Hackordnung bzw. Grizzlyeffekt


#1

Ist Euch noch nie aufgefallen, dass es in einer Gruppe immer zumindest eine Person gibt, auf der herumgehackt wird; neudeutsch sagt man heute, “gemobbt wird”.
Man fragt sich oft: Warum gerade diese Person?
Sie ist doch nett, hilfsbereit, intelligent, reinlich, usw., usw.
Ja- und gerade das macht diese Person zur Ausnahmeerscheinung in der Gruppe und dann rutsch sie in der Hackordnung ganz nach unten.
“Dieses ewige Grinsen, hat doch ein Helfersyndrom, spielt sich hier als Oberlehrer/in auf, hat einen Putzfimmel, usw”.
Für alle positiven Eigenschaften eines Gruppenmitgliedes, finden gerade selbst psychisch angeknackste Menschen ganz bestimmt etwas Negatives; wer einem Hund etwas nachwerfen will, findet einen Stein.
Ja- die “graue Maus” wäre da wohl besser gewesen, oder gleich mit ausgelebter psychischer Stärke versuchen die “Führerschaft” in der Gruppe übernehmen?
Ich denke Beides ist nicht richtig.
Man muss ja auch nicht unbedingt der Schnellste in einer Gruppe sein, wenn der Grizzly die Gruppe verfolgt, man darf nur nicht der Langsamste sein.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#2

Da ist was dran, wer sich irgendwie “abhebt” wird eher Zielscheibe für Mobbing. Das kann anderer Kleidungsstil sein, andere Sprechweise, anderes Bildungslevel, andere Umgangsformen, andere Lebensprioritäten, anderes Sozialverhalten, andere Figur, usw usw…Die graue Maus, von der keiner gross was besonderes zu berichten weiss und/oder die mit allen anderen “übereinstimmt” bei dem Genannten, hat es da oft leichter…


#3

Hallo Haustaube,
der Grizzly-Effekt sollte dabei nicht außer acht lassen werden, denn auch die gemobbte Person versucht noch eine Person zu finden, die sie “treten kann” und dann sind wir wieder bei der Hackordnung.
Ich habe es als sehr leicht empfunden mit einigen Kenntnissen in dieser Richtung durchs Leben zu kommen.
Gestern saßen meine liebe Frau und ich hier mit unserem Mitarbeiter an einem Tisch.
Ich war der “Täter” weil ich eine bestimmte Sache so geregelt habe wollte, unser Mitarbeiter war das “Opfer” weil ihm das so nicht passte und meine leibe Frau war die “Helferin” weil sie vermitteln wollte,
Das berühmte Dramadreieck.
In etwa 1/2 Stunde habe ich es hinbekommen, das ich das “Opfer” war, meine lieber Frau die “Täterin” und unser Mitarbeiter der “Helfer”.
Wir haben uns hinterher totgelacht, als ich erklärt habe, wie man so etwas hinbekommt.
Dieses Dramadreieck gibt es überall: In der Ehe, in WGs usw.
Und meistens wird der Täter zum Helfer und der Helfer zum Opfer.
Zusammenfassend:
Vorsicht wenn man als “Helfer” etwas zwischen “Tätern” und “Opfern” vermitteln möchte.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#4

“Vorsicht wenn man als “Helfer” etwas zwischen “Tätern” und “Opfern” vermitteln möchte.”
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Meiner Ansicht nach darf man das “Vermitteln” echt nur dann versuchen, wenn man selber zu KEINEM der Beteiligten eine Beziehung hat und auch in der “Sache”, um die es geht, in keinster Weise betroffen oder beteiligt ist. Sonst kann man in der Tat in die Schusslinie bzw. eine andere “Rolle” im Dreieck geraten.


#5

Hallo Haustaube,
das geht aber nicht immer.
Ich war viele Jahre für eine Firma in München als technischer Betriebsleiter und Konzessionsträger (Gas-Wasser-Öl) und für die Ausbildung der Lehrlinge verantwortlich und gleichzeitig in der Firma meiner Ehefrau als Baustellenleiter.
Und Alle arbeiteten an den selben Großbaustellen in ganz Deutschland an den selben Projekten.
In mir selbst ruhten schon 5 Seelen, denn ich musste die Interessen als Betriebsleiter, Baustellenleiter, Ausbilder und Ehemann vertreten und die Interessen der Mitarbeiter.
Ja- und auch noch die Interessen des Auftraggebers.
Da hang ich täglich gleich mehrmals in einem Dramadreiecken.
Ohne fundierte Ausbildung in Richtung z. B. Problembewältigung, nagelt man sich selbst rückwärts an die Wand.
Aber auch pubertierende Jugendliche sind in der Ausbildung oft nur mit der Kneifzange anzufassen.
Dahingehend muss auch eine fundierte Ausnildung vorliegen, die auch Prüfungsfach ist.
Ich musste oft auch mit zweierlei Maß messen.
Bei einem Gesellen, der den Chef ein “dummes Arschloch” genannt hat" habe ich der fristlosen Entlassung zugestimmt, bei einem Lehrling nicht.
Bei dem Gesellen auch nur weil sie “per Sie” waren.
Ist man “per Du” ist damit die Grenze der Beleidigung auf Baustellen noch nicht erreicht, die eine Kündigung rechtfertigt; im Büro ausgesprochen kommt es hart an die Grenze.
Und um das alles in die richtige Bahne zu lenken, muss man schon wissen, wie die menschliche Psyche funktioniert, denn es müssen oft schwerwiegende Entscheidungen in Sekunden oder Minuten getroffen werden.
Und man muss auch erkennen können, wenn bei Mitarbeitern und Lehrlingen psychische Probleme vorliegen.
Ich muss sie nicht behandeln können und auch nicht ergründen müssen wo die Probleme herkommen; das kann ich auch nicht, aber ich muss erkennen können, ob sie vorhanden sind.
Meine Ausbildung war schulisch beendet als ich 25 Jahre alt war.
Anschließend haben meine liebe Frau und ich geheiratet und leben nun (50 Jahre nachdem wir uns kennengelernt haben (mit 15 und 17) in einer ausgesprochen erfüllten Ehe seit 20 Jahre in Südspanien.
Und was haben wir hier:
Ein Dramadreieck nach dem Anderen, zwischen unserem Mitarbeiter, meiner Ehefrau, Feriengästen, Nachbarn und mir.
Es ist herrlich!!!
So- und nun gehe ich eine Kiste Äpfel pflücken und mache für die ganze Bande Apfelpfannkuchen.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut