Erst muss der Betrieb laufen, dann kommt die Gemeinschaft


#1

Seit einem Jahr wohne ich innerhalb einer “Gemeinschaft” draußen im Grünen mit sehr viel Gelände und einem Hotelbetrieb. Das Gelände mit Häusern und Hallen bietet viel Platz für kreative Menschen, Werkstätten, Wohnmöglichkeiten. Leider sind die 20 Personen, die in den letzten 3 Jahren hier waren alle wieder weg.

Es kam zu starken Konflikten mit dem Initiator, der das Gelände gekauft hat. Es muss alles genau nach seinen Plänen erfolgen, von gemeinsamen Entscheidungen keine Spur. In diesem Jahr habe ich mit vielen Menschen über ihre Erfahrungen mit WGs gesprochen und immer wieder tauchte dasselbe Problem auf:

ein Mann (Frauen waren nicht vertreten) kaufte ein riesiges Gelände, meist, weil es günstig zu erstehen war. Dann wurde eine Gemeinschaft mit 40 - 100 Personen angestrebt, die die umfangreichen Sanierungen und Geländegestaltungen dort vornehmen soll. Natürlich sollen diese Menschen auch noch größere Beträge in eine Gemeinschaftskasse zahlen, damit sie mitbestimmen können.

Vor lauter Arbeit fallen die Leute, die sich am Projekt abrackern, abends todmüde ins Bett, keine Zeit für Gemeinschaftsbildung. Die Einstellung ist: s.o. “Erst muss der Betrieb laufen, dann kann man sich um die Gemeinschaft kümmern”. Diesen Satz habe ich aus einem Film über eine Gemeinschaft in Hessen und denke, er trifft den Kern des Problems gut.

Besonders prekär wird die Lage, wenn der Initiator als Einziger die Geldmittel hat und ganz alleine entscheidet, was Sinn macht. Bei uns wird z.B. sehr, sehr viel diskutiert, so dass man das Gefühl bekommt, man sei an Entscheidungen über die Zukunft der Gemeinschaft und der Verwendung des Geländes beteiligt. Tatsächlich dienen die Diskussionsbeiträge lediglich der Meinungsbildung des Initiators. Er entscheidet alleine was passiert. Leider ist sein Erfahrungshorizont begrenzt und was er sich nicht vorstellen kann wird abgeschmettert. Gleichzeitig ist es natürlich sein Projekt, seine Vision und man sagt sich resigniert: “Dann hat er wohl auch das Recht dazu.”

Egal, wie die Vision ist, die verkauft wird (ökologisch, wertschätzend usw.), in erster Linie wird danach entschieden, was jetzt Geld in die Kasse bringt. Das ist ziemlich schlimm, wenn man seinen Lebensmittelpunkt in eine solche Gemeinschaft verlegt hat. Auch fehlt völlig der Wille zur Selbstreflexion.

Auch das logisch, der Initiator hat eine Vision. Alle die in die Gemeinschaft kommen, teilen diese Vision, sonst wären sie nicht gekommen. Wenn die Vision nicht umgesetzt wird, sondern erst irgendwann in der Zukunft umgesetzt werden soll, ziehen die Menschen enttäuscht wieder ab. Der Initiator meint schlicht, dann waren es eben die falschen Menschen.

Das ist meine persönliche Erfahrung aus diesem Projekt, ich habe aber mit einigen Interessenten hier am Platz und Menschen, die nach einer Gemeinschaft suchen gesprochen. Es scheint überall dasselbe zu sein. Das Fazit ist ganz platt gesagt: Vorsicht, wenn ein Mann die Macht in Händen hält.

Wer hat ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht?


#2

Hallo Tinka ich bin schon ein erfahrener Wohnprojektler und teile Deine Eindrücke.
Erst muss die Gemeinschaft stimmen dann ist der Ort egal.Vorsicht vor Leuten die sich einkaufen.Meistens sind es Egomanen die sich schwer in eine Gemeinschaft einfügen bis gar nicht und der Gruppe viel Energie rauben.
Erst ein langsames gesundes lernen und aneinander wachsen begünstigt auch ein wertschätzendes Zusammen Leben.
Marion


#3

Hallo Tinka,
meinst Du Deinen letzten Satz mit Betonung auf “Mann”? Dann stimme ich nicht zu. Bei einer Frau kann das Gleiche passieren.
Oder ging es Dir um die Betonung auf “einem” Mann, einem einzigen Menschen, der das Sagen hat? Ja, das ist leider so: auch in sogenannten sozialen Projekten werden Menschen als Statisten gebraucht. Eigene Vorstellungen sind selten gefragt.
Mir persönlich sind nach reiflichen Überlegungen Projekte suspekt, an dem sich mehr als sagen wir mal 4 Personen beteiligen sollen.
Meistens laufen solche Großprojekte darauf hinaus, dass einer oder mehrere verdienen möchten. Die beteiligten Menschen sind nur Staffage in einem an Profit orientierem Projekt.
Einerseits verständlich, andererseits aber eben auch nicht nur unsozial, sondern geradezu unmenschlich. Ich wünsche jedem, er möge es von vornherein richtig einordnen können, was da im konkreten Fall abgeht.

Bei bis zu 4 Personen, um bei diesem Beispiel zu bleiben, muss das nicht zwangsläufig anders sein, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich größer, die Integrität von wenigen Menschen richtig zu beurteilen als von vielen bzw. von einem, der das Sagen hat.

Falsche Menschen? Hallo? Hat nicht jeder Mensch das Bedürfnis, anerkannt und angenommen zu werden? Da es aber immer auch Menschen geben wird, die glauben, sie hätten das Recht dazu, sich selbst über andere zu stellen, wird es auch zukünftig Ausbeutung in allen möglichen Facetten geben. Traurig aber wahr.


#4

Schon mehr als 30 Jahre ist es her dass in unserer Firma sich Gedanken gemacht wurden wie Mitarbeiter zufriedener werden und Spass bei und mit der Arbeit haben. Die ,Lernstatt, wurde geboren und mein Kollege und ich waren Moderatoren. Das erste Ergebnis war Information. Dafür gibt es eine Hol- und eine Bringpflicht wurde festgestellt. Unsere Gruppe bestand aus ca 5 Mitarbeitern aus 2 unterschiedlichen Meistereien und uns beiden Moderatoren. Als Hilfsmittel kamen Flipcharts , Stifte und Kärtchen zur Verwendung. Es war eine offene, angeregte und freie Meinungsäußerung ohne Zwänge. Meine Meinung zur Bildung guter Gemeinschaften muß eine offene und wertefreie Meinungsäußerung Grundvoraussetzung sein. Um dies zu hinterfragen sollte ein Moderator gewählt werden und im Kreis zusammen gesessen werden um abzufragen wie es den Teilnehmern geht. Was findest du gut und was findest du weniger gut. Was erwartest du von der Gemeinschaft und was kannst du ihr geben. Die Antworten sollte in Stichpunkten auf Kärtchen geschrieben werden und offen auf eine Pinnwand kommen. Zum Schluß sollte ein Tagesmotto herauskommen und wenn das Jedermann/-Frau gut heißen kann, so steht meiner Meinung nach einem Tag voller Harmonie nichts mehr im Wege. Eine Sitzung sollte nicht endlos sein, so um eine Stunde herum sollte genügen. Eine Gemeinschaft kommt nicht von allein. In jeder Gruppe ist ein Mensch den viele , am besten alle , respektieren und der sollte die Moderation übernehmen. Das muß nicht zwangsläufig der Initiator der Gemeinschaft sein. Es muß bei jedem Mitglied die Bereitschaft zum Lernen da sein, dann kann es gut funktionieren.


#5

Hallo E-Rena,
natürlich kann das mit einer Frau auch passieren. Es bezog sich auf meine eingangs geschriebene Erfahrung, dass es in erster Linie Männer sind, die Großprojekte mit mehreren Hektar Land und tausenden von Quadratmetern Wohnfläche erstehen, so dass für die nächsten Jahre erst einmal extrem viel Arbeit am Objekt stattfinden muss. Das deckt sich auch mit meiner Berufserfahrung aus dem Immobilienbereich, vielleicht schaue ich etwas einseitig drauf.

Falsche Menschen in Bezug auf das Projekt, ja, verrückt irgendwie. Ich persönlich dachte, dass es bei einem neuen Projekt um das Einbringen von Ideen und den Austausch mit anderen geht. Da sind sicher viele interessante Erfahrungen möglich, die für das Projekt förderlich sind. Allerdings muss man meiner Meinung nach bereit sein, flexibel zu reagieren, vielleicht auch mal ne neue Richtung zu nehmen. Gerade bei Projekten mit “gestandenen” Menschen ist doch die Chance hoch, dass Unerwartetes gewuppt werden kann und tolle Synergieeffekte entstehen. Vielleicht bin ich aber zu naiv an die Sache rangegangen.


#6

Guten Morgen Tinka,
wir haben diese Erfahrungen von der anderen Seite gemacht. Wir haben 2 Jahren investiert um Menschen für ein gemeinsames Objekt zu finden. Es waren immer wieder neue Menschen aber es gelang nicht mit diesen Menschen gemeinschaftlich zu kaufen, jeder hatte seine eigenen Ideen. Also haben wir selbst gekauft und die Leute gesucht, dann kam die Wohnungsnot. Jetzt gab es sehr viele Menschen die Wohnungen suchten und vorgaben gemeinschaftliche wohnen zu wollen. Aber max. 25% wollte dies wirklich und von den verbleibenden Rest konnten weniger als 25% dies. Das persönliche EGO ist das größte Problem der Gemeinschaftsbildung.
Glücklicherweise sind wir finanziell unabhängig und es gibt keinen Wirtschaftsbetrieb in der Gemeinschaft der Geld einbringen muß. Wir suchen nur Menschen die gemeinschaftlich mit uns wohnen wollen, dies macht es deutlich einfacher, aber es ist immer noch schwierig genug.
Ohne eine gesunde finanzielle Basis, ist Gemeinschaft zum scheitern verurteilt. Ohne geeignete persönliche Voraussetzungen kann keine Gemeinschaft entstehen.
Wir haben die Umsetzung der Idee deutlich einfacher eingeschätzt. Wir können nur warnen dies leichtfertig zu tun, sondern genau prüfen wo wer was macht.
Es bleibt auf jeden Fall spannend auch nach vielen Enttäuschungen glauben wir, dass wir die richtigen Menschen finden, die unsere Vision teilen.
Die Frage ist: Wie kann ein Mensch (Mann / Frau) glauben, da jemand mehrere Jahre Arbeit und viel Geld investiert um die Ideen anderer Menschen zu verwirklichen, wenn es nicht gleichzeitig seine Idee ist. Wer zu viel Geld hat spendet es bedingungslos, in diesem Stadium sind wir leider noch nicht.
Viele Grüße aus dem Wohnprojektbodensee in Wangen


#7

Ja, ich sehe es auch so, wenn nur eine Person die Entscheidungen fällen will, ob Mann oder Frau ist eigentlich egal, sind Probleme vorprogrammiert. Da hast Du schon recht E-Rena. Aber in einer großen Gemeinschaft, die womöglich noch wirtschaftliche Interessen vertritt, oder vertreten muss, weil sie weitgehend autonom sein will, ist es vielleicht auch gar nicht möglich, alles auszudiskutieren. Deshalb bin ich gegenüber sehr großen Gemeinschaften mittlerweile doch etwas kritisch eingestellt. Aber, ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Trotzdem sehe ich meine Zukunft im Moment doch eher in einer kleinen überschaubaren Land Wg. mit etwas Selbstversorgung. Hierbei ist es auch besser möglich, sich vorher erst mal kennen zu lernen. Und Tinka, ich war zu Anfang auch naiver. Aber das empfinde ich nicht als negativ. Also mach Dir nichts daraus. Du hast deine Erfahrungen gemacht, und daraus gelernt. Deine Ideale solltest Du aber trotzdem nicht einfach fallen lassen. Ich werde das auch nicht tun.


#8

Dann will ich zu diesem Thema auch einmal meine Meinung kundtun.

Ich bin ein „Mann“ der den Hut auf hat. Wahrscheinlich kommt, dass hier erst einmal schlecht an???

Ich bin vor 22 Jahren damit angefangen ein Gemeinschaftsprojekt auf zu bauen. In der Zwischenzeit habe ich viele Erfahrungen machen können.

Herausgekommen ist dabei ein Fachwerkdorf mit jetzt 58 kleinen und großen Menschen wobei auch meine Familie in diesem Bereich lebt.

Das erste Haus hatte 3 Wohnungen, die über einen Flur erschlossen wurden. So kann man es machen. Aber gefragter ist ein kleines freistehendes Haus. Jeder möchte möglichst viel abgeschottete Privatsphäre. Es gibt auch Doppelhäuser bei uns. Wenn möglich, wird aber nach dem Einzelhaus gegriffen.

Es gibt eine Teichhütte für die Gemeinschaft und wir haben Werkstätten für Holz und Metall die auch die Mieter nach Absprache nutzen können. Es wird aber nicht genutzt.

Es entstehen Nachbarschaft und Grüppchen, die sich immer wieder verändern. Mal kann der Eine gut mit Dem, dann hat mal Jemand schief geguckt und es bildet sich ein neues Grüppchen.
Da moderierend ein zu greifen, verkneife ich mir.

Ich stelle die Wohnungen gegen Geld (Miete) zur Verfügung. Wer dann mit Wem verstärkt kommuniziert und Gemeinschaft pflegt, bleibt dann Jedem selbst überlassen.

Bei einer Neuvermietung schaue ich dann natürlich schon hin, ob der Bewerber zu unserem Hof passt. Wenn sich herausstellt das der Mieter eine ganz andere Lebensvorstellung hat, sind wir ihm auch nicht böse, wenn er weiter zieht.

Wir ermöglichen auch den Mietern einen Wohnungswechsel auf dem Hof, wenn sich ihre Familiensituation verändert hat. Dadurch entsteht schon eine Nachbarschaft, die auf Dauer angelegt ist.

Großtagespflege, Seniorenhausgemeinschaft, Senioren-WG wie Henning Scherf sie lebt, oder Alten-WG, wir haben schon viele Ideen gedanklich durchgespielt.

Über ein Dauerwohnrecht haben wir auch schon mit Interessenten diskutiert. Letztlich haben wir uns für einen Kredit bei der Hausbank entschieden. Da ist das Konfliktpotenzial geringer.

Meine Familie ist über die G.b.R. eingebunden.

Unser jetziges Konzept funktioniert und könnte so langsam weiterwachsen.

Heinz-Josef


#9

Das sehe ich ähnlich, aber nicht ganz so. Natürlich ist es wichtig, dass die Gemeinschaft bestimmte Mittel hat, aber ist es denn nicht auch möglich, das Know-How von Menschen als Kapital anzusehen? Wer interessiert sich denn für gemeinschaftliches Wohnen? Sind es nicht oft Menschen, die andere Werte haben als sie in unserer Gesellschaft üblich sind? Damit meine ich nicht Menschen, die eine Auffangstation suchen, so etwas ist im Gründungsprozess sicher nicht hilfreich. Aber es gibt doch Menschen, die begnadete Netzwerker sind oder ideale Mediatoren, so jemand ist doch ganz wichtig, wenn eine gleichberechtigte Gemeinschaft entstehen soll, finde ich. Dann hat so jemand keine 30.000 Euro und ist dadurch außen vor, wenn man nur den finanziellen Aspekt betrachtet.

Und das ist vom Sinn her für mich ähnlich wie “Erst muss der Betrieb laufen…” Nicht böse gemeint, es ist sicher schwierig sich auf Experimente einzulassen, vor allem, wenn man schon verschiedene Erfahrungen gemacht hat. Ergänzend:

Ich bin mal ganz provokativ: Warum nicht? Ich habe auch schon Leuten geholfen, ihre Ideen zu verwirklichen, ohne dass es meine waren oder ich davon profitiert habe. Wenn es mir natürlich schadet oder mich behindert würde ich es auch nicht machen, aber es gibt so viele spannende Ideen und Möglichkeiten im Leben, ganz abseits von meinen eigenen grundsätzlich begrenzten Erfahrungen.


#10

Tinka, dem stimme ich absolut zu.


#11

Brecht “Erst kommt das Fressen, dann die Moral” (Dreigroschenoper).

Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum fallen nicht vom Himmel, Bestandsimmobilien müssen evt. renoviert oder umgebaut werden, Neubauten errichtet werden, Grundstücke gekauft werden. Einer oder mehrere müssen Geld in die Hand nehmen, um das zu erreichen - Eigenleistung hin oder her. Selbst wenn eine/r oder eine Familie bereits Grund, Boden und Gebäude hat und dies unentgeltlich zur Verfügung stellt oder gar verschenkt, ist das eine geldwerte Leistung.

So ein Projekt ist auch immer ein wirtschaftliches Unternehmen. Erstellung und Betrieb/Unterhalt kosten neben Eigenleistungen auch einfach Geld. Auch ein weitgehend autarker landwirtschaftlicher Betrieb muss sich finanziell tragen.

Im Konfliktfall entsteht meist das Trennende, wie die Mitdiskutierenden bereits beschrieben haben: Diejenigen, die sich über den Tisch gezogen fühlen, stigmatisieren die Ziehenden. Es entstehen Dissonnanzen, die sich keiner der Beteiligten vorher vorstellen konnte. Von wegen “gesunder Menschenverstand”, “man kann über alles miteinander reden”. Wenn subjektiv viel Geld, Herzblut und/oder Arbeitsleistung investiert wurden, wird die Auseinandersetzung schnell hart.

Wir versuchen stets die Erwartungshaltungen der Interessenten zu erfragen und mit unseren abzugleichen, laden zum Probewohnen ein. Dennoch bleiben manche Erwartungen verborgen, unausgesprochen (vielleicht auch uneingestanden). Das kann Konflikte auslösen. Wir als Gruppe sagen aber auch, was wir leisten können und wollen. Die Themen “wieviel Nähe wollen wir leben” und “Maß der gegenseitigen Hilfestellung” ist für uns entscheidend. Ganz pragmatisch, ohne ideologische, wie auch immer geartete, Überhöhung des Gemeinschaftsgedankens. Steht so auch auf unsere Internetseite.

Eine Zeitlang haben wir mit Wertequadraten gearbeitet, was ich persönlich als hilfreich empfand. Aber nicht alle waren an dieser intellektuell durchaus anspruchsvollen Arbeit interessiert. Diese Phase ist nun bis auf weiteres abgeschlossen.
@owo: Führt ihr die Moderationsrunden immer noch regelmäßig durch?

Die Kunst der Führungskräfte im Projekt (seien es die Finanziers, die ideellen Gurus, die informellen Häuptlinge oder die einfach Lautstarken) liegt m.E. darin, die Gruppe im Konsens zu leiten. Das ist Gruppendynamik für Fortgeschrittene. Da habe ich es mit owo:

Mit besten Grüßen in die Runde!


#12

Das ist richtig. Was mich im Moment beschäftigt ist die Einstellung, dass man die Gemeinschaftsbildung zugunsten des Gelderwerbs vernachlässigt. Für mich ist das zu kurz gedacht, daher das Topic.

Natürlich ist es oft schwierig, sich verborgene Sehnsüchte oder Erwartungen einzugestehen. Das geht wohl nur, wenn man demjenigen oder denjenigen vertraut (inkl. Selbst-Vertrauen). Wenn man in eine fremde Gruppe kommt, ist es für Viele wohl unmöglich. Es bedarf einer großen Ehrlichkeit und der Gewissheit, dass auch Unbequemes wohlwollend aufgenommen wird. Das ist leider oft nicht der Fall und wer hst schon das Selbstbewusstsein, sich der Ablehnung auszusetzen, wenn man ein Zuahuse sucht. Natürlich auch kurzsichtig gedacht, aber menschlich.

Ich hatte hier auch schon ernste Konflikte mit einzelnen Personen und wir konnten die miteinander konstruktiv klären, weil es der Herzenswunsch jeder der beteiligten Personen war zu schauen, woraus der Konflikt entstanden ist, wo Grenzen verletzt wurden usw.

Dazu muss aber erst einmal anerkannt werden, dass auch andere Menschen als der Geldgeber etwas beizutragen haben. Ich habe im vergangenen Jahr mehrere hundert Stunden als Mediator und Ansprechpartner eingesetzt. Kostenlos, weil mir etwas an der Idee liegt. Leider wird das vom “Chef” nicht anerkannt. Ich kann damit leben, aber das kann nicht jedeR.

BTW: dabei habe ich einen neuen Weg kennengelernt, Entscheidungen zu treffen, der mir sehr gut erscheint: das systemische Konsensieren.


#13

Hallo,
ich habe mit Interesse die Problematik erfasst und einige Antworten dazu gelesen.

Soweit JEMANDEN meine Meinung zu derartigen Problemen interessiert,
HIER mein Beitrag:

Egal ob Mann oder Frau, Jemand hat eine Vision die in ihrer Entstehung viel Ursachen haben kann.

Soweit es sich darum handelt das jemand als Einzelperson einen Resthof, ein Anwesen oder einen gastronomischen Betrieb gekauft hat um diesen nach seinen Vorstellungen und Visionen umzubauen, herzurichten und er beginnt nach dem Kauf mit Eigenmitteln oder gar Fremdmitteln, dann hat er sich auch Gedanken gemacht ob er dann nur anderen Personen das von IHM fertiggestellte so zur Verfügung stellen will gegen ein monatliches Entgelt, denn eine Beteiligung würde ihn einschränken.
Nach dem Gedanken , viele Köche verderben den Brei kenne ich aus beruflichen Anlässen als Unternehmensberater & Finanzcoache solche Grundlagen.
Oft verkommt eine Idee, Vision zu einem Debattier-Club und es läuft nicht mehr viel oder es frisst sich an unnötigen Auseinandersetzungen fest.

Lösungen hierzu:

Grundsätzlich strebt jeder Mensch nach Gemeinsamkeit was nicht mit Gemeinwohl zu verwechseln ist.
Risiko und Chance müssen einen gesunden Ausgleich finden.
Was ist also zu tun.
finanzielle Offenheit und prüfe sich wer sich auf Zeit oder ewig binden will.
Es ist keine Problem von vorneherein einer WG- Gemeinschaft auf einen zeitlichen Horizont beizutreten.
Ausserdem gilt ein ALTES Sprichwort: WER zuerst kommt der malt zuerst oder wer die Musik bezahlt,. der bestimmt auch was gespielt wird.

Diese Grundhaltung liegt in der modernen kapitalistischen Welt am SYSTEM, der Grundhaltung das Kapital sich gefälligst zu vermehren habe.
NUN, Kosten und Risiko des Scheiterns, wenn es nur auf einer Schulter des alleinigen Eigentümers liegt bereitet Stress und folgerichtig Unsicherheiten beim Betreiber.

WENN allerdings offene Gespräche, eine demokratische Struktur zu Entscheidungen begründet werden, wie z. Bsp. die Gründung einer Genossenschaft oder eine ähnliche zivilrechtliche Struktur dann gibt es Gremien die Entscheidungen treffen, Risiken und Kosten verteilen, eventuell sogar grundbuchliche Rechte beschließen.
Hier hat der Initiator erstens mehr Sicherheit und die Gemeinschaft schützt sich vor Sozialschmarotzern die es Allen Landes gibt.

NUN, vielleicht harte Worte aber das Ergebnis kann für sich sprechen:
Risiko und Eigentumsmanagement
Kosten und Beteiligungsmanagement
Aufgabenverteilung nach dem Können und den Möglichkeiten der einzelnen Teilnehmer.
Gemeinschaft pflegen, kulturelles in der Vordergrund stellen und soziale Bindungen geben im Gedanken und Handeln etwas zu geben und nicht etwas mit Ansprüchen belastet nehmen zu wollen.

Mann / Frau muss es weder glaubensorientiert noch spiritistisch zwingend betrachten. ABER: es gibt Menschen, Charaktere die passen auch bei besten Bemühungen NICHT zusammen dies muss kommuniziert werden, von Anfang an.

Obwohl kulturelle Ausrichtungen, Religiösität und sozial- seelischen Empfindungen eine gute Voraussetzung bilden um GEMEINSAM Ziele zu erreichen.

Ich selbst habe meine Erfahrungen an eigenen Projekten machen dürfen.
Ohne ein GIB, dann wird Dir auch GEGEBEN, einer solchen etwas vielleicht aufopfernden Grundeinstellung, der gegenseitigen Rücknahme, Toleranz und und der Befähigung zu Streitgesprächen die einen Zwischenkonsens oder eine gemeinsame Verpflichtung ergeben klapp es MEISTENS NICHT langfristig.

MITEINANDER REDEN; SICH PRÜFEN UND WENIGER VERSPRECHEN SONDERN EIN HANDELN FÜR DIE SCHWÄCHSTEN IN DER GEMEINSCHAFT; MIT RESPEKT UND KLAREN WORTEN IN DEN VORDERGRUND STELLEN SIND EIN GUTES REZEPT EIN SCHEITERN FRÜHZEIT ZU ERKENNEN FEHLENTWICKLUNGEN ZU KORRIGIEREN:

EUER KONRAD J: WENDEHORST


#14

Ich denke wenn man sich Leute für eine Wohngemeinschaft sucht sollte man sich selbst und das Objekt kurz in einem Videoclip vorstellen. Ob man dann den Richtigen gefunden hat, stellt sich erst raus, wenn man mit diesen Menschen zusammenlebt. Aber Vorsicht: der Mensch kann auch seine Meinung ändern, genauso wie sich die Welt durch das Internet im Moment verändert. Wir vermieten seit 18 Jahren unser kleines Zimmer im Dachgeschoß und konnten Erfahrungen machen mit Leuten aus dem Iran, Argentinien, Dänemark, Mexiko, USA, Türkei ,Drogendealer, Kriminelle, Alkoholiker und deutschen Studenten. Wir hoffen immer auf das Gute im Menschen. Ansonsten würde ich selbst zunächst einmal für ein Wochenende in einer WG Probe wohnen.