Im Alter zurück nach Deutschland?


#1

Vor fast zwanzig Jahren sind meine liebe Frau und ich nach Spanien gezogen.
Wir haben auf ca. 30.000 qm in den Bergen in Andalusien ein Haus gebaut, mit Nebengebäuden, die heute als Ferienwohnungen vermietet werden.
Wir sind heute Altersrentner und bekommen deutsche und spanische Renten.
Im letzten Jahr konnten wir 9 Tage wegen schlechten Wetter (genauer gesagt Sturm mit Regen) nicht auf unserer überdachten Terrasse sitzen und zu Mittag essen, und genau an diesen Tagen mussten wir auch unseren Solar Warmwasserspeicher mit Strom nachheizen.
Vor einiger Zeit waren wir in Deutschland und wurden von gleich mehreren Beamten höflich, aber sehr bestimmend zur Gepäckkontrolle gebeten.
Ob wir alleine reisen, Jemand Zugang zu unserem Gepäck gehabt habe, usw.
Als mein Handy klingelte, wurde ich angewiesen nur kurz zu sagen, dass wir noch auf unser Gepäck warten; ich gehorchte.
Es war unser Sohn, der uns vom Flughafen abholen wollte.
Unser Gepäck wurde sehr gründlich durchsucht und die fleißigen Beamten haben sogar Fächer in meinem Knubbelkoffer gefunden, die ich selber noch nicht kannte.
Aber sie fanden wohl nicht das, was sie suchten.
Dann rückten Sie mit dem Grund der Kontrolle heraus.
Gleich 2 Drogenhunde hätten bei meinem Koffer Drogen angezeigt.
Aber—heiliges Ehrenwort, ich hatte keine Drogen im Koffer.
Als wir schon wieder einräumten, kam mir die Erleuchtung.
In dem Koffer befand sich ein Leinensack, den wir auf der Rückreise gefüllt als Sondergepäck mitnehmen wollten.
Und genau in diesem Leinensack hatte ich mal vor mindestens 2 Jahren die Ernte von zwei Haschischpflanzen zum trocknen aufgehangen.
Der Beamte war sichtlich von den Socken, als ich ihm das erzählte.
Aber was soll dass, denn in Spanien ist es erlaubt Haschisch auf dem eigenen Grundstück anzupflanzen; allerdings nur für den Eigenbedarf, der Verkauf ist verboten.
Ja- und dann der Straßenverkehr.
Die Autos, bzw. die Fahrer halten in Deutschland wirklich bei Gelb vor der Ampel, bzw. fangen an zu bremsen.
In Spanien das größte Risiko einen Auffahrunfall zu produzieren, denn springt die Ampel auf Gelb, geben mindestens noch 3 bis 4 Autofahrer Vollgas, um noch so zügig über die Kreuzung zu kommen, damit sie mit dem Querverkehr nicht zusammenstoßen, der bei Grün losfährt, und dann bremst Jemand bei Gelb…
Aber ich war ja Beifahrer.
Unser Sohn zeigte uns erstmalig sein schmuckes Einfamilienhaus.
Die Finanzierung hätte gerade mal so gereicht, denn die zigtausende von Euro, für die Asphaltierung der Straße, hatte er nicht mit einkalkuliert.
Vor 3 Jahren wurden an unserem Eckgrundstück in Spanien erstmalige etwa 120 m die Straßen asphaltiert, für NULL Euro.
Am Abend, als die Enkelchen im Bett waren, haben wir dann über Gott und die Welt geredet.
Eigentlich dieselben Themen, die ich sehe und höre, wenn ich abends im Bett liege und die deutsche Tagesschau vor 25 Jahren sehe.
Rente, Krankenkassenbeiträge, Gesundheitsreform, Asylanten, Steuerreform, Wahlversprechen usw.
Bin ich schon schläfrig, merke ich oft erst nach Minuten, dass der Sprecher ja schon längst tot ist und es sich um 25 Jahre alte Nachrichten handelt.
Selbst mein Sohn war erstaunt darüber, dass Spanier 14 Mal ihre Rente im Jahr ausgezahlt bekommen und Mutter, für etwa 1/3 der deutschen Beiträge, bei gleicher Beitragszeit, etwa 4 x so viel spanische Rente bekommt, als sie von ihrer deutschen Rentenversicherung erhält.
Dafür müssen spanische Rentner auch keine Krankenkassenbeiträge zahlen und alle Leistungen der KK sind kostenlos, also auch keinerlei Zuzahlung.
Am nächsten Morgen sind wir dann zu einem Unterstellplatz gefahren, wo mein Sohn seinen Anhänger abstellt.
Dabei konnte ich meinem Sohn berichten, dass Anhänger bis 750 kg, in Spanien die Nummer vom Zugwagen haben und dann keine Steuern und Versicherung zahlen müssen und auch nicht zum TÜV müssen.
Im Zwinger war ein Rottweiler, wohl der Wachhund für die Nacht und den Platz.
Da ich 2 Rottweiler in Spanien habe, kam ich auch sofort ins Gespräch mit dem Platzbesitzer.
Dabei habe ich erfahren, dass der Besitzer für einen Rottweiler in Deutschland, in dieser Stadt, 600 Euro Hundesteuer zahlen muss und für einen zweiten Hund noch mehr.
Ups—das wären für mich ja über 1.200,00 Euro im Jahr; aber in Spanien NULL Euro.

Unser Sohn zahlt etwa 35% mehr für Strom; etwa das dreifache für einen Kubikmeter Stadtwasser, die doppelte KFZ-Steuer und etwa 30% mehr für die Vollkaskoversicherung des Autos und etwa das Doppelte für frisches Gemüse.
Für 28.000 qm Grundstück mit diversen Gebäuden und für die Müllabfuhr zusammen, bezahlen wir in Spanien weniger Grundsteuer, als in Deutschland für einen Rottweiler Hundesteuer bezahlt werden muss.

Meine blaue spanische Park-Karte, mit Rollstuhlsymbol, gilt auch in Deutschland, denn ich kann wirklich schlecht laufen und unser Sohn war sehr erstaunt, als ich ihn bat vorne an dem Supermarkt auf dem Behindertenparkplatz zu halten, denn meine Karte hatte ich dabei, und dafür ist sie ja auch gedacht.

Mein Sohn berichtete, dass sein Schweigervater (87) nun schon die zweite neue Hüfte hat, zwar noch einige Meter auf Krücken laufen kann, aber immer öfter hinfällt.
Ein Parkausweis wurde mit der Begründung abgelehnt, dass er dann in einem Rollstuhl fahren muss.
Parkausweise würden z. B. nur Doppeltamputierte bekommen.
In dem Supermarkt haben wir Vanillestangen gesucht und eine Mitarbeiterin gefragt, die sichtlich darüber genervt war, aber sie konnte uns den richtigen Quergang angeben.
In Spanien geht der Mitarbeiter mit dem Kunde zu dem Platz, wo das Produkt gelagert ist.
Carrefour hat seit vielen Jahren in Spanien Sonderkonditionen für Rentner, denn es werden alle frischen Produkte, wie Fleisch, Gemüse, Eier usw., an Rentner ohne Mehrwertsteuer verkauft.
Als Rentner können alle Verbindungen im Nahverkehr kostenlos genutzt werden.

Man merkt aber, dass die Menschen in Deutschland durch das deutsche Regierungsfernsehen bewusst mit Falschinformationen gefüttert werden.
Rentner sind in Spanien arm, überall herrscht Wassermangel, die medizinische Versorgung ist schlecht, und wenn die Deutschen in Spanien alt geworden sind, dann müssen sie wegen Geldmangel zurück nach Deutschland.

Ich denke, nur so kann man dem Michel erklären, warum Aber-Milliarden an Subventionen in den Süden Europas fließen, warum er immer weiter sinkende Renten in Kauf nehmen muss, selbst als Rentner noch KK-Beiträge zahlen muss, und finanziell ruiniert wird, wenn die Straße vor seinem Häuschen asphaltiert wird.

Nun sitze ich wieder in Spanien vor dem PC, die Klimaanlage surrt im Hintergrund, schreibe diese Zeilen und meine Tochter hat mir gerade eine Mail geschickt, dass sie ihr Asthmamedikament nun selber bezahlen muss, weil es rezeptfrei geworden ist.
Unsere beiden Rottis schmusen mit den Kindern der Feriengäste und gleich werde ich den Grill vorheizen.
Ich bin gerne in Deutschland, denn dann sehe ich meine Kinder und Enkelkinder in ihrer Umgebung wo sie leben; ansonsten verbringen sie ja auch ihre Urlaube bei uns.
Aber ich gehe niemals zurück nach Deutschland, hier werde ich sterben.

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber


#2

Hallo Herr Weber. Ich habe Ihren Beitrag mit Interesse gelesen. Darf ich diesen auf meiner Seite “Wohngemeinschaften im Alter” teilen? Liebe Grüße


#3

Ja- natürlich, das ist kein Problem


#4

Ist der Geldsack gut gefüllt läßt es sich überall gut leben. Gibt es eine Website von den Ferienwohnungen die vermietet werden ?
Schöne Grüße aus dem meist naßkalten Emsland

Alois Brinkmann


#5

Ein freundliches Hallo,
ein toller Bericht! Ich würde auch gerne wissen wo ich mir Ihre Unterkünfte ansehen kann.
Einen schönen Abend für Alle.

Rosi


#6

… herzlichen Glückwunsch für die gute Wahl, Gruss Hans-J


#7

Prima.Habe ich heute auf meiner Seite “Wohngemeinschaften im Alter” veröffentlicht. Liebe Grüße


#8

Hier ist der Link zum Beitrag auf der Facebook-Seite “Wohngemeinschaft im Alter” von @wohngemeinschaften (Juliane Scholz):
https://www.facebook.com/altenwg/posts/339788219792147

Juliane hat wohnt selbst in einer WG an der Ostsee und hat das Buch “Die fidele Alten-WG in Laboe” geschrieben …