Planung für das Ende


#1

Guten Morgen liebe Leute,
meine Mutter hat schon Äußerungen von sich gegeben, wie sie sterben will. Sie will das total unaufgeregt bekommen. Ihr Wunsch war ein Waldfriedhof, alles total natürlich. Jetzt frage ich mich natürlich, wie ich das machen soll. Bei uns gibt es kein Waldfriedhof in der Nähe. Das stellt das Ganze natürlich unter schwere Probleme. Ich meine, wo ist der Nächste? Oder wo findet man generell verschiedene Punkte? Sie will, das zu ihren Lebzeiten schon alles geregelt wird. Sie ist eben so eine Person. Ist etwas belastend für mich, aber das ihr ihr Wunsch. Wie kann man den Wunsch abschlagen?


#2

Das ist ja ein sehr trauriger Wunsch von deiner Mutter. Aber ich verstehe das. Meine Oma ist kürzlich gestorben, dabei war es abzusehen. Ich habe noch meiner Schwester gesagt, das sie nicht mehr lange hat, sie gab ihr Wochen, ich Tage. Passiert ist es am gleichen Abend. Wir hatten sie dann neben ihren Mann beerdigt. Das hat auch meine Mutter als Anreiz genommen, für ihre Beerdigung zu sorgen. Sie liebte die Natur, deswegen hat sich dann hier: https://www.natururne.de/neu-die-oase-der-ewigkeit/ was passendes für sich gefunden. Einziges Manke ost nur, das der Ort so weit weg von uns ist. Aber das Ambiente ist traumhaft.


#3

Hallo Igor,
Du schreibst: “Wie sie sterben will”
Du hättest schreiben sollen: Wie und wo Deine Mutter beerdigt werden möchte.
Ich bin als kleiner Junge fasst in einem Stausee ertrunken.
Mein Vater hat nicht im letzten Augenblick gerettet.
Sterbe ich vor meiner Ehefrau, möchte ich verbrannt werden und in diesem See soll meine Asche verstreut werden, denn dort wäre mein Leben fasst schon einmal zu Ende gewesen.
Stirbt meine Frau vor mir, möchte ich mit ihr in einer Urne beigesetzt werden, denn ich werde nicht mit ihrer Beerdigung gehen.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#4

Hallo greingrothlilly

ja das ist ein Thema. Man sollte auf der einen Seite den Wunsch eines sterbenden erfüllen, aber eine Beerdigung in der Schweiz mit Überführung und den sonstigen Behördlichen Regelungen und Formalitäten etc. Ist bestimmt nicht einfach.
Kennt deine Mutter den Begriff FriedWald ?

Im Internet kann man wenn man der Ort und den Begriff Friedwald eingibt auch diese angezeigt bekommen die in der Nähe des Wohnorts sind.

Ein Beispiel hier: https://www.friedwald.de/standorte/

Gerade weil deine Mutter die Natur liebt wäre das eine Alternative.
https://www.friedwald.de/konzept/friedwald-im-video/

Das Argument ist “Mutter wenn der Friedwald in unsrere Nähe ist dann kann ich oft in den Wald gehen dich besuchen und gedanklich bei dir sein”

das nur mal mein Kommentar zum Thema.
Grüße Rein


#5

Lieber Igor,

auch ich habe mit meiner Mutter über ihre Wünsche bezüglich der Beerdigung meiner Eltern gesprochen.
Ich halte es für sinnvoll, miteinander darüber zu reden, denn im akuten Sterbefall ist man froh, die Wünsche seines nahen Menschen zu wissen.
Wir gehen das Thema recht sachlich an und werden es demnächst vielleicht sogar schaffen, uns bei einem Bestatter beraten zu lassen. Eine Trauerfeier in dessen Räumen sollte schon sein, dazu alles andere Erforderliche regeln. Denn es macht einen wesentlichen Unterschied, ob man das in Ruhe und ohne große Emotionen entscheiden kann. Im akuten Trauerfall ist man nicht unbedingt Herr seiner Sinne, welches von geschäftstüchtigen Firmen ausgenutzt werden kann.
Im Fall meiner Eltern gibt es noch ein Problem - sie leben in einer Stadt, zu der ich keine Beziehung habe, so daß es nach ihrem Tod für mich keine Grund mehr gibt, dort hin zu fahren und ein Grab zu pflegen.
Wir wünschen uns zwar, daß sie ihren letzten Lebensabschnitt bei mir verbringen, doch das kann auch anders kommen. Immerhin haben wir hier einen schönen Dorffriedhof.

Aber es gibt auch noch eine Alternative zum deutschen Friedhofszwang:
Ein ausländisches Krematorium (z.B. in Holland) kann die Urne anfordern um sie (vielleicht) dort zu bestatten. Das geht ganz profan per Postversand. Anschließend kann ein Angehöriger die Urne dort abholen und sie an einem Ort bestatten oder die Asche verstreuen, der dem Verstorbenen wirklich etwas bedeutet hat.
Ich persönlich hab auch was gegen Friedewälder, es ist exorbitant teuer und ich habe eine Allergie gegen Abzocke.
Rechtzeitig darüber reden ist auf jeden Fall richtig!

Aber noch wichtiger ist die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht!

Es ist heute möglich, das “Leben” technisch schrecklich zu verlängern, so daß nur noch ein Vegetieren bleibt. Künstliche Ernährung, Beatmung, kein Kontrolle über sein Ausscheidungen, schmerzhafte Kontrakturen und Liegegeschwüre - da ist kein bisschen Lebensqualität mehr. Wer das nicht will, muß schriftlich vorsorgen, solange er Herr seiner Sinne ist!
Und wer keinen amtlichen Betreuer möchte, der einen Teil des - eventuell noch vorhandenen - Vermögens kostet und dennoch nicht verfügbar ist, wenn es notwendig ist - der sollte dazu jemanden bestimmen, zu dem er unbedingtes Vertrauen hat ( und der jünger ist). Beispielweise ein Kind.

Ich weiß, wie schwierig der Kampf mit der Pflegekasse um eine Pflegestufe oder nur um einen dringend benötigten Rollstuhl ist - für den Kranken selbst kaum zu gewinnen. Da brauchts jemanden, dem der Pflegebedüftige nicht egal ist.

Gehe das Thema ohne Scheu an, immerhin ist es nicht selbstverständlich, daß die Initiative vom Elternteil kommt, es zeugt von der Weitsicht Deiner Mutter.

Das Leben ist tödlich, da müssen wir alle hin.

Gruß
Antje


#6

Lieber Helmut,

Das ist Liebe! Wenn Dir Dein Leben ohne sie sinnlos wird. Ich hoffe, Du weißt, wie Du es dann anstellst.
Große Hochachtung vor Eurem Wir!

Antje


#7

Hallo Antje,
meine liebe Frau und ich kennen uns nun 50 Jahre und waren immer fasst den ganzen Tag zusammen, denn wir haben uns kennengelernt als sie 15 war und ich 17, sie ist meine erste Liebe.
Ich hatte nicht nur schon 2 x in den letzten Jahren den Tod am Bett stehen, sondern ich hatte ihm auch schon die Hand gegeben, weil auch die Ärzte mich aufgegeben hatten.
Ich möchte hier nicht in Einzelheiten gehen, aber beruflich kenne ich “den süßen Tod” bzw. wie es geht und kann im Supermarkt für etwa 3 Euro gekauft werden.
In Japan müssen die Angestellten eines Supermarktes die Polizei rufen, wenn ältere Menschen “die Teile” ohne das sonst übliche Zubehör kaufen.
Die meisten Leute wissen es nur nicht, sonst gäbe es nicht so viel missglückte Selbstmordversuche.
Ich bin mir nicht sicher ob es Liebe ist, ich denke es ist eher; dass ich dann kein zu Hause mehr habe, wenn ich meine Frau verliere.
Seit 12 Jahren habe ich Leukämie, die zwar gut mit Medikamenten eingestellt ist; aber es ist so, als wenn man 12 Jahre eine Handgranate in der Tasche hat, aber nicht weis, wann das Ding losgeht.
Ich habe eine sehr entspannte Einstellung zum Tod und zum Sterben, denn wer beides vollkommen schmerzlos selbst bestimmend jederzeit vollziehen kann, muss zumindest vor der Art des Sterbens keine Angst haben, es ist sogar eher beruhigend für mich.
Da ich Atheist bin, glaube ich, dass ich dann dort sein werde, wo ich vor meiner Geburt auch war.
Aber ich lebe gerne und es könnte ewig so weite gehen.
Psychologisch würde ich eingestuft als ein Mensch mit sehr viel Resilienz.
Ich hatte noch nie Depressionen und auch nie akute Selbstmordgedanken.
Aber ich könnte nie meine liebe Frau beerdigen.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#8

Danke für die ganzen Kommentare. Das mit der Schweiz erscheint mir auch etwas teuer, auch wenn ich wohl in Zukunft nicht so weit dahin hätte. Spielte schon öfters mit den Gedanken an den Bodensee zu ziehen. Bisher hielt mich halt meine Familie zurück, Den Begriff Friedwald kannte ich bis dato nicht, aber ich denke das ist das passende. Natürlich ist diese Art der Beerdigung vielleicht nicht die Billigste, aber meine Mutter besteht auch darauf, das keine Nachfeier gefeiert wird. Also kein Leichenschmaus. Ich denke, da gibt es dann wieder ein Gleichgewicht in der Ausgabe, so nüchtern betrachtet. Ich will halt wirklich ihre Wünsche erfüllen. Habe dann später ja auch den gleichen Anspruch auf meine Kinder oder Verwandte.