Gründung einer Genossenschaft


#1

Wer hat Erfahrung mit solchen Projekten, wer hat Interesse?
Möchte eine Genossenschaft gründen.


#2

Hallo Rita,
ich denke, wenn Du die juristische Ausarbeitung eines Genossenschaftsvertrages hast (und auch damit weißt wie so etwas organisiert werden kann) dann solltest Du den Genossenschaftsvertrag als Grundlage Deines Vorhabens den Leuten mitteilen, die an einer Genossenschaft interessiert sind.
Hast Du die Organhaftung in der Genossenschaft, solltest Du juristisch so gebildet sein, dass Du weißt worum es geht, denn ansonsten bist Du schneller für Dein Leben finanziell ruiniert. oder hast den Staatsanwalt im Nacken, als Dir lieb ist.
Hast Du nicht das juristische Wissen, bist Du dann eben nur darauf angewiesen, was die Leute, die es wissen wie es geht, Dir erzählen.
Dann musst Du den Leuten einfach nur glauben, wie in der Kirche.
Alleine Dir nun zu erklären, welche Pflichten Du dann als Kauffrau hast und wie eventuelle Pflichtverletzungen strafrechtlich verfolgt werden, würde hundert Seiten in Anspruch nehmen.
Es gibt sicher Kurse bei den Handelskammern oder Volkshochschulen, wo Du erst einmal die rechtlichen Grundlagen pauken solltest.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#3

Hallo Rita

Hier nur eine kleine Information zu einem komplexe Thema über die Gründungsregularien

  1. Einleitung
    Genossenschaften sind Vereinigungen beliebig vieler Mitglieder mit gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. Dieser Zusammenschluss soll der Selbsthilfe dienen oder die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Beteiligten fördern (§ 1 Genossenschaftsgesetz, GenG).
    Zwar sind Genossenschaften auch zur Förderung sozialer oder kultureller Belange einsetzbar, aus unternehmerischer Sicht dürften allerdings in erster Linie wirtschaftlich ausgerichtete Genossenschaften von Interesse sein.
    Unabhängig für die Beteiligung an einer Genossenschaft ist die Rechtsform Ihrer Mitglieder. Das bedeutet, es können ebenso natürliche Personen Mitglied einer Genossenschaft werden, wie auch Unternehmen oder juristische Personen. Genossenschaften können im Übrigen jederzeit - auch ohne Zustimmung der anderen Beteiligten – weitere Mitglieder aufnehmen.

  2. Die Gründung
    Genossenschaften gründen auf schriftlichen Gesellschaftsvertrag, dem so genannten Statut, das von den Gründungsmitgliedern errichtet wird. Für die Errichtung einer Genossenschaft sind drei Personen oder Gesellschaften erforderlich. Die Genossenschaft ist zum Genossenschaftsregister, das bei den Amtsgerichten geführt wird (ähnlich wie auch das Handels- oder Vereinsregister) anzumelden. Durch die Eintragung in das Genossenschaftsregister erhält die Gesellschaft den Status einer eingetragenen Genossenschaft und muss den Zusatz eG in ihrer Firma führen. Die Genossenschaft ist als juristische Person Trägerin von Rechten und Pflichten und kann als solche selbst klagen und verklagt werden.
    Die Anmeldung beim Genossenschaftsregister hat durch den Vorstand zu erfolgen. Der Anmeldung sind in öffentlich beglaubigter Form beizufügen:
    a) die Satzung, die von den Mitgliedern unterzeichnet sein muss,
    b) eine Abschrift der Urkunden über die Bestellung des Vorstands und des Aufsichtsrats,
    c) die Bescheinigung eines Prüfungsverbandes, das die Genossenschaft zum Beitritt zugelassen ist, sowie eine gutachtliche Äußerung des Prüfungsverbandes, ob nach den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen, insbesondere der Vermögenslage der Genossenschaft, eine Gefährdung der Belange der Mitglieder oder der Gläubiger der Genossenschaft zu besorgen ist.

Und nicht vergessen, man sollte wissen, dass ganz böse Falle lauern, die, wenn sie nicht beachtet werden, mit einer Geld oder Gefängnisstrafe geahndet werden.
Aber dass wäre ein neues Fass.
Und auch hier gilt:
Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.
Stichwort:
Gläubigerbegünstigung, Insolvenzverschleppung:

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#4

Guten Morgen Rita, ich beschäftigte mich seit über 10 Jahre mit dem Thema - gerne können wir uns mal austauschen. Herzliche Grüße aus dem Chiemgau von Berndt


#5

für welchen Zweck?
als WG? Landwirtschaftlicher Betrieb?
Krankenhaus, Altenheim?


#6

Hallo Rita,

ich kopiere hier der Einfachheit halber mal einen Beitrag von mir rein, den ich vor langer Zeit mal geschrieben hab. Der Inhalt hat aber noch Gültigkeit:

Gemeinsam ein Haus bauen und als Genossenschaft firmieren??

Immer wieder liest man von Leuten die ein Gemeinschaftsobjekt als Wohnungsgenossenschaft aufziehen wollen.

In der Gemeinschaft fühl man sich stark und hofft, so etwas auf die Reihe zu bekommen, was man sonst vielleicht nicht hinbekommen würde.

Ich würde vorsichtig sein. Es kann richtig sein sich bei einer Genossenschaft zu beteiligen. Man sollte aber unbedingt auch andere Alternativen abwägen.

Man muss viel diskutieren um zu einem gemeinsamen Plan zu kommen. Es sind Kompromisse nötig. Man lernt seine Mitbewohner kennen und muss heute und in Zukunft mit ihnen klarkommen. Ein Planungsbüro und einen Unternehmer braucht man auch. Ein Vorsitzender der Genossenschaft kann alles regeln. Aber er arbeitet mit anderer Leute Geld. Ein selbständiger Unternehmer rechnet mit seinem Geld und wird öfter mal nachrechnen. In der Regel wird eine Genossenschaft nicht billiger bauen als ein frei finanziertes Unternehmen. Gute Argument, dass es anders ist, haben sie aber oft.

Beim Kauf oder Bau einer Wohnung oder eines Hauses, erwartet die Bank ein Eigenkapital von 25-30%. Bei einer Genossenschaft muss der Betrag als Einlage eingezahlt werden. Bei Eigentum zahlt man anschließen Zinsen und Abtrag an die Bank, bei der Genossenschaft zahlt man Miete an die Genossenschaft.

Bei der Genossenschaft hofft man, dass nach 20-25 Jahren der Kredit abbezahlt ist und sich dann die Miete reduziert. Bei Eigentum wird der Kredit abbezahlt und man hat anschließend den Unterhaltungsaufwand zu leisten.

Der Unterschied zwischen beiden Systemen besteht darin, dass ich bei Eigentum eine Wertsteigerung erwarte, die ich bei einem Verkauf in meine Tasche stecken kann. Bei einer Genossenschaft bekomme ich bei einem Ausscheiden nur den eingezahlten Genossenschaftsanteil zurück.

Das Genossenschaftsgesetz hat strenge Reglungen und der Genossenschaftsverband prüft regelmäßig jede Genossenschaft sehr genau. Das bringt einerseits Sicherheit, verursacht aber auch einen großen Aufwand und Kosten.

Viel Erfolg wünscht
Heinz-Josef


#7

Hallo Heinz-Josef,
alles richtig.

Vielleicht sollte man den Leuten, die eine Genossenschaft gründen wollen auch erklären, dass sie nicht nur mit ihrem ganzen eingezahlten Genossenschaftsanteil haftbar sind und nicht nur für ihre eigenen anteiligen Verbindlichkeiten (Kredite, Schulden) sondern auch für die Schulden der Andern.
Und auch mit ihrem ganzen Vermögen nachschusspflichtig sind.
Z. B.
Kann ein Mitglied der Genossenschaft nicht die z. B. anteilmäßigen 200 TSD Euro, für die Straßensanierung oder Kanalisationsarbeiten zahlen, kann die Stadt auch in jedes Privatvermögen eines Genossenschaftsmitgliedes vollstrecken lassen.
Vereinfacht gesagt:
Wenn meine Ehefrau morgen sich einen Ferrari kauft, kann ich sagen: Dann sehe mal zu wie du ihn bezahlst.
Wenn das Dach des Hauses einer genossenschaftlich verwalteten Immobilie neu gedeckt werden muss, und ein Genossenschaftsmitglied nicht genügend Geld nachschießen kann, muss ich zahlen.

Übriges ist das bei de Genossenschaftsbanken auch so.
Geht die Bank pleite, ist nicht nur mein Anteil weg, sondern ich hafte mit meinem ganzen Vermögen.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#8

Danke erst mal für eure Beiträge. Das hört sich ja alles sehr kompliziert an. So schnell möchte ich meine Idee aber nicht aufgeben. Vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeiten sich zusammen zu schließen und so etwas gemeinschaftlich anzugehen. Beim Genossenschaftsverband wird eine Beratung angeboten, vielleicht sollte ich die erst mal in Anspruch nehmen.


#9

Ich möchte die leer stehenden Häuser in unserem Dorf, gemeinschaftlich besiedeln.


#10

Hallo Rita!

Wie viele seid Ihr denn, die ernsthaftes Interesse an der Sanierung dieser Häuser (Plural?!!!) haben?
Warum der Leerstand, sind die überhaupt verkäuflich, wie hoch ist der Sanierungsaufwand, wie hoch der Kapitalbedarf und das Eigenkapital? Wie groß und wie ausgestattet sollte die entstandene Wohnfläche sein?
Seid Ihr Rentner, oder müßt Ihr Euren Lebensunterhalt noch in dieser Gegend verdienen? (Überall, wo es günstige Häuser gibt, fehlt es an Arbeit.)
Bevor diese Fragen nicht beantwortet sind, braucht man sich über die Gründung einer Genossenschaft keine Gedanken zu machen.

Viel Erfolg!


#11

Hallo Feldlerche,
die Idee ist noch recht neu, es gibt aber viel Resonanz. Als nächstes steht ein Treffen an, um genau diese Dinge zu klären.
Die Häuser von denen ich weiß, liegen so zwischen 15.000 und 50.000 € in der Anschaffung, haben aber sicher einen Sanierungsaufwand, der über der Anschaffung liegt. Es gibt hier die Diakonie als größeren Arbeitgeber in der näheren Umgebung, der auch ständig sucht, Behinderteneinrichtungen und Altenheime, dort arbeite ich auch. Kassel ist ca. 30 km entfernt.


#12

Ja Rita, vielen Dank. Warum muß man denn mit mehreren Häusern anfangen, warum nicht eins nach dem anderen? Als WG Idee anbieten und gemeinsam Zusammenhalt beim Auf und Ausbau?
Ist es in Niedersachsen, da sind eh die meisten Arbeitslosen und schwierig Arbeit zu finden und die Infrastruktur, sprich >Krankenhaus, Ärzte, da sollte ja auch stimmen.


#13

Hallo Rita,

es ehrt dich, dass du dich dafür einsetzt, dass der Ort belebt wird und die leerstehenden Häuser wiederhergerichtet und bewohnt werden.

Was ist aber mit dem Bürgermeister und mit dem Ortsrat?? Das wären die ersten Ansprechpartner etwas in die Wege zu leiten und vielleicht auch öffentliche Töpfe anzuzapfen. Die könnten auch überregional Werbung für ihren Ort machen.

Wenn dann neue Leute ins Dorf kommen werden sie sich die passenden Häuser aussuchen und wiederherrichten. Dafür braucht man nicht den Umweg über eine Genossenschaft.

Anders kann es aussehen wenn die Infrastruktur Defizite aufweist,. Ein Ort braucht einen Lebensmittelladen, möglichst einen Kindergarten und eine Kneipe. Da kann eine Genossenschaft angebracht sein.

Hier ein Beispiel vor Ort, wo die Dorfgemeinschaft eine Genossenschaft gegründet hat um die Kneipe nach dem Tot des Wirtes im Dorf zu erhalten:

Die Dorfbewohner zapfen ihr Bier nicht selber, sondern haben die Kneipe gekauft und sich dann einen Pächter gesucht. Alles ist jetzt abhängig vom Erfolg des Pächters und dem Durst die Dorfbewohner.

Heinz-Josef


#14

Hallo Rita,

Bei Häusern in dieser Preiskategorie ist meist die Sanierung teurer als der Neubau - es sei denn, man ist vom Fach und bereit, über einen langen Zeitraum den größten Teil seiner Freizeit für den Bau zu opfern.
Trotzdem ist der Finanzbedarf groß und nicht immer anfangs überschaubar, alte Häuser bergen oft gemeine Überraschungen. Jedenfalls geht in der Regel ohne Kredit gar nichts. Daneben fällt aber noch die alte Miete an, solange das Haus noch nicht bewohnbar ist und das Selbermachen neben der normalen Berufstätigkeit kann sich arg hinziehen - ich weiß, wovon ich rede.

Letztendlich sind kirchliche Arbeitgeber für ihren Geiz bekannt, mit Einkommen knapp über dem Pfändungsfreibetrag bekommt niemand einen Kredit.

Liebe Rita, ich will Dich nur vor existenziellen Irrtümern warnen! Eine Freundin ist vor kurzem mit der Übernahme einer Pension gewaltig auf die Nase gefallen - ich hätte mir sehr gewünscht, wenn ich mit meinen schwarzen Aussichten für ihr Vorhaben unrecht gehabt hätte. Für neue Ersparnisse ist sie zu alt.

Bei einer Gemeinschaft - egal in welcher Rechtsform - bringt sich nicht jeder mit der gleichen Energie ein, anfängliche Begeisterung kann leicht zur Gleichgültigkeit und auch zum Ausstieg führen. Das muß nicht einmal Streit sein, ein Arbeitsangebot oder Partnerschaft an einem weiter entfernten Ort genügen schon.
Dann muß der Rest der Gemeinschaft diesen Anteil mittragen.

Die jungen Leute haben jetzt fast alle befristete Arbeitsverträge, damit kann man sein Leben nicht langfristig planen. Der Fachkräftemangel ist nur ein Märchen - oder warum bekommen Pflegekräfte einen so kleinen Anteil an den Einnahmen ihrer Arbeitgeber, daß es nicht zum Leben reicht?

Den Besitzern und letzten Bewohnern jener leerstehenden Häuser - ich meine damit nicht Erben, die dazu keine Beziehung haben - ist deren Verfall sicher nicht gleichgültig und ich unterstelle denen mal, sich um eine weitere Nutzung bemüht zu haben. Es wird Gründe gegeben haben, weshalb das nicht gelungen ist.

Also prüfe genau und mache Dich umfassend schlau, bevor Du Dich in ein heikles Abenteuer stürzt.

Gruß aus dem Fichtelgebirge


#15

Hallo Antje,

ich bin mir all dieser Dinge bewusst. Man muss schon einigen Intusiassmus mitbringen und Fachwerkhäuser lieben. Ich wohne jetzt ca. 4 Jahren in diesem Fachwerkhaus, was teilweise immernoch Baustelle ist und arbeite fast jeden Tag, nach meiner Arbeit, an diesem Haus und in meinem Garten. Trotzdem liebe ich es und möchte nicht mehr anders leben. Wenn ich im Sommer in meinem Haus nicht schwitze und immer ein angenehmes Raumklima habe und mich aus meinem Garten, wenigens zum Teil, ernähren kann, dann weiß ich, wofür ich das mache. Ich hab nur keine Lust mehr alles allein zu machen. Ich will in diesem Haus und mit dem großen Garten nicht alleine alt werden. Ich würde auch mein handwerkliches, biogärtnerisches und sonstiges Wissen gerne weitergeben. Vielleicht findet sich ja auch eine andere Form für diese Gemeinschaft, als eine Genossenschaft. Es gibt ja vielleicht noch andere, die das auch so empfinden.

Gruß Rita


#16

Liebe Rita,

da haben wir einiges gemeinsam, auch ich habe seit fast vier Jahren Baustelle, das Haus war von Anfang an als Renter-WG geplant, wäre allein auch viel zu groß. Nun leben wir hier zu dritt und suchen noch weitere Leute, derzeit gibt es viel Resonanz, mal sehen, was daraus wird. Die Kontakte kosten auch viel Zeit und oft gibt es dann doch einen Rückzieher, weil es doch eine Menge Mut erfordert, sein Leben so total zu ändern.
Reinfälle gibt es auch, so mancher will seinen Egoismus auf unsere Kosten ausleben.

Da, wo andere Unkraut zupfen, mußte hier erst einmal die Kettensäge ran, für den Gemüseanbau ist der Boden, Klima und Lage nicht unbedingt geeignet. Wir sind auch äußerst steinreich. Zeit und Kraft reichen dafür nicht aus. Ansonsten verstehe ich vom Gartenbau schon eine Menge, kann aber auch den Aufwand einschätzen. So langsam wird das Grundstück gartenähnlicher. Gern hätte ich zumindest Hühner, es gibt aber Wichtigeres als Stallbau - vielleicht findet sich mal ein Mitbewohner, der da mitmacht.

Bei der ganzen Arbeit, die man sich macht, ist aber eines wesentlich: Man erreicht eine ungemeine Befriedigung an dem Fortschritt, den man aus eigener Kraft erreicht! Aber wenn man bei der Arbeit immer nur allein ist, sind die Schritte klein und irgendwann ist die Luft raus und die Energie läßt nach. Besonders nach einer Schicht im Altenheim, das ist an sich schon belastend durch den Zeitdruck und die Gewißheit, daß man die alten Leute trotzdem nur notdürftig versorgen kann.

Für alte - und neue - Fachwerkhäuser kann ich mich auch begeistern, das ist aber in meiner Gegend selten. Ich kann schon froh sein, daß dieses Haus niemand mit den hierweit verbreiteten Asbestschindeln verkleidet hat.

Vielleicht findest Du die richtigen Mitstreiter. Man könnte auch die Gründung eines Vereins in Erwägung ziehen, das ist zumindest nicht so kostenaufwändig wie eine Genossenschaft.

Ich wünsch Dir viel Glück dabei!

Gruß

Antje