Gewerbliche Angebote


#1

Ich möchte anregen, gewerbliche Angebote von privaten zu trennen.
Leider ist es nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, WER da eine WG-Möglichkeit anbietet.
Am besten die gewerblichen Anbieter kostenpflichtig und die eindeutig privaten dafür kostenfrei wie bisher.
Nicht alle Menschen sind in der Lage, in ein Geschäftsmodell zu investieren oder wollen sich auch gar nicht für alle Ewigkeit festlegen, sondern suchen NUR eine bereichernde Variante für “Wohnen mit Gleichgesinnten”.
Erfahrungsgemäß ist es sehr schwer bis unmöglich, aus gewerblichen Modellen später wieder auszusteigen, wenn sich die Bedürfnisse ändern. Eine gründliche Prüfung vorab ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Und den Gewerbe-Anbietern empfehle ich, nicht nur den Profit im Auge zu behalten, sondern auch über den Tellerrand hinaus die verschiedenen Bedürfnisse der späteren Bewohner mehr zu berücksichtigen. Auch unterschiedliche Bedürfnisse. Unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse. So wird ein Schuh daraus, der sinnvoll ist und am Ende auch erfolgreicher sein wird, als diejenigen, die nur auf schnelle Abschlüsse spekulieren…
Oft ist nur der Tod die letzte Exit-Möglichkeit.


#2

PS an Gewerbetreibende, Investoren etc.:
als ehemalige “Fachfrau für Wohnen und Wohnprojekte” stehe ich gerne als eine Art Beirat zur Verfügung unter Berücksichtigung aller damit evtl. verbundenen Gesetze und Regeln.
Das Angebot gilt auch für Privatleute, die investieren können und wollen!


#3

Hallo @E-Rena,

vielen Dank für die Anregung. Bei der neuen Webseite wird es langfristig auf jeden Fall eine Kennzeichnung von gewerblichen Anbietern geben.
Würden für dich darunter auch Angebote bzw. Initiativen von Genossenschaften darunter fallen?

Viele Grüße,
@FelixHerzog


#4

Hallo Felix Herzog,

das wird sicher nicht immer ganz leicht zu unterscheiden sein, ob es sich um gewerbliche oder private Angebote handelt.

Ja, unter Umständen betrachte ich Initiativen für Genossenschaften auch als gewerblich, kommt im Einzelfall auf die vertragliche Grundlage an. Entscheidend sollte m.E. sein, ob eine deutlich zu erkennende Gewinnabsicht vorliegt, z.B. indem ein Investor, ein Bauträger, eine Baubetreuung etc. eingebunden sind bzw werden sollen
Auch Aktionen einzelner Immobilienbesitzer, die mehr als eine einzelne Wohnung/ein einzelnes Haus besitzen und diesen Besitz vermarkten wollen um daran zu verdienen, betrachte ich als gewerblich im Sinne von Gewinnabsicht.
Solche Konstrukte lassen sich in einem hübschen Mäntelchen der vermeintlichen Wohltätigkeit gut vermitteln und verkaufen, wenn es geschickt gemacht wird, dahinter steckt jedoch eindeutig etwas ganz anderes, nämlich gutsituierten älteren Menschen eine Idee zu verkaufen um daran zu verdienen.

Ist ja nicht ungesetzlich, nur sollte es eben als das gekennzeichnet sein, was es tatsächlich ist, damit nicht am Ende die Enttäuschung groß ist für die, die von einer echten privaten Mitwohngelegenheit ausgehen.

Eindeutig privat sind Angebote, wenn Eigentümer einer selbst genutzen Wohnimmobilie Mitbewohner suchen, nicht ausschließlich zum Zweck der Kostenteilung und -minimierung.

Auch eine Genossenschaft kann theoretisch eine reine Privat-Initiative sein, aber das setzt in der Regel viel Fach- und Sachverstand voraus und zunächst müssten sich Menschen zusammen finden, die an einer solchen Idee interessiert sind und Zeit und Geld investieren können.
Man muss davon ausgehen, dass es lange dauern wird, bis eine solche Idee realisiert werden kann und wird. Einzelne Interessierte brauchen ein “langen Atem”.


#5

Wo fangen denn die gewerblichen Anzeigen an?
Wenn Jemand der z. B. Ferienwohnungen vermietet das gewerblich macht?
In Deutschland müssen auch Vermieter die an Feriengäste vermieten, das Gewerbe anmelden.
Vermieter die in Spanien bis zu 3 Ferienwohnungen auf dem Land vermieten, müssen und können kein Gewerbe anmelden.
Ist die Grenze die Gewerbeanmeldung, die für die Vermietung notwendig ist?

Viele Grüße
H. J. Weber


#6

Hallo,
die “Grenze” ist in meinen Augen die Gewinnabsicht bzw. die Absicht, mehr als eine selbst genutzte Wohnung oder Haus als Kapitalvermehrungsanlage zu betrachten.
So sehe ich es.

“Nicht gewerblich” hingegen ist eindeutig zu definieren:
Jemand lebt in einem Haus oder einer Wohnung und hat Platz genug bzw. sogar zu viel Platz für WG Partner und auch Interesse daran, interessante andere Menschen kennen zu lernen. Die zusätzliche Einnahme ist ein Zusatznutzen, nicht die Hauptsache.

Wie auch schon gesagt, hochwertigen Wohnraum im Luxusbereich gibt es genug und wird es immer weiter geben. Menschen, die weniger besitzen, gibt es leider auch sehr viele, und deswegen sind andere neue Wohnformen im Kommen und sollten m.E. gefördert werden.
Ich sag es mal so: Empathie und Menschlichkeit anstatt der Wunsch nach mehr Geld sollte m.E. das Kriterium sein, um zu unterscheiden.

Man könnte ja auch zwei “Abteilungen” einrichten, dann käme jeder zu seinem Recht und wer eine Gewerbeanmeldung braucht, wird, denke ich, auch eine kleine Gebühr entrichten können. Vielleicht nach Anzahl der Wohneinheiten oder nach der Höhe der Mieteinnahme.

sonnige Grüße


#7

Hallo E-Rena,
wäre da die nachfolgende Abgrenzung nicht handhabbarer?
Wer mit Gewinnabsichten vermietet, also einen Überschuss zu seinen Kosten wie:
Anteilige Grundsteuer, Müllabfuhr, Wasserrechnung, Stromrechnung, Abwasserrechnung, Rückstellungen für Reparaturen, Anliegerkosten z. B. Straßenbau, Gewässerschutzabgaben, usw. erzielt, gilt als gewerblich.
Wer keinen Gewinn erzielt, also seine Kosten nicht umlegt, und den Bewohnern die Kosten schenkt, bzw. nur seine tatsächlichen Aufwendungen weiter gibt, gilt nicht als gewerblich.

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber


#8

Trennung privat/gewerblich finde ich auch sinnvoll, Eure juristische Fein-Differenzierung allerdings etwas „akademisch“. Schlage als einfache Lösung vor, eine Eingabemaske zu bauen, die Inserenten ausfüllen müssen, durchaus mit sog. Pflichtfeldern wie Angebot/Gesuch, w/m, Alter, Region und eben auch privat/gewerblich. Wenn dann ein Interessent auf eine „verdeckt gewerbliche“ Anzeige stößt, mag er das dem Webmaster Felix Herzog melden und der versetzt die Annonce in die richtige Rubrik, nimmt evtl. Rücksprache mit den Inserenten, womöglich zeigt er den “Schlaumeiern” auch die „gelbe Karte“. Nebennutzen der Eingabemaske wäre, dass die wesentlichen Angaben zur Person schon mal da wären, das wird ja vielfach leider offenbar schlicht vergessen(?).


#9

Hallo Simplicissimus,
welches Recht eines Staates soll da zugrunde gelegt werden?
Wer z. B. in Deutschland eine Ferienwohnung anbietet, muss das Gewerbe anmelden und ist mehrwertsteuerpflichtig.
Wer das selbe in Spanien macht, muss kein Gewerbe anmelden.
In Deine vorgeschlagene Eingabemaske müsste der Vermieter einer Ferienwohnung in Deutschland eintragen "gewerblich"
und wenn er das selbe in Spanien anbietet “privat”.
Und das ist keine juristische Fein-Differenzierung, sondern fundamentales Steuerrecht der einzelnen Länder.
Würde Herr Herzog Angaben nachprüfen, dann könnte der deutsche Vermieter anhand einer Gewerbeanmeldung nachweisen, dass er gewerblich vermietet.
Der spanische Vermieter könnte aber nicht nachweisen, dass er kein Gewerbe betreibt, sondern die Vermietungen privat ist,
denn eine Nichtanmeldebescheinigung für ein Gewerbe gibt es nicht.
Und jetzt kenne ich nur das spezielle Recht für Spanien und Deutschland.
Wie ist es in anderen EU-Ländern
Alleine unter der Rubrik “WGs im Ausland” stehen 25 Länder.
Wie unterschiedlich die Gesetzgebung in den einzelnen Ländern ist, sieht man schon daran, dass alleine nur die Frage: Geht es auch ohne Mehrwertsteuer?
In Deutschland wegen Aufforderung zur Mehrwertsteuerbetruges bis zu 1 Jahr Haft bedeuten kann.
In Spanien jeder Gast (selbst von Angestellten) gefragt wird, denn es nur eine Ordnungswidrigkeit ist, wie falsch parken.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut J. Weber


#10

Hallo allerseits,

vielen Dank für die zahlreichen Anregungen.
Bei der Neuentwicklung der Seite werde ich mich an den Anregungen von @Simplicissimus im Beitrag Nr. 8 orientieren. Auf große rechtliche Auslegungen und Überprüfungen werde ich verzichten, da der Aufwand auch der Sache nicht gerecht werden würde. Am Ende geht es darum sich im neuen Wohnumfeld wohlzufühlen, egal ob es eine rein private Untermiete ist oder ein Wohnprojekt oder eine Senioren-WG gewerblich betrieben wird.

Viele Grüße
@FelixHerzog


#11

Hallo Helmut J. Weber,
späte Antwort, aber hier ist sie: nein, Deinen Vorschlag mit der Überschussrechnung finde ich nicht besser, weil es keine große Kunst ist, eine solche Rechnung zu manipulieren. Damit will ich natürlich niemandem etwas unterstellen, den ich nicht kenne. Ich finde einfach, dass man es schon auf den ersten Blick sehen sollte, um welches Angebot es sich handelt, um sich eine Menge Schreiberei zu ersparen und vergebliche Hoffnungen zu vermeiden.

Danke Simplicissimus für die Anregung und Felix Herzog für die Mühe, die eine neue Maske zweifellos machen wird. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, von vornherein anzugeben, ob es sich um eine bereits vorhandene Immobilie handelt (die der Anbieter evt. selbst bereits bewohnt oder gerade erwerben bzw. anmieten möchte, oder um ein Neubau- bzw. Umbauprokekt, das für mehr als eine oder zwei weitere Personen bzw Parteien konzipiert wird/werden soll.

Außerdem halte ich es für sinnvoll anzugeben, ob Küche/Bad und evtl. Wohnbereich zur gemeinschaftlichen Nutzung vorgesehen ist, oder ob komplette einzelne “Apartments” vorgesehen sind. Auch daran sollte man normalerweise erkennen können, ob es sich um eine Privatinitiative oder um eine gewerbliche mit der Absicht auf Gewinn in jedweder Form handelt. Kostendeckung für einen Investor bei einem größeren Projekt würde ich ebenfalls als gewerblich einstufen.

Erachtens ist es zielführender, von Beginn an sowohl bei Angeboten als auch bei Nachfragen sowiel Klartext wie möglich zu verwenden; dann wird auch die Seite insgesamt am Ende noch erfolgreicher sein.

LG von der Insel Kreta
E-Rena


#12

Hallo E-Rena.
Du schreibst:
…Kostendeckung für einen Investor bei einem größeren Projekt, würde ich ebenfalls als gewerblich einstufen…
Ich denke, es wird wohl kaum Jemand sein Vermögen, seine privaten Ersparnisse oder seine Rente dafür investieren, dass er die nicht gedeckten Kosten, die bei einer WG (gleich welcher Art entstehen) subventioniert.
Das macht noch nicht einmal die Caritas oder das Rote Kreuz oder eine Stiftung.
Selbst wenn ein Millionär aus reiner Begeisterung für eine WG eine dicke Spende vorschießt, muss ein Konzept erarbeitet werden, wie die WG kostendeckend finanziert wird und Rücklagen erwirtschaftet.
Denn spätestens wenn die Stromrechnung, die Wasserrechnung, die Grundsteuer, die Gebäudeversicherung, die Hausratversicherung, usw. nicht mehr bezahlt werden können, wird es lange Gesicherter geben, bei einer Stromabschaltung oder wenn der Gerichtsvollziehen die Grundsteuer pfändet.
Und es sollte sich bei einer WG jeder darüber im klaren sein: Entweder ist Er/Sie rechtloses und nur geduldetes Mitglied, das jederzeit vor die Tür gesetzt werden kann, oder vollwertiges Mitglied mit Vertrag usw.
Aber bei Letzterem ist das vollwertige Mitglied auch mit dem gesamten Ersparten, Vermögen und Einkommen für die Schulden der gesamten WG haftbar.
Auch kann ein vollwertiges Mitglied einer WG, die ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen kann, dazu gezwungen werden, die eidesstattliche Versicherung darüber abzulegen, dass es nicht über Vermögen verfügt.
Der Schuldner (wie z. B. der Stromlieferant) kann sich wählen welches Konto eines WG- Mitglieds er pfänden will, wenn Rechnungen offen stehen.
Und das gepfändete WG-Mitglied, muss dann sehen, wie es das Geld von den Mitbewohnern wieder bekommt.
Andererseits werden Deine Mitbewohner sicherlich erfreut sein, wenn Du Deine Ersparnisse aus den gleichen karikativen Zwecken selbstlos in die WG investierst, wie Du das von dem Gründer einer WG erwartest, die nicht kostendeckend agieren sollte.
Ich jedenfalls würde mich in einer WG wohler fühlen, die einen Kostenplan erstellt hat, bei dem am Ende eines Jahres noch etwas über bleibt, das dann als Rücklage (z. B. bei einer Nachzahlung für Wasser oder /und Strom) genutzt werden kann.
Der Traum in einer WG zu wohnen, bei der der Inverstor (egal ob gewerblich oder privat) Geld dabei tut, damit die Mitglieder günstig wohnen können, wir nicht funktionieren.
Wer das versucht zu finden, wird immer auf der Suche bleiben.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut J. Weber


#13

Hallo E-Rena,
das hatte ich noch vergessen.
Mein ganzes Leben habe ich darauf geachtet, dass ich immer nachfolgende (unten angehängte Zeilen) im Kopf hatte, wenn ich vor einer Entscheidung stand.
Egal ob es ein Telefonvertrag war oder ein Grundstückskauf in Spanien.
Es hat funktioniert.
Meine liebe Frau und ich leben heute in sehr gesicherten Verhältnissen, seit etwa 20 Jahren, in Südspanien.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut J. Weber

_Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, _
das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte,
und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.
Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.
Wenn Sie zu viel zahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles.
Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.
_Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. _
Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.
John Ruskin 1819 - 1900


#14

Hallo HelmutJosefWeber,

mir sind alle diese Argumente natürlich nicht unbekannt und ich plädiere auch keineswegs dafür, dass ein “Investor” seine Kohle aus caritativen Gründen ausgibt, ohne auf Kostendeckung zu achten.
Die Sache mit der Kostendeckung, die selbstverständlich angebracht und notwendig ist, ist zugleich ein perfektes Instrument, um versteckte Gewinne oder geldwerte Vorteile zu kaschieren und Preise in die Höhe zu treiben.

Ich kenne die gängigen Zitate und Sprüche zum Thema “zu viel oder zu wenig ausgeben” und bin nicht selten gleicher Meinung.
Trotzdem sehe ich klar den Unterschied zwischen den Ansätzen “Geld vermehren wollen” und “Wohnraum teilen wollen” als humanitären Ansatz.
Es liegt mir sehr fern, vernünftige wirtschaftliche Interessen zu verteufeln; ich möchte sie nur gerne zweifelsfrei unterscheiden können von anderen Lösungsansätzen zum Themenbereich Wohngemeinschaften.

Das Gesetz der Wirtschaft und des Marktes hat die Menschheit im Laufe der Zeit immer wieder an einen Abgrund gebracht, an dem ein Absturz die logische Folge war.

Bei allem Respekt; es gibt jede Menge Menschen, die trotz beachtlicher Lebensleistung nicht die gleichen Chancen hatten und sich nicht mehr wünschen, als ein Minimum an Lebensqualität und ein wenig Teilhabe.
Da waren vielleicht alle klugen Gesetze des Marktes und der Wirtschaft aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar. Wenn ein solcher Mensch eine WG sucht, um in einer Gemeinschaft zu leben, ist das nicht das Gleiche, wie ein anderer Mensch mit entsprechenden Mitteln einen Anteil einer auf Erfolg angelegten Konzeption erwirbt.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, bin keine Kommunistin, aber frage mal so in die Runde:
wie unendlich kann die Vermehrung des Geldes (auch die verdiente) und das Wachstum der Wirtschaft weltweit sein?
So unendlich wie das berühmte Universum àla Einstein?

Grüße aus dem östlichen Mittelmeer
E-Rena


#15

Hallo E-Rena,
zu Deiner Frage: …wie unendlich kann die Vermehrung des Geldes (auch die verdiente) und das Wachstum der Wirtschaft weltweit sein?
Antwort:
Auch langfristig werden wir mit der Vermehrung des Geldes auf der Welt nicht so schnell an die Grenzen kommen.
Alleine Afrika oder Südamerika auf das Niveau eines deutschen Sozialhilfeempfängers zu bringen, wird noch hunderte von Billionen Euro kosten.
Ich meine damit nicht das Geld drucken und verschenken, sondern auch die ganzen Infrastruktur aufzubauen, wie Straßen, Telefonnetze, eine funktionierende Verwaltung.
Eine Industrie und eine Landwirtschaft, damit diese Bevölkerung sich selbst versorgen kann, ein Gesundheitswesen usw. usw.
Und das für Milliarden von Menschen, so wie es in Europa die letzten etwa 200 Jahre geschehen ist.
Hier in Europa, speziell in Deutschland, kennen ich die Verhältnisse besonders gut, sind wir an einen Punkt angekommen, wo der tiefste soziale Fall auf einem Niveau aufgefangen wird, wie vor 200 Jahren die Fürsten lebten.
Nun werden Viele sagen: Der Mann hat doch überhaupt keine Ahnung.
Doch- habe ich, denn meine Tochter ist seit 20 Jahren voll erwerbsunfähig und bekommt neben ihrer Erwerbsunfähigkeitsrente die aufgestockte Grundsicherung.
Alles das, was meine Tochter heute selbstverständlich durch den deutschen Staat garantiert bekommt, hatten vor etwa 200 Jahren nur die Fürsten.
Die gesundheitliche Versorgung ist gegenüber vor 200 Jahren sogar gigantisch.
Auch die Sicherheit, denn zu dieser Zeit starb noch ca. jeder 6. durch Gewalttaten.
Oder anders herum.
Meine Tochter wohnt in einer eigenen Wohnung, und erhält durch die Grundsicherung mehr an ihr zur Verfügung stehenden Mittel, als ein Kassiererin bei LIDL, die 45 Jahre von ihren etwa 2.500,00 Euro Gehalt in die Rentenkasse eingezahlt hat und dann Rente erhalten wird.
Zusammenfassend zu Deiner Frage:
Es wird nie genug Geld da sein und es werden auch noch hunderte von Jahre vergehen, bevor die Milliarden Menschen auf dieser Welt dort angekommen sind, dass sie eine warme Wohnung garantiert bekommen, genug zu essen haben und eine gesundheitliche Grundversorgung.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut J. Weber


#16

meine Frage war eigentlich nur eine rhetorische; ein soo großes Fass wollte ich damit nicht aufmachen!:rofl:
Wie auch immer; ich bleibe dabei: Wachstum um jeden Preis, weil der globale Markt ja noch vieles bieten kann in den nächsten Jahrzehnten, wird es nur auf Kosten eines steigenden Ungleichgewichts geben, nur dass dieses sich dann auch nicht mehr innerhalb der einzelnen Ländergrenzen auswirkt, sondern auch global.
Mehr Verteilungsgerechtigkeit weltweit würde es nicht geben, wenn es darauf hinauslaufen sollte, neue Märkte zu generieren, um jeden Preis. Viele werden dabei auf der Strecke bleiben, wie auch heute schon.

Noch etwas: ich plädiere auch keineswegs für Altruismus; mir läge nur daran, dass die Chancenverteilung gleicher wird als sie jetzt ist. Den Menschen, die jetzt schon benachteiligt sind trotz Leistung, werden Investitionen in hochwertige Wohnprojekte auf hohem Niveau wenig nützen, wenn sie überwiegend der Geldvermehrungsabsicht dienen sollen.,

Visionen wie weltweite Gleichheit für alle bleiben für sehr lange Zeit unrealisierbar; man sollte mit kleinen und nahe liegenden Schritten heute beginnen, soll heißen, jetzt schon den bisher Benachteiligten ein wenig mehr an Teilhabe zugestehen. Leider ist das aber nicht im Sinne der allseits gepriesenen Wachstumspolitik.

Die Herausforderung und Verantwortung sehe ich in der Politik, nicht bei einzelnen Initiatoren, deren Motive ich durchaus zum Teil nachvollziehen kann.

Also bitte nicht vermischen: private WG’s und mehr oder weniger gewerblich orientierte Konzepte!

Allen Mit-Lesern einen schönen Sonntag, überall!
E-Rena


#17

Werter Helmut J. Weber,

Glückwunsch zu Deinen Rechts-Kenntnissen – na und? Dann ließe mein EINFACHER Vorschlag eben eine Lücke für den Spezialfall Spananien, und wenn wir zwei dann eine „perfekte“ Lösung für beide Fälle schrauben, gibt es womöglich noch den Sonderfall irgeneiner Wallachei, wo alles ganz anders ist . . . oder stellen wir uns vor, in Transsylvanien bietet der Vampyr Senioren-WG für alte Damen an, was dann? Eben deshalb rate ich ab vom „akademischen“ Ehrgeiz, die Welt insgesamt sauber und korrekt zu machen – wieviele Fälle von andalusischen Angeboten wird es wohl geben??? Einfach Lösungen sind schnell gemacht und vor allem für die Anwender verständlich und damit nutzbar, Prinzip KISS, keep it simple stupid! Juristische Kuriositäten finden wir immer und überall: es ist wohl nur wenigen bekannt, daß das deutsche Strafrecht Kannibalismus nicht verbietet, der Tatbestand kommt nicht vor, daschauher! Ist zum Glück nicht unser Problem bei PLUSWG (bisher).
Gruß nach Spanien, solange es noch in gewohnter Form besteht
Simplicissimus


#18

Hallo Simplicissimus,
ja- es gibt schon einige Dinge in Spanien die aus der Rolle fallen; z. B. ist Fahrerflucht nur strafbar, wenn der Schaden über 60.000,00 Euro liegt, sonst ist es noch nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit, sondern eben gar nichts.
Und Steuerhinterziehung bis 100.000,00 Euro im Jahr ist auch nicht strafbar, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit, wie falsch parken.
Ja- und noch so andere Dinge.
Hier, wo wir “am Ende der Welt” wohnen, ist außerdem noch so ein wenig “Wilder Westen”.
Die Pferde laufen frei über die Straße und auch oft Hausschweine.
Aber wir haben uns ja dieses Fleckchen Erde bewusst ausgesucht.
Nette Nachbarn und man hilft sich immer gegenseitig.
Es reicht uns wenn wir in ca. 14 km Entfernung die Smogglocke von Málaga sehen und deshalb oft das Meer nicht sehen können; da liebe ich doch mehr die Bergluft die aus dem Torcalgebirge kommt.
In Deutschland müssen Leute die ihre Wohnung vermieten ja auch kein Gewerbe anmelden, nur eben wenn es um Kurzzeitvermietung geht;
was nun in einigen deutschen Städten generell verboten ist.
Naja- alles was nicht gesetzlich verboten ist, ist eben erlaubt.
Da Selbstmord z. B. nicht verboten und daher nicht strafbar ist, ist auch die Beihilfe und selbst die Aufforderung dazu nicht verboten und somit auch nicht strafbar.
Den “Giftbecher” darf man reichen, nur trinken muss der Selbstmörder ihn selber.
Mich hat immer gewundert, dass in diesem Forum so viele Leute eine WG aufmachen wollen oder suchen, aber so richtig scheint wohl alles nicht zu klappen.
Es ist viel Theorie oft dabei, die aber nach genauerem Hinsehen auf tönernen Füßen steht.
Ich weiß wovon ich rede, denn meine liebe Frau und ich sind vor fasst 20 Jahren nach Spanien gegangen und haben hierauf etwa 30.000 qm ein kleines Paradies aufgebaut.
Und wir haben hier selber jeden Stein mehrmals in der Hand gehabt und etwa 9 Jahre gebaut, alles ohne eine einzige Firma, das ganze Wohnhaus nur aus Natursteinen, eine sehr große Poolanlage und zwei Ferienwohnungen.
Jetzt genießen wir die Jahre die uns noch bleiben, aber die Zeit des Aufbaus war doch die schönste Zeit.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut


#19

Hola, das spanische Finanzamt ahndet Steuersünder genauso wie in D! Wer in Spanien Einkünfte durch Vermietung erhält, hat auch die entsperechende Steuer abzuführen. Auf den Kanaren sind es 7% IGIC.
Eine Ordnungswidrigkeit ist dies auch in Spanien nicht mehr, sondern man bekommt eine fette Multa, wenn man erwischt oder von einem netten Nachbarn angezeigt wird. Dann wird geschätzt wie hoch möglicherweise der Schaden für den Staat sein könnte- und das ist bitter.
Diese “traumhaften” Darstellungengen sind von vor Jahren, aber schon lange obsolet. Der spanische Staat weiß inzwischen sehr genau wie er sein Defizit herunterfahren kann.:face_with_monocle:


#20

Hallo Canarias,
ja-- eine Multa, und auch eine fette, aber es wird nicht strafrechtlich verfolgt.
So wie in der Schweiz.
In Deutschland z. B. kann alleine die Frage: Können wir das auch ohne Mehrwertsteuer abrechnen, bis zu einem Jahr Gefängnis einbringen.
Wenn ich richtig informiert bin, ist es in Spanien bis 100TSD im Jahr eine Ordnungswidrigkeit; die natürlich Haus und Hof kosten kann, wenn man erwischt wird.

Viele Grüße aus Andalusien
Helmut F.