Das liebe Geld -Erfahrungen im Zusammenhang mit Wohngemeinschaften-


#1

Interessant, dass dieses Thema bisher nicht thematisiert wurde, wo es doch speziell im “Schwabenland” das zentrale Thema ist. Wir sind ein Wohnprojekt mit einer Komplettmiete und hatten tatsächlich bis auf einen hoffnungslosen Fall nie Streitereien wegen dem Geld. Das finde ich Klasse und bedanke mich bei allen die hier fair miteinander umgegangen sind. Gruß Ralph
Wie sind die Erfahrungen wenn man gemeinsam ein Haus kauft, oder sich in eine Genossenschaft einkauft?


#2

Gemeinschaftsbildung im Alter

Ich habe mich in einem anderen Forum mit diversen Personen ausgetauscht. Eine kurze Version der Gedanken will ich hier mal reinstellen.

Vor 23 Jahren bin ich angefangen, dass erste Mietshaus zu errichten. Von Anfang an war mir wichtig, keinen Mietshauscharakter aufkommen zu lassen. Deshalb bekam das Haus auch nur einen Briefkasten für alle. Der Kontakt zu den ersten Mietern war sehr gut----- man unternahm viel gemeinsam. Auch heute, wo keiner mehr von ihnen auf dem Hof wohnt, trifft man sich noch zum Geburtstag oder einfach mal so zum Frühstück.

Durch Zuzug, Wegzug und Partnerwechsel blieb diese gute Situation nicht bestehen.

Es wurde weiter gebaut und es entstanden neue „Nachbarschaften“. Sie wurden auch gepflegt. Zeitweise wohnten auch meine Töchter im vorderen Innenhof und waren dort mit eingebunden.

In der Planung hat man viele Ideen. Ich hatte mal die Idee eine „Hofstelle“ für ältere Menschen aufzubauen. Es sollten fünf bis acht Parteien darin leben. Jeder ihren eigenen Bereich haben, aber die große Diele sollte das Wohnzimmer für alle sein. Vielleicht dort mit einem große Holzofen der das ganze Haus heizt und für den die „Rentner“ dann zuständig wären und das Holz dafür zubereiten müssten.
Das habe ich mit einer Gerontologin von der Uni besprochen und die hat mir alle Zähne gezogen.

Daraufhin habe ich die Idee fallen gelassen. Später ist daraus die Idee der „Verlässlichen Nachbarschaft geworden. Hier sind um einen zentralen Platz mit Sitzecke 7 verschieden große Häuser angeordnet. Jeder sieht beim Verlassen seines Hauses ob der Nachbar morgens aufgestanden ist und kann notfalls mal nach den Rechten sehen.

Das ist realisiert worden.

Durch Gespräche mit Henning Scherf der in Bremen in einer WG lebt, ist bei mir die Idee entstanden, auch für Senioren so einen Platz auf den Hof bereit zu stellen. Eine „Scheune“ mit 140m² Wohnfläche sollte so aufgeteilt werden, das unten und oben je eine Wohnung von 70m² entsteht. Der Zugang zur oberen Wohnung würde die untere Wohnung streifen. Damit es barrierefrei ist, war auch vorgesehen einen Minifahrstuhl einzubauen. So hätte jeder seine eigene Wohnung, aber man wohnt auch „zusammen“. Habe für diese Idee leider keine Leute finden können. Hab den Fahrstuhl gestrichen und das ganze Objekt an eine junge Familie vermietet. Da musste ich in finanzieller Hinsicht Zugeständnisse machen, weil sie nicht das zahlen können, was zwei Rentnerparteien gezahlt hätten.

Die Gemeinschaften auf dem Hof funktionieren schon. Menschen sind aber verschieden. Krankheit kann einen Menschen verändern. Das haben wir gerade erlebt. Eine Frau von 60 Jahren zieht zu uns. Das startet gut. Dann hat der eine gesundheitliche Probleme und reagiert gereizt auf dem Nachbarn, dann auf einmal hat der Nachbar eine Depriephase und dann geht es umgekehrt los. Ich mische mich da nicht (so wenig wie möglich) ein, und nach einiger Zeit renkt es sich dann wieder etwas ein.

Welche Gemeinsamkeiten bleiben dann noch übrig???

Schon noch etwas! Die Mütter unterstützen sich gegenseitig bei ihren Kindern. Jeder Haushalt hat von Jedem Haus eine Bewohnerliste mit Geburtsdatum. Da wird dann mal spontan eingeladen und wer Zeit hat, geht hin. Bei großen Fußball Übertragungen wird schon mal in der Hackschnitzelhalle ein großer Bildschirm aufgestellt und es wird gemeinsam Fußball geguckt. Wer gerade noch eine Kiste Bier zu Hause hat bringt sie mit. Alle 8 Wochen treffen sich die Frauen (die Zeit haben) zum Frauenstammtisch und tauschen sich mal aus.

Ein Bewohner ist vor 1 Jahr schwer an Krebs erkrankt (hat Gott sei Dank eine positive Wendung genommen) da war die Anteilname und die Unterstützung der Nachbarn sehr groß.

Manchmal wünscht man sich, die Gemeinschaft zu intensivieren.

Aber ein regelmäßiges Plenum, demokratisches Abstimmen, hierarchiefrei, im Konsens, Mietshäusersyndikat, Permakultur, extreme grün Ansichten oder Tierrechtler möchte ich auf dem Hof nicht haben. Deshalb lasse ich es langsam laufen und hoffe, dass sich alle auch so wohlfühlen
.
Vielleicht noch einen Gedanken zum Wohnen und zur Gemeinschaftsbildung im Alter:

Sollte man mieten oder besser kaufen?

Ich habe Eigentum. Rate auch allen jungen Leuten sich eine Eigentumswohnung oder ein Haus als Ziel zu setzen. Es entsteht ein anderes Lebensgefühl und eine andere Verantwortung, die auch zu einer besseren Vermögenbildung führt.

Im Alter sieht es anders aus. Die Vermögenbildung ist nicht mehr wichtig, eher darf man das im Leben aufgebaute Vermögen für seinen Lebensabend nutzen. Das könnte ja in dem Kauf einer schicken Wohnung enden, aber im Alter sind viele empfindlicher auf äußere Einflüsse. Hat man aber gekauft, kann man nicht so schnell dem Zwist mit dem Nachbar aus dem Wege gehen. Als Mieter ist das einfacher. Sollte z.B. der Partner versterben, entsteht eine neue Situation und schon kann es zu Überlegungen kommen, ob die bisherige Wohnsituation beibehalten werden kann. Als Mieter ist man da freier. Aber das Problem dann einen neuen Bekanntenkreis aufzubauen, ist dann evtl. eine neue Herausforderung.

Wenn Jemand mehr Informationen über den Bussjans Hof haben möchte kann sie gerne unter: heinz.burhorst@ewetel.net anfordern.


#3

Gemeinsam ein Haus bauen und als Genossenschaft firmieren?? Ich schreibe hierzu mal meine Gedanken.

Immer wieder liest man von Leuten die ein Gemeinschaftsobjekt als Wohnungsgenossenschaft aufziehen wollen.

In der Gemeinschaft fühl man sich stark und hofft, so etwas auf die Reihe zu bekommen, was man sonst vielleicht nicht hinbekommen würde.

Ich würde vorsichtig sein. Es kann richtig sein sich bei einer Genossenschaft zu beteiligen. Man sollt aber unbedingt auch andere Alternativen abwägen.

Man muss viel diskutieren um zu einem gemeinsamen Plan zu kommen. Es sind Kompromisse nötig. Man lernt seine Mitbewohner kennen und muss heute und in Zukunft mit ihnen klarkommen .Ein Planungsbüro und einen Unternehmer braucht man auch. Ein Vorsitzender der Genossenschaft kann alles regeln. Aber er arbeitet mit anderer Leute Geld. Ein selbständiger Unternehmer rechnet mit seinem Geld und wird öfter mal nachrechnen. In der Regel wird eine Genossenschaft nicht billiger bauen als ein frei finanziertes Unternehmen. Gute Argument, dass es anders ist, haben sie aber oft.

Beim Kauf oder Bau einer Wohnung oder eines Hauses, erwartet die Bank ein Eigenkapital von 25-30%. Bei einer Genossenschaft muss der Betrag als Einlage eingezahlt werden. Bei Eigentum zahlt man anschließen Zinsen und Abtrag an die Bank, bei der Genossenschaft zahlt man Miete an die Genossenschaft.

Bei der Genossenschaft hofft man, dass nach 20-25 Jahren der Kredit abbezahlt ist und sich dann die Miete reduziert. Bei Eigentum wird der Kredit abbezahlt und man hat anschließend den Unterhaltungsaufwand zu leisten.

Der Unterschied zwischen beiden Systemen besteht darin, dass ich bei Eigentum eine Wertsteigerung erwarte, die ich bei einem Verkauf in meine Tasche stecken kann. Bei einer Genossenschaft bekomme ich bei einem Ausscheiden nur den eingezahlten Genossenschaftsanteil zurück.

Das Genossenschaftsgesetz hat strenge Reglungen und der Genossenschaftsverband prüft regelmäßig jede Genossenschaft sehr genau. Das bringt einerseits Sicherheit, verursacht aber auch einen großen Aufwand und Kosten.


#4

Hallo Heinz -Josef,
ich bin hier noch sehr neu. spiele schon lange mit dem Gedanken, was geschieht weiter in meinem Leben. Alleine leben oder doch mit anderen Menschen sich gegenseitig unterstützen usw.Ich habe heute etwas über dem Bussjans Hof gelesen. Doch mich interessiert es, ob es so etwas auch in meiner Gegend (Niederrhein) gibt.
Gruß Martina


#5

Hallo Martina

In deiner Gegend kann ich dir kein Objekt enpfehlen.

Hab dir aber 2 Mail mit Unterlagen geschickt. So kannst du dich mal in in das Thema einlesen.

LG
Heinz-Josef Burhorst


#6

Hallo Heinz Josef,
auch ich bin auf der Suche nach einem Wohnprojekt oder einer Zweier WG. Am liebsten an der Ostsse. Hast Du da auch schon Ideen oder Unterlagen zu??
Herzliche Grüßles von Regina


#7

Hallo Regina,

ich habe auf deine Anfrage dir eine Mail mit 2 Dateien geschickt.

Hab es schon mal so gehabt und dann ist es in diesem System hängengeblieben und nicht beim Empfänger angekommen.

Sollte jetzt bei dir nichts ankommen, sende mir bitte eine Mail an: heinz.burhorst@ewetel.net

Schönen Sonntag wünscht
Heinz-Josef Burhorst


#8

@ Die Vermögenbildung ist nicht mehr wichtig … Intressante Frage ab wann ist die Vermögensbildung nicht mehr wichtig ? Im Bekanntenkreis kaufen sich Leute mit 79 Jahren noch eine Eigentumswohnung in Sorge sie können demnächst die Treppe nicht mehr ersteigen. Dann gibt es junge Leute, die sich komplett von Eigetum trennen um die Welt reisen und vom Notebook arbeiten. Eines bleibt sicher: Nichts kann man mitnehmen.


#9

Meines Erachtens müsste die Frage lauten: ab wann ist Vermögensbildung nicht mehr möglich.
Wohneigentum ist immer sinnvoll. Es muss nur das richtige, zum jeweiligen Bedarf passende Wohneigentum sein. Was richtig ist, ändert sich im Laufe eines Lebens oft gravierend.
Wenn in jungen Jahren die Bildung von Vermögen nicht möglich ist bzw. war, macht es wenig Sinn, mit Rentenbeginn oder kurz vorher damit anfangen zu wollen. So kann das nicht funktionieren, es sei denn man erbt oder gewinnt im Lotto…


#10

Unser Motto: Eine Hand wäscht die andere! Wenn einer mal was ausgegeben hat, dann gibt der andere entweder das Geld direkt zurück oder beim nächsten mal zahlt der andere.


#11

Guten Tag Heinz-Josef,

die nicht gewollte Gesinnung hat womöglich mehr Sinn für das Ideal Gemeinschaft ?

Freundlich grüßt, Anette


#12

Hallo Anette,

Vielleicht??

Bei der Vermietung von einem kleinen Fachwerkhaus stand eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kleinkindern und eine Business Frau aus der oberen Etage einer großen Firma in der engeren Wahl.

Ich habe mich für die junge Mutter entschieden.

Finanziell wird sie es wohl schaffen. Menschlich wird sie mit ihren Kindern die Hofgemeinschaft eher beleben, als die Business Frau.

Ein frohes Osterfest wünscht
Heinz-Josef


#13

Hallo Heinz-Josef ,

ich hätte auch Mutter & Kinder gewählt.

Herzensgüte ist Leben.
Und, es ist ein Segen für Kinder, im Einklang mit der Natur aufwachsen zu dürfen.

Frohes & gesegnetes Osterfest wünsche ich auch, Anette

PS:
Fuchs-Geheimnis :wink:
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
( Antoine de Saint-Exupéry –> derkleineprinz-online.de/text/21-kapitel/ )