ich wage kaum daran zu denken, wie viele “Wunder” und wie viel Mehr-Wert sie hervor bringen könnte, für alle Erdenbewohner und für die Erde.)

Bleibe ich eben “all-ein” , mit Allem und Allen auf natürliche Weise im Herzen verbunden.
Aber “sorge” und “kümmere” mich um mich selbst. Ohne Kummer und Sorge. :grinning:

Die Suche, das SUCHTEN nach einer entsprechenden Gemeinschaft, die jetzt zu mir passt. Und umgekehrt.
Hat in mir einen Mangel auf gezeigt. Und damit wähnte ich mich, in der Anhängigkeit von Anderen.

Bis ich mich davon bewusst befreite. “Ich gab auf”!
Denn auch Aufgaben können durchaus mal auf gegeben werden.

Alles Liebe, Ostara


#3

Hallo Tinka,
das Problem dürfte sein, dass PlusWG unterschiedlichste Interessenten und Anbieter anspricht und ggf. miteinander verbindet. Was für dich unmöglich erscheint, Probewohnen, ist zB für einen Rentner weniger das Problem. Oft geht es leider im Einzelfall nicht konkret genug aus Angebot und Nachfrage hervor, an wen genau sich an Angebot richten und für wen es ungeeignet ist bzw umgekehrt, welche Möglichkeiten jemand hat, der ein entsprechendes Angebot sucht. Junge und berufstätige Leute haben normalerweise andere Anforderungen als ältere Leute, die nicht mehr berufstätig sind, und nicht zuletzt spielt auch die wirtschaftliche Situation eine nicht unerhebliche Rolle.
Um einen Durchblick zu bekommen, muss man kommunizieren. Das geschieht mehr oder weniger offen, weil möglicherweise nicht jedermanns Absichten so fair sind, wie es wünschenswert wäre.
Auch da hilft nur, sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen. Ich setze auf Kommunikation, aber dazu gehören mindestens zwei. Wenn die Kommunikation schon nicht klappt im Einzelfall, wie soll dann ein mögliches Zusammenleben funktionieren?
Meine Empfehlung an alle Beteiligten: möglichst genaue Vorstellungen benennen und auch berücksichtigen und akzeptieren, dass andere Menschen andere Vorstellungen haben können.


#4

Vielen Dank für die Schilderung deiner Ansichten. Warum ich in einer Gemeinschaft leben möchte ist eine Frage, die nur ich mir beantworten kann. Ich bin so ziemlich der unabhängigste Mensch, den ich kenne, Abhängigkeit von anderen ist wirklich nichts, das mich umtreibt. Zum Thema Schicksalsschläge aushalten könnte ich ein Buch schreiben, aber wozu? Alles hat einen Sinn, im Nachhinein war alles gut, das passiert ist.

Eine Gemeinschaft hat für mich einen ganz anderen Sinn, nämlich gemeinsam etwas aufzubauen und füreinander da zu sein. Es gibt durchaus mündige, intelligente Menschen auf der Welt und ich habe schon einige kennenlernen dürfen. Ich bin grundsätzlich immer positiv gestimmt, möchte mit meinem Topic einfach zum Denken anregen und lesen, was andere dazu meinen.


#5

Hallo Tinka,
wir können Deine Fragen sehr gut nachvollziehen. Wie hat es bisher bei uns funktioniert? Es gab Menschen die haben mehrmals 2-4x jeweils eine Woche zur Probe gewohnt haben um Menschen und Abläufe kennenzulernen. Es gab Menschen die den Urlaub (3-4 Wochen) bei uns verbrachten, um uns kennenzulernen. Dann hat man bereits ein sehr gutes Gefühl kennt Land und Menschen und kann es einschätzen, ob es funktionieren kann. Bei uns hat es bei allen geklappt sehr schnell einen Arbeitsplatz in der Umgebung zu finden.
Was hat nicht geklappt? Menschen die nur wenige Tage kamen und davon viel nicht greifbar waren und dann nachdem sie eingezogen sind, festgestellt haben, dass es nicht das ist was sie suchten. Das wird dann mit entsprechendem Umzug sehr teuer.
Ganz wichtig ist es, dass man sich an Gemeinschaft freut aber diese nicht zwingend braucht.
Wir gehen mit Menschen bei denen es nicht passt respektvoll und offen um, bisher gab es nie Probleme im Falle einer Trennung, man lässt dem anderen Zeit um sich eine neue Heimat zu suchen.
Wir können nur warnen, derartige Schritte überstürzt zu tun. Gemeinschaft braucht Zeit! Bei der Auswahl und bei dem anschließenden gemeinschaftlichen Leben.
Wichtig ist es seine Bedürfnisse klar zu kennen und zu benennen.
Wenn ich die Webseiten einiger Gemeinschaften lese, weiß ich sehr schnell ob das etwas für mich sein könnte. Bei allen Gemeinschaften mit psychologischer Ausrichtung bin ich mir sicher, dass dies für mich nichts ist. Bei allen Gemeinschaften mit unklaren wirtschaftlichen Verhältnissen bin ich mir sicher dass ich dies nicht will. Bei allen Gemeinschaften bei denen ich mich für viel Geld einkaufen muß, ist mir dies zu riskant. Die entsprechenden Regionen die ich bevorzuge kenne ich auch. Aufs Land zu ziehen mit der nächsten Stadt (25.000Einwohner) in 10 oder mehr Kilometer ist mir langfristig zu beschwerlich.
Es bleibt nicht viel übrig. Das ist schade, so hoffe ich dass es einfach mehr Menschen gibt, die die Vorteile der Gemeinschaft zu schätzen lernen, dann wird es auch einfacher für die Menschen, die eine Gemeinschaft suchen.

Gruß

Ralph


#6

Vielen Dank für deine Überlegungen.

Schon klar, ich frage ja auch deshalb, weil es viele Gemeinschaften gibt, die eben keine Rentner WG wollen, sondern Menschen, die aktiv sind und noch arbeiten. Ich finde, es wird sehr häufig nach Familien mit Kindern gesucht oder nach Menschen unter 40 usw. Und die sollen dann Kurse besuchen, Arbeitseinsätze bringen und probewohnen.


#7

ja klar Tinka, das möchte ich auch nur…
Auch wünsche ich Dir von Herzen, dass Deine optimistische Herangehensweise weiterhin überwiegend von Erfolgt geprägt sein wird. Aber es kommt eben immer auch darauf an, wieviel Risiko man einzugehen bereit und in der Lage ist. Das ist eine Typfrage. Ich bin mehr die Vorsichtige, was leider trotzdem ein Scheitern nicht ausschließt. Denn sooo vorsichtig kann man gar nicht sein, dass nichts Schicksalhaftes passieren kann, das einem Menschen den Boden unter den Füssen wegziehen kann im Extremfall. Man kann es auch so sehen: war nicht wagt, kann nichts gewinnen. Aber du hast ja gefragt, wie es für dich möglich sein soll, mal so eben für eine längere Zeit auf Probe zu wohnen. Das lege ich so aus, dass auch du die Leute, mit denen du dir eine Gemeinschaft vorstellen kann, kennenlernen möchtest, um dich zu entscheiden. Also viel Glück!


#8

Genau das war meine Intension: möglichst genaue Angaben machen was man sucht bzw. was man bietet. Nur so kann weitgehend vermieden werden, dass man einen Personenkreis anspricht, der ungeeignet ist.


#9

Hallo Tinka,
da gehörst Du aber zu den wenigen Menschen, die zwar Träume haben, die wahr werden können, aber keine Illusionen, die nie wahr werden können.
Ich wohne z. B. seit 20 Jahren mit meiner lieben Frau zusammen in Südspanien.
Meine liebe Frau und ich haben uns kennen gelernt als sie 15 war und ich 17.
Alle unsere Träume (die wir auch schon damals hatten) sind wahr geworden; auch alle Träume die wir danach hatten.
Unser Traum war z. B. schon damals, dass wir immer zusammen bleiben.
Es sind nun 50 Jahre geworden.
50 Jahre gelebter Traum.
Wie bei allen anderen Dingen geht es aber auch nur, wenn man sich immer und immer wieder und jeden Tag und zu jeder Zeit um diesen Traum bemüht und keine Illusionen hat.
Man bekommt nichts geschenkt, auch nicht die Verwirklichung eines Traums wird verschenkt.
Auch Spanien war unser Traum.
Alles muss natürlich auf eine gesunde wirtschaftliche Grundlage gestellt werden.
So habe ich 3 Berufe erlernt und in 2 Berufen die Meisterprüfung abgelegt.
Und glaube mir, realistische Träume, für die man sich mit all seinen Fähigkeiten einsetzt, werden wahr.
Auch Spanien war unendliche Mühe; wir haben in 14 Jahren hier alles alleine aufgebaut; nicht eine Firma war an der Baustelle.
Wir haben in den ganzen Jahren unseren Traum gelebt.
Jetzt sind wir beide Altersrentner und ich habe meine erste Liebe bei mir in Spanien, in der Umgebung wo wir gerne leben, haben keine finanziellen Sorgen und meine liebe Frau vermietet mehr als Hobby zwei Ferienwohnungen.
Wir lernen dabei tolle Menschen kennen und sitzen oft bis in die Nacht mit unseren Gästen zusammen.
In den letzten 3 Jahren waren auch von plus WG Leute in unserem Alte für mehrere Monate (im Winter) bei uns.
Alles das waren 50 Jahre lang realistische Träume, für dessen Erfüllung wir uns unsäglich bemüht haben.
50 Jahre unendliche Bemühungen.
Ich bin Atheist und lasse mich auch daher nicht von irgendwelchen religiös vorgeschriebenen Verhaltensregeln in meinen Träumen behindern.
Mein Tipp.
Zahlen können bei der Entscheidung ob ein Traum realistisch ist, oder ob es sich nur um eine Illusion handelt, äußerst hilfreich sein.
Einfach mal ausrechen was es kosten würde wenn Du…
Und dann mindestens 30% Sicherheit aufschlagen.
Du solltest nicht einer Illusion nachhängen,
Es gibt eben Dinge, die kann man nicht erreichen und Du würdest nur unnötig Geld verlieren und Dich vergeblich bemühen und wärest am Ende nur enttäuscht.
Meine liebe Frau und ich sind keine Glückskinder oder Erfolgsmenschen, denen alles gelingt.
Wir haben aber eine unglaublich hohe Trefferquote von Träumen die wir verwirklich haben, weil es auch realistisch möglich war diese Träume zu verwirklichen.
Z. B. hatten wir mal ins Auge gefasst nach Neuseeland auszuwandern.
Nach einer halben Stunde Rechenarbeit und den Zukunftsprognosen die unsere Kinder dort gehabt hätten, haben wir den Plan in die Kategorie Illusion abgelegt.
Wir haben reihenweise Illusionen beerdigt aber immer noch früh genug.
Wir haben sicherlich weitaus mehr Illusionen beerdigt als Träume verwirklicht.
Ja- und hier leben wir heute.
www.ferienwohnungen-andalusien.eu

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut F.


#10

Liebe Tinka,

Deine Überlegungen kann ich gut nachvollziehen.
Mein Mitbewohner hat sich eine Menge Gemeinschaften angeschaut. Da hat er beispielsweise ordentlich mitarbeiten und bezahlen müssen, bevor man feststellte, daß er für jene Gemeinschaft leider schon zu alt wäre. Oder das Probewohnen beläuft sich auf ein ganzes Jahr, das ist doch praktisch unmöglich. Wie soll man sich zwei Wohnungen leisten können? Auch das zwingende Angebot an diversen Seminaren sehe ich kritisch - manchmal erscheint mir das nur nach dem unseriösen Griff in anderer Leute Geldbeutel.

Auch wir leben im ländlichen Raum und mit Arbeit sieht es hier eher mäßig aus. Mein Konzept war jedoch von Anfang an die Gründung einer Rentner-WG mit dem Ziel, den Mitbewohnern ein Altenheim bei Pflegebedürftigkeit zu ersparen. Ich habe dafür die entsprechenden Erfahrungen und das Haus wird an diese Bedürfnisse angepaßt. Die örtliche Infrastruktur, insbesondere die ärztliche Versorgung muß aber auch passen.

Auch mit der Weiterführung der ehemaligen Pension hätte ich heute keine Chance, die Bedürfnisse der Gäste und behördlichen Auflagen haben sich sehr geändert.

Ich bin ganz sicher keine eiskalte Geschäftsfrau sondern gern für meine Mitmenschen da, ohne dabei auf das Geld zu schauen - das grenzt eher an Selbstausbeutung.

Doch ich finde, daß es hier im Forum einigen an Realitätssinn fehlt.
Daher auch meine - provokante - Frage nach der Selbstversorgung. Meist wollen das nur Leute, die keine Erfahrung damit haben. Erst einmal muß jeder seinen Lebensunterhalt verdienen - das Essen ist nur ein Bruchteil des Notwendigen. Ohne Verdienst zu arbeiten, können sich nur die Wenigsten leisten.

Auch wenn für meine Zielgruppe die Arbeitssuche kein Thema mehr ist, die Rente nach einem arbeitsreichen Leben fällt trotzdem oft bescheiden aus, daher muß die Miete dem angepaßt sein. Ich möchte keine Leute mit ausschließlich leistungslosem Einkommen (Erbe, Aktienbesitz u.ä.), sondern Mitmenschen, die ihre Brötchen selber verdient haben. Luxuswohnungen für Reiche gibt es genug.

Probewohnen halte ich auch für wichtig, will dafür aber keine starre Zeitspanne festlegen. Manchmal entscheidet schon ein Augenblick, ob es paßt oder nicht. Ich finde aber, daß es für beide Seiten mehr Sicherheit bietet. Außerdem gibt es bei uns dafür ein Gästezimmer, so daß der Bewerber mit leichtem Gepäck kommen kann. Den Preis dafür legt er selbst fest.
Wir leben in einer herrlichen Urlaubsgegend, da sind ein paar Tage hier kein Verlust.

Bisher habe ich hier nur zwei Projekte gefunden, die für mich ein wirklich schlüssiges Konzept haben, für Arbeitende erschwinglich sind und Lebensqualität zu bieten haben.

Wenn meine Arbeit mir tatsächlich einmal Zeit läßt, würde ich gern Ralph und sein Wohnprojektbodensee kennenlernen (falls er seinerseits Zeit für nur Neugierige hat).
Bei ihm scheint nicht nur der wirtschaftliche Ertrag im Vordergrund zu stehen, sondern daß dieses Projekt ihm viel mehr bedeutet.

Was mich jedoch wirklich beeindruckt, ist der Bussjahnshof von Heinz-Josef.
Dort scheint eine bunte Mischung von Jung und Alt, Familien, Alleinstehenden und Alleinerziehenden zusammenzuleben. Besonders für die Kinder stelle ich mir das herrlich vor, sie haben Spielkameraden im passenden Alter ganz in der Nähe, der große Hof bietet genügend Auslauf und Spielmöglichkeiten ohne die Gefahr des Straßenverkehrs. Die Nachbarn können sich gegenseitig in der Kinderbetreuung und vielem anderen unterstützen und zusammen feiern, ohne irgendwelche Teilnahmezwänge.
Arbeit scheint es in der Gegend genug zu geben.

Anstatt gleichförmiger Typbauten gibt es dort ganz individuelle Fachwerkhäuser, die trotzdem mit zeitgemäßem Wohnkomfort ausgestattet sind. Wie das mit einem ortsüblichen Mietpreis geht, ist mir nicht ganz klar. Wahrscheinlich liegt es an der Mitarbeit der ganzen Familie.

Die Fotos im Netz zeigen viel Liebe zum Detail und zur Schönheit. Ich weiß nicht, wie unsere Kinder und Enkel den heute modernen Baustil sehen werden - mir gefallen die grauen Schuhkartons mit dem Einblick von außen in die hinterste Ecke nicht unbedingt. Aber die alte Kunst des Fachwerkbaus mit moderner Wohnqualität zu verbinden, wird wohl auch spätere Generationen begeistern.

Das Fachwerkdorf wäre wohl mal eine Reise wert, leider ziemlich weit für mich.


#11

Liebe Diskutierende,
fast alles, was ihr schreibt finde ich richtig, das möchte ich deshalb nicht wiederholen.

Auch wir suchen noch Menschen, die mit uns wohnen wollen.

Unsere Ausgangslage ist ein hohes finanzielles Investment für den seit 2013 abgeschlossenen Umbau der Altimmobilie. Deshalb brauchen wir noch Investoren, um das Darlehen abzuzahlen, denn 1 Wohnung ist noch unverkauft und 2 Gesellschafter wollen aussteigen. Wir bieten deshalb Eigentumswohnungen (nach WEG) an, der Mehrwert sind die großzügigen Gemeinschaftsflächen und die Gemeinschaft.

Dank einiger Investoren haben wir auch Mietwohnungen (die sind aktuell alle vermietet).

Wir bieten jedem Interessenten Probewohnen an. Wir verzichten auf Seminare, Gruppensitzungen und Arbeitseinsätze. Aber wir verbringen Zeit mit den Interessenten: immer sind einige von uns da, um etwas zu unternehmen, gemeinsam zu essen oder auch einfach mal nur zu plaudern. Und wir haben (so meine ich), unser Gruppenanliegen und unsere finanziellen Vorstellungen klar auf unserer Internetseite formuliert und tun dies auch in den oft langen telefonischen Vorgesprächen.

Die meisten Probewohner brauchen nur wenige Tage bei uns, um sich für oder gegen unser Projekt zu entscheiden (auch Investoren!). Meine Erfahrung: Das sind immer diejenigen, die einen Entwurf für ihr künftiges Leben im Kopf und im Herzen haben.

Manche werden sich nie entscheiden können, obwohl die Rahmenbedingungen passen würden (“mögen täten wir ja wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut”).

Die ganze Sache hat schon Ähnlichkeit mit der Suche nach einem Lebenspartner ;-))

Viele Grüße,
Eure Claudia


#12

Das Internet ist voll von solchen Angeboten, ob sie seriös oder unseriös sind, hängt davon ab, wie offen man das Angebot präsentiert. Manche Leute sind natürlich auch ziemlich naiv.
Ich tendierte bei allem grundsätzlichen Wohlwollen dazu, erst zu überlegen und dann zu handeln.

@ Claudia: das ist ehrlich! Respekt!


#13

Diese Erfahrung mache ich auch. Es ist allerdings, besonders für Ältere, auch nicht einfach, sein Leben komplett zu ändern. Manchen überfordert die räumliche Verkleinerung, er kann sich von der Vielzahl seiner Dinge nicht trennen, ob er die in den letzten Jahren benutzt hat oder nicht. Wenn er statt dessen in ein paar Jahren ins Pflegeheim gehen muß, landen die meisten so bedeutsamen Sachen auf dem Sperrmüll.
Aber der Frage stellen sich halt viele nicht - krank und pflegebedürftig werden bloß andere.

Viele Grüße

Antje