Humanes Sterben


#1

Ja- ein heikles Thema.
Aber-Albert wollte es wissen und Herr Herzog hat auch nicht Einwände erhoben.

Ich will hier nun als Atheist nicht Glaubensfragen mit ins Spiel bringen, sondern über Grundwissen zu einem humanen Tod durch Selbsttötung etwas schreiben.
Und- alles über das ich hier schreibe, ist in Deutschland legal, oder ich habe darauf hingewiesen, dass es nicht legal ist.
Ich werde versuchen zu erklären, dass Menschen vor dem Sterben keine Angst haben müssen; was danach erwartet wird ist eine Sache des Glaubens.

Vorher einige Grundlagen.
Wir alle haben eine Urangst vor dem Ersticken und unser Körper reagiert sehr empfindlich darauf, wenn wir uns z. B. eine Plastiktüte über den Kopf ziehen und das ausgeatmete Kohlendioxid (CO2) wieder einatmen. Wir bekommen nicht Atemnot weil sich der Sauerstoff unter der Plastiktüte immer weiter vermindert, sondern weil sich im Blut CO2 anreichert und es immer wieder eingeatmet wird.
Es kommt dann zu der panikartigen „Schnappatmung“ die nicht unterdrückt werden kann und weshalb Ertrinkende letztendlich unter Wasser doch einatmen.
Dieser Reflex verhindert, dass wir im Schlaf ersticken.
So elendig müssen die Schweine sterben (nämlich in einem mit CO2 gefüllten Raum) in dem sie genau so qualvoll ersticken wie ein Ertrinkender.
Warum nimmt man für Schweine denn dann CO2?
Weil Menschen die versehendlich in diesen Raum kommen, Atemnot bekommen und wissen, dass sie schnellst möglich den Raum verlassen müssen.
Schweine könnte man ganz human mit Stickstoff einschläfern.
Sie würden Stickstoff einatmen und CO2 weiter ausatmen.
Es kommt dann zu keinerlei Atemnot, denn in der normalen Atemluft sind ja auch ca. 80% Stickstoff vorhanden.
Aber- betritt ein Mensch diesen Raum, merkt er nichts.
Er bekommt plötzlich bunte Bilder vor den Augen und gerät in eine sehr euphorische Stimmung und stirbt.
So, wie Taucher bei denen sich zu viel Stickstoff im Körper ansammelt; sie sind dann der Meinung, dass sie unbesiegbar und unverletzbar sind, eben in einem Rauschzustand.
Es sind auch Arbeiter ums Leben gekommen, die z. B. ohne Atemgerät eine Halle betreten haben, und diese Halle aus Sicherheitsgründen (etwa extrem hohe Brandgefahr) mit Stickstoff gefüllt war.
Sie schlafen einfach ein und sterben.
Dann sterben hunderte von Menschen im Jahr durch eine Kohlenmonoxidvergiftung (CO).
Fast alle dieser Menschen wollten aber nicht sterben, haben aber nur nicht bemerkt, dass z.B. ihr Ofen bzw. der Kamin nicht mehr richtig die Rauchgase abführen kann oder haben ihren Holzkohle-Grill mit ins Haus genommen, aber nicht bemerkt, dass er noch Glut hatte.
Menschen verbrennen nicht lebendig im Bett, sondern sie sind durch die Rauchgase (CO) schon vorher tot.
Schleiche ich mich nachts in Euer Zimmer und halte die Flamme eines Feuerzeuges an Euren Zeh, dann wird es eine heftige Reaktion geben und die wird nicht freundlich sein.
Hier, einige Dörfer weiter sind in einer Nacht 18 Mitglieder einer Hochzeitsgesellschaft gestorben, weil der Raum in dem sie geschlafen haben, sich langsam mit CO angereichert hat.
Unsere roten Blutkörperchen haben eine Affinität auf CO und nehmen es etwa 600 x lieber/schneller auf als Sauerstoff.
Wer also z. B. sein Bad betritt, in dem seit ½ Stunde ein handelsüblicher Holzkohlegrill in Betrieb ist, hat keine Überlebenschance; nach 2 bis 3 Minuten tritt unüberwindbare Müdigkeit ein und unmittelbar danach der Tod.
Wer die Tür hinter sich zu macht, wird sterben, es gibt dann kein Zurück mehr.

Die Nazis haben in der Anfangszeit ihrer unsäglichen Verbrechen auch Juden mit CO vergast.
Eben mit den Abgasen des LKWs in dem die Unglücklichen transportiert wurden.
Die roten Blutkörperchen sättigen sich mit CO, das Gehirn bekommt keinen Sauerstoff mehr und schaltet ab.
Wer einmal unter „der süße Tot Kohlenmonoxid“ googelt, kann dazu reichlich Pressemeldungen finden.
Noch einmal:
Fehlender Sauerstoff im Blut führt nicht zu Atemnot, denn CO2 wird ja weiter ausgeatmet.
Es gibt keine Rettung mehr, wenn man sich einige Minuten in einem Raum aufgehalten hat, der mit CO gesättigt ist, auch nicht wenn man versucht dem Menschen Sauerstoff zu geben, denn die roten Blutkörperchen sind dann schon voll CO und nehmen keinen Sauerstoff mehr an, weil sie lieber CO speichern.
Mit Überdruckkammern sind einige Menschen gerettet worden, die noch keine absolut
tödliche CO-Vergiftung hatten.
Bei etwa 2 Bar Überdruck geben die roten Blutkörperchen wieder CO ab, sonst erst nach etwa 24 Stunden.
Meines Wissens gibt es aber nur 5 Überdruckkammer in der BRD.
In Japan müssen die Bediensteten von Kaufhäusern die Polizei rufen, wenn ältere Menschen Einmalgrills (bei LIDL für 2 Euro zu bekommen) ohne Grillgut kaufen, denn in Japan ist diese Art aus dem Leben zu scheiden sehr weit verbreitet.
Jugendliche haben sich in Deutschland zum Selbstmord übers Internet verabredet und im Zelt im Wald einen Holzkohlegrill aufgestellt; alle tot.
Nun möchte ich mich im Fall der Fälle aber nicht von meiner lieben Frau verabschieden, alleine ins Bad gehen und die Tür hinter mir zu machen.
Sondern ich möchte (wenn ich unrettbar erkrankt bin) so lange bei meiner lieben Frau bleiben, wie es eben geht und dann möchte ich mit bunten Bildern vor den Augen, in einer Stimmung in der ich die Welt aus den Angeln heben könnte einschlafen, während sie bei mir ist und meine Hand hält, sich aber selbst unmöglich vergiften kann.
Dafür ist Stickstoff (auch Helium) besonders geeignet das dann über eine Atemmaske eingeatmet werden kann, aber selbst nicht giftig sind.
Es ist beruhigend für mich, dass auch dann Jemand für mich da ist, der das Ventil der Stickstoffflasche aufdreht, wenn ich schon zu schwach dazu bin.
Unsere Kinder wissen das und ich habe es auch handschriftlich festgehalten.
Die Rechtslage in Deutschland ist:
Selbstmord ist nicht strafbar und eine Strafe wäre natürlich auch nicht vollstreckbar.
Beihilfe zum Selbstmord ist auch nicht strafbar, was die logische Konsequenz daraus ist, dass, wenn die Haupttat (Selbstmord) nicht strafbar ist, auch die Beihilfe zu dieser Tat nicht strafbar sein kann, die nicht strafbar ist.
Tötung auf Verlangen ist strafbar, wird aber bei Tötung auf Verlangen an Menschen die man liebt, die unheilbar krank waren, in der Regel mit Geld und Bewährungsstrafen abgehandelt.
Konkret:
Man darf mir das Ventil der Stickstoffflasche aufdrehen, mir die Atemmaske in die Hand drücken, aber aufsetzen muss ich sie selbst.
Praktisch aber nicht nachprüfbar, wenn der Tote seinen Selbstmord mit Stickstoff schriftlich angekündigt hat, und wegen einer unheilbaren Krankheit den Sterbeprozess verkürzt hat.
Und- der Tod durch Stickstoff ist praktisch nicht nachweisbar, wenn nicht gerade die Stahl-Flasche noch im Raum steht.
Bei dem Tod durch eine Kohlenmonoxidvergiftung wird die Haut ganz rosa und mit einem einfachen Bluttest kann das Kohlenmonoxid in Blut festgestellt werden.
Ich denke, jeder Hausarzt wird z. B. bei einem Krebskranken im letzten Stadium den Totenschein ausstellen, wenn er keine Verletzungen an dem Toten feststellen kann und keine Verfärbung der Haut.
Der Selbstmord durch Stickstoff wird gerne von Angehörigen vertuscht, weil es sein kann, dass Lebensversicherungen sonst nicht auszahlen.
Auch die Vertuschung eines Selbstmordes ist straffrei, denn da die Haupttat nicht bestraft wird,
kann auch deren Vertuschung der Tat nicht bestraft werden.
Allerdings ist es Versicherungsbetrug, wenn es gegenüber der Lebensversicherung verschwiegen wird.

Zu Zweit aus dem Lebe gehen gibt es auch.


Da wäre CO sicherlich praktischer.
Man kann sich noch unterhalten, eine Flasche Wein öffnen und dann ist es vorbei, denn zum trinken des Weines wird man kaum mehr kommen.
Was aber ganz wichtig ist bei Selbstmord mit CO.
Einen Hinweis an die Tür zur Wohnung und zum Raum selbst, mit dem Satz:
Achtung Kohlenmonoxid im Raum
LEBENSGEFAHR !!!
Wer ohne schweres Atemgerät diese Räume betritt wird sterben.

Ausführliche Informationen unter:

Ich bin doppelt abgesichert.
2 Sack Holzkohle im Bad, und eine Flasche Stickstoff (Helium geht auch) im Schlafzimmer, mit den üblichen Regelarmaturen, auf die ich nur noch meine Maske von meinem „Schnarchgerät“ aufsetzen müsste.
Ich finde es sehr beruhigend, dass ich selber den Zeitpunkt meines Ablebens auf die Minute bestimmen kann und auch die Möglichkeit habe, mit meiner lieben Frau gemeinsam diese Welt zu verlassen.

Ein guter Freund ist vor Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.
Er hat im Endstadium seinen eigenen Kot erbrochen und ist letztendlich daran erstickt.
Seine Ehefrau hat ihn aus Glaubensgründen gebeten keinen Selbstmord zu begehen.

Das mit dem Stickstoff, aber auch Helium, ist für die Staatsanwaltschaften „ein rotes Tuch“ da kaum nachweisbar, was natürlich auch Verbrecher dazu bewegen könnte Personen mit….
Na- da schreibe ich mal besser nicht wie es geht.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#2

Lieber Helmut,

habe vielen Dank für Deine umfangreiche Aufklärung.

An Kohlenmonoxid habe ich auch schon gedacht. Bei Unfällen damit haben die Opfer ihren Tod schlicht verschlafen - eine tröstliche Aussicht.

Mit einer Religion habe ich auch nichts am Hut. Aber die, denen sie wichtig ist, sollten bedenken:
Als die Bibel geschrieben wurde, gab es weder lebensverlängernde Maßnahmen noch eine Intensivmedizin.

Ich will mein Leben genießen, solange es mir lebenswert erscheint.
Und lebenswert heißt für mich hauptsächlich, selbstbestimmt zu leben.

Schon die Aussicht, Windeln tragen zu müssen, weil ich den Weg zur Toilette nicht mehr allein schaffe, ist für mich nicht akzeptabel. Deren Fassungsvermögen ist heute sehr groß, so daß die nicht mehr so oft gewechselt werden müssen. In den Pflegeheimen wären die meisten Insassen gar nicht inkontinent, wenn es jemanden gäbe, der Ihnen beim Toilettengang helfen würde. Das ist aber arbeitstechnisch ineffektiv.

Die meisten Leute finden es normal, täglich kurz zu duschen. Im Heim wird das einmal pro Woche gemacht - es sei denn, jemand im Team ist krank, dann ist das nicht zu schaffen. Mundpflege - zu zeitaufwendig, das merkt eh keiner, welcher Zahnarzt macht schon Hausbesuche. Für individuell Ansprache ist keine Zeit vorgesehen.

Diejenigen, denen die Kranken nicht wurscht sind, flüchten irgendwann aus diesem Beruf, übrig bleiben die dickhäutigen rüden Pfleger/innen, die sonst keine Arbeit finden.

Wer will denen schon ausgeliefert sein?

Übrigens, zum ewig zitierten Pflegenotstand: Alles, was knapp ist, wird teurer - nur Pflegekräfte können von ihrem Einkommen nicht leben (10,20 € brutto Mindestlohn, mehr wird hier nirgends gezahlt). Dabei ist irrsinnig viel Geld im System, selbst bei uns im preiswerten Dorf kostet ein Pflegeplatz 4000 € im Monat. Vormittags versorgt eine Pflegerin 8 - 10 Leute in ihrer 6-Stunden-Schicht, nachmittags 15 und nachts ist eine Fachkraft für 60 Pflegebedürftige zuständig.

Ich habe mich in dem einen Jahr meiner “Arbeitslosigkeit” (Baustelle!) immer gegen eine Arbeit im Heim gewehrt, mußte mich natürlich zwangsweise verschiedentlich bewerben und probearbeiten. Die hätten mich auch gern genommen. Nach Abzug der normalen Fixkosten wären mir 300 € /Monat geblieben(das miese Essen im Heim ist teurer) ausreichend für ein äußerst sparsames Leben. Nur der Unterhalt für mein altes, bezahltes Auto - unerläßlich bei Schichtarbeit - wäre bei bestem Willen nicht mehr drin gewesen.

Pflegeheime sind zu einem äußerst lukrativem Geschäftsmodell geworden, umso mehr, wenn freie Arbeitsplätze nicht besetzt werden.

Wer da seinem Leben vorher selbst ein Ende setzt, dessen Erben sollten eine Belohnung von der Pflegeversicherung bekommen.

Und wenn nun jemand wissen will, was die schrecklichste Todesart ist:
Von einem Maurer per Regiestunden erschlagen zu werden!
(Ich neige zu Übertreibungen.)

Gute Nacht - ich werde morgen früh höchstwahrscheinlich wieder wach werden.

Antje


#3

Hallo Antje,
ja- Du warst ja wohl mal “an der Front” und hast das so hautnah miterlebt, wie ich schon 2 x in den letzten Jahren nicht nur de Tod neben meinem Bett stehen hatte, sondern ihm auch schon die Hand gegeben hatte, denn ein befreundeter Arzt musste mir sagen, dass ich die Nacht nicht überlebe würde.
Ich denke, dass viele Menschen, die dazu neigen Illusionen nachzuhängen, auch den Tod und auch die daraus resultierenden Vorsorge einfach verdrängen.
Selbst ein Testament wird nicht gemacht, weil die Leute gar nicht erst den Gedanken an Sterblichkeit aufkommen lassen wollen.
Wir mussten sogar ein hochkompliziertes Behindertentestament entwerfen, dass hangeschrieben über etwa 10 Seiten geht, damit unsere behinderte Tochter nicht ihr Erbe weggenommen bekommt, denn sie bezieht Grundsicherung wegen dauernder Erwerbsunfähigkeit…
Was würde unsere Tochter von mir und meiner lieben Frau denken, wenn nach unserem Tod ihre Grundsicherung eingestellt würde und sie von dem leben müsste, was sie geerbt hat; aber wir hätten es damit verhindern können, wenn wir ein geeignetes Testament gemacht hätten.
Wenn mir das bei meinen Eltern passiert wäre würde ich denken:
War ich meinen Eltern so gleichgültig?

Das mit den Pflegeheimen ist in Spanien anders geregelt.
Damit will ich nicht beurteilen ob sie besser oder schlechter sind, denn dazu fehlen mir Informationen.
Aber sie kosten nichts, denn der Staat zahlt die notwendigen Pflegekosten, bzw. den Pflegeplatz.
Also kein Geschäfts-Modell mit den pflegebedürftigen alten Menschen in Spanien.

Ja- wir leben zu lange.
Hätte ich nicht vor 30 Jahren aufgehört zu Rauchen, wäre nicht vor etwa 15 Jahren ein bahnbrechendes Medikament gegen Leukämie entwickelt worden und hätten die Leute in der Universitätsklinik in Málaga nicht sündhaft teure Notfallantibiotika am Lager, wäre ich alleine in den letzten 15 Jahren schon
3 x gestorben.
Wenn es wirklich stimmt, dass die Götter die zuerst holen die sie lieben, dann müssen sie mich aber sehr hassen.
Die schrecklichste Todesart für mich wäre, wenn ich doch elendig sterben müsste, weil meine liebe Frau mich verraten hat und das Ventil der Flasche doch nicht aufgedreht hat, als ich es nicht mehr konnte.
Aber ich kenne sie, sie verrät mich nicht.
Und so kann ich ganz beruhigt ich den Tag leben, denn ich habe keine Angst vor dem Tod, sondern nur vor dem Sterben und diese Angst habe ich mir selbst genommen, indem ich Vorsorge betreibe.
Ich fühle mich aber deshalb nicht als Todeskandidat, der sei Leben nun abwickelt.
Wir betreiben immer Vorsorge, egal in welche Richtung…
So habe wir für viele Monate und Jahre dauerhaft lagerbare Nahrungsmittel am Lager, einige tausend Liter Diesel gelagert, einen Notstromdiesel usw.
So könnte es immer weitergehen.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#4

Hallo,

und das Niemand mit Schmerzen leben muss und ohne Schmerzen sterben darf ist auch eine Lüge. Ja die Verwaltung und Bevormundung hört nicht am Sterbebett auf. Also sagt man sich von ihr los!

Ich habe durch ein besonderes Erlebnis eine ganz neue bzw. andere Sichtweise auf den Tod bekommen, bzw. was danach kommt.
Ich denke man geht nach Hause! Und wie ich gehe bestimme ich.
Allen alles Gute.
Rosi


#5

Hallo Helmut,
ohne die Hilfe eines Anderen funktioniert dein bevorzugtes Sterne-Modell also nicht?

Außerdem stelle ich es mir emotional äußerst schwierig vor, einem geliebten Menschen beim Selbstmord zu helfen. Besser vielleicht, mit unkalkulierbaren, nicht vorhersehbaren psychischen Belastungen einhergehend für den, der den Freundschaftsdienst erweist. Ich glaube nicht, dass man vorher wissen kann, ob den „Überlebenden“ nicht lebenslang Schuldgefühl plagen werden, auch wenn das Getane noch so richtig und human erschienen ist, oder?

Gemeinsam diese Welt zu verlassen wäre wohl das Ideal, sofern Beide es wollen. Alternativ könnten vielleicht Menschen, die sich mögen, aber nicht so intensiv miteinander verwoben sind, wie Eltern, Ehepartner etc. diesen Liebesdienst übernehmen? Gewerbsmäßig ist es ja verboten in Deutschland.
Also wird es wohl für viele Menschen das Beste sein, es selbst in die Hand zu nehmen und obendrein dafür zu sorgen, dass die Lieben, die man mit dieser Aufgabe verschonen möchte, einen finden und womöglich erschrend aussehend.
SiLo


#6

Natürlich nicht finden.


#7

Wer einmal das Sterben eines Menschen begleitet hat, bekommt eine andere Einstellung dazu.

In der Regel geht dieser Prozess mit einem mehr oder weniger langsamen Verfall der körperlichen und geistigen Kräfte einher. Die Selbstbestimmung geht immer mehr verloren, der Kranke ist den Pflegenden ausgeliefert. Im Idealfall ist das ein liebender Angehöriger - leider selten.
Einem Menschen, dem zeitlebens seine Autonomie wichtig und dem Körperpflege ein Grundbedürfnis war - muß nun Unterstützung selbst in diesem Bereich annehmen, Essen und vor allem Trinken ist für ihn eine Qual, er hat seine Ausscheidungen nicht mehr unter Kontrolle, eigene Aktivitäten finden so gut wie gar nicht mehr statt…
Viele Sterbende schlafen sehr viel, man sitzt dann am Bett und ist froh, daß ihn in dieser Zeit keine Schmerzen plagen. Die Atemfrequenz sinkt und die Atemzüge selbst erscheinen unwahrscheinlich anstrengend.
Für mich ist das Dabeisein wie eine Geburt - ich möchte der Familie am Schluß sagen : Es ist geschafft!

Es kann sehr harmonisch sein, wenn die liebsten Menschen am Bett eines Sterbenden sitzen, ich bilde mir ein, er kann das spüren, auch wenn er längst das Bewußtsein verloren hat. Den Angehörigen erleichtert das Dabeisein das Loslassen.

Die Gesichtszüge entspannen sich und es ist schön, wenn der Tote noch eine Weile zu Hause bleiben kann.
Man schaut immer wieder nach ihm - auch ich hatte ich im Laufe der Pflege eine enge Beziehung aufgebaut.

Nur - das Leben vorher hatte nach meinem persönlichen Maßstab nicht mehr genügend Lebensqualität.
Ich möchte gehen können, bevor ich mein letztes Bisschen Selbständigkeit aufgeben muß.
Garantiert würde ich es nicht wollen, daß eine meiner Töchter ihre persönliche Freiheit aufgibt, um mich zu pflegen. Daran sind oft die Familien der Kinder zerbrochen. Es würde mir auch äußerst egoistisch erscheinen. Meine Eltern denken ähnlich. Es gibt nichts Schlimmeres, als eine Reanimierung eines unheilbar Kranken. Manchmal reicht es, den Notarzt nicht zu rufen.

Früher haben die Alten in der Familie am Ende ihres Lebens einfach Essen und Trinken verweigert.
Diesen Wunsch sollte man respektieren, sie haben kein Durstgefühl, wenn man den Mund regelmäßig befeuchtet. Die Nieren sind sowieso oft die ersten Organe, die den Betrieb einstellen, mit einer Infusion bringt man dann bloß Wasser in Beine, Bauch und Lunge, was das Atmen erschwert.

Letztendlich kann es der größte Liebesdienst sein, den man einem geliebten Menschen machen kann - das Leiden verkürzen - wenn man absolut sicher ist, in seinem Sinne zu handeln.

Der Tod gehört zum Leben, ich halte es für falsch, ihn zu tabuisieren und noch schlimmer - ihn auszulagern an gehetzte, abgestumpfte Pflegekräfte.

Antje


#8

Hallo Siglinde.
Mein bevorzugtes “Sterbe-Modell” funktioniert so lange, wie ich noch alleine das Badezimmer aufsuchen kann, denn nur dort funktioniert das “Sterbe-Model” mit CO optimal.
Ist in Asien übrigens “der Renner”.
Nur- wer daneben sitzt stirbt auch.
Wenn ich das Ventil der Stickstoffflasche noch aufdrehen kann, würde ich das “Modell” bevorzugen, man hat dann eben eine euphorische Stimmung, bevor es zu ende geht.
Wenn ich es aber nicht mehr schaffe, wird meine liebe Frau mir helfen, da bin ich ganz sicher.
Und sie wäre dann bei mir.
Ja- ein heikles Thema.
Es ist ja auch seltsam.
Jäger die Selbstmord begehen erschießen sich, Ärzte setzen sich die letzte Spritze, Fallschirmspringer schalten das automatische Rettungssystem ab, Flugzeugführer nehmen noch ihre Passagiere mit in den Tod und selbst unter Geisterfahrern auf der Autobahn sollen Selbstmörder sein.
Ich habe auch einen 9 mm Revolver, aber ich käme nie auf die Idee damit Selbstmord zu begehen, indem ich mein Gehirn an die gegenüberliegende Wand blase.
Gut-es ist wie einen Schalter umlegen, den Knall würde ich schon nicht mehr hören.
Mir gruselt aber davor.
Ganz müde werden und einschlafen mit CO oder mit euphorischer Stimmung die Welt mit Stickstoff verlassen wäre für mich die bevorzugte Art.
Ja.-ist sicher auch berufsbedingt.
Spanien ist jetzt mit der Legalisierung der Sterbehilfe auf dem besten Weg.
Mit einigen Hürden, damit nicht ein Arzt alleine entscheiden kann, ob er den Wunsch des Kranken erfüllen darf. Aber wenn man bedenkt, dass bis 1996 selbst Beihilfe zum Selbstmord in Spanien wie Totschlag strafrechtlich verfolgt wurde, doch schon eine bemerkenswerte Entwicklung.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut